(openPR) Das österreichische Kompetenzzentrum acib entwickelt mit den Industriepartnern F. Hoffmann LaRoche und Novartis eine neue steirische Schlüsseltechnologie: Das weltweit erste Testsystem im präparativen Maßstab, das im Reagenzglas den Abbau von Medikamenten wie im Körper simuliert.
„Über Wirkung und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen informieren Gebrauchsinformation....“ – Wer kann diesen Satz nicht schon seit Kindertagen aufsagen? Um eine neue Schlüsseltechnologie zum Erforschen von Wirkung und Nebenwirkungen geht es bei einem Forschungsprojekt des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib). Zusammen mit den Industriepartnern Novartis und F. Hoffmann LaRoche haben acib-ForscherInnen eine Technologie entwickelt, mit welcher der Abbau der Medikamente wie im Körper untersucht und nachgestellt werden kann – quasi die Leber im Reagenzglas. Die Leber ist der Hauptabbauort von Pharmazeutika im Körper.
Bis neue Medikamente auf den Markt kommen, dauert es Jahre. Das liegt an vielen Tests, die sicherstellen, dass das Medikament nicht nur wirkt, sondern im Idealfall keine Nebenwirkungen hat. Bisher musste die Pharmaindustrie alle Abbauprodukte, die im Körper aus dem Medikament entstehen, vorhersagen, chemisch herstellen und einzeln auf ihre Wirksamkeit überprüfen. „Im schlimmsten Fall sind die Vorhersagen falsch, weil der Abbauprozess im Körper ganz anders abläuft als gedacht“, erklärt Margit Winkler, Forscherin beim Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib). Die neue acib-Methode verwendet körpereigene Enzyme und simuliert im Reagenzglas den Abbau der Medikamente genau so, wie das der Körper auch macht.
Die pharmazeutische Industrie entwickelt ständig neue Arzneimittelkandidaten, um die Behandlungsmöglichkeiten unserer Ärzte zu erweitern und unsere Gesundheit zu verbessern. Was passiert mit pharmazeutischen Wirkstoffen im Körper? „Die Verbindungen entfalten einerseits ihre gewünschte Wirkung, andererseits werden sie abgebaut, damit sie schneller ausgeschieden werden können“, so Projektmanagerin Margit Winkler.
Die erste Stufe dieses Abbaus im Körper vollziehen zwei Enzymsorten, nämlich Hydrolasen und Redoxenzyme. Letzteren und genau genommen den Oxygenasen widmet sich das Forschungsprojekt von acib, Novartis und F. Hoffmann LaRoche. „Unser Ziel ist, jedes einzelne Enzym aus dem menschlichen Abbau-Stoffwechsel zur Verfügung zu haben, damit man damit beispielsweise spezielle Funktionen der menschlichen Leber simulieren kann“, erklärt die acib-Forscherin.
Die Pharmaindustrie kann mit dieser „künstlichen Leber“ neue Wirkstoffkandidaten testen und weiß in einer sehr frühen Entwicklungsphase, welche Abbauprodukte entstehen. Mit dieser Information und den richtigen Enzymen ist es dann ein Kinderspiel, genügend Material dieser Abbauprodukte für weitere Untersuchungen herzustellen. Das Raten entfällt, die Sicherheit steigt.
Die acib-Methode wurde bereits zum Abbau des Medikaments Moclobemid eingesetzt; die Substanz wird bei Depressionen verschrieben. Dieses Forschungsprojekt macht es weltweit erstmals möglich, ein exaktes Stoffwechselprodukt enzymatisch in brauchbaren Mengen herzustellen, um es für weitere Tests zugänglich zu machen. „Novartis und F. Hoffmann LaRoche wenden diese neue, steirische Schlüsseltechnologie schon bei der Entwicklung neuer Wirkstoffkandidaten an“, freut sich acib-Geschäftsführer Anton Glieder darüber, dass wieder eine neue Technologie aus dem Kompetenzzentrum acib in der Medikamentenentwicklung eingesetzt wird. Mit neuen Verfahren auf Basis von Enzymen aus dem Mandelbaum und der Schweineleber kann acib bereits auf erfolgreiche Verbesserungen für die Pharmaindustrie verweisen. Eine wissenschaftliche Publikation zur „Leber im Reagenzglas“ ist eben erschienen.












