(openPR) ACE fordert wirksame Maßnahmen – E-Autos senken Lärmpegel nicht
Stuttgart (ACE) 24. April 2012 – Der ACE Auto Club Europa hat Kraftfahrzeughersteller und Politik zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen Verkehrslärm aufgerufen. Nahezu 45 Millionen Menschen fühlen sich in Deutschland durch Straßenverkehrslärm gestört oder gar belästigt. Darauf hat jetzt der Lärmexperte des Umweltbundesamtes, René Weinandy aufmerksam gemacht. In einem Gespräch mit der Zeitschrift ACE LENKRAD (4 / 2012) sagte er: „Diese hohen Lärmbelastungen beeinträchtigen die Gesundheit und mindern die Lebensqualität“. Der geplante Einsatz von einer Million Elektroautos bis 2020 wird nach Ansicht des Experten das Problem des starken Verkehrslärms nicht lösen, der dadurch erreichbare Lärmminderungswert betrage weniger als 0,1 Dezibel.
Beim ACE sieht man angesichts der durch Verkehrslärm hervorgerufenen gesundheitlichen Einbußen jetzt wachsenden Handlungsbedarf. Zugleich bedauert der Club, dass die Autohersteller „im Kampf gegen den Krach offenbar einen neuen Konflikt mit der EU-Kommission riskieren wollen“. Brüssel möchte zeitnah schärfere Lärmgrenzwerte festlegen, wogegen sich die Industrie zur Wehr setzt. Laut ACE wurden die einschlägigen europäischen Lärmminderungsrichtlinien binnen 42 Jahren (1970) nur einmal angepasst und sind seither (1995) nicht mehr auf den neuesten Stand gebracht worden. Die EU schätzt den lärmbedingten volkswirtschaftlichen Schaden europaweit auf 120 Milliarden Euro im Jahr.
An diesem Donnerstag (25. April) ist der „Tag gegen Lärm“.
Autos sind im Vergleich mit den Fabrikaten von vor 20 Jahren deutlich leiser geworden, der zulässige Geräuschpegel beträgt bis zu 74 Dezibel, die leisesten Modelle liegen heute bei 65 Dezibel. Dennoch ist der Lärmpegel auf Deutschlands Straßen nicht gesunken. Grund: Seit den 70er-Jahren hat sich das Fahrzeugaufkommen etwa verdreifacht – die Masse sorgt für eine Geräuschkulisse, die den positiven Effekt wirksamerer Schalldämpfer und aerodynamischer Karosserien wieder aufhebt.
Als größte Krachmacher erweisen sich bei Geschwindigkeiten von mehr als 50 Kilometer pro Stunde (km/h) die Abrollgeräusche der Reifen auf der Fahrbahn. Dagegen gibt es wirksame Mittel. Flüsterasphalt und leisere Reifen bieten nach Darstellung des ACE eines der größten Potenziale, um den Lärm zu begrenzen.
Autobahnen: Nur 400 Kilometer Flüsterasphalt
Doch die bisherigen staatlichen Bemühungen bei der Bekämpfung des Straßenverkehrslärms sind nach Ansicht des ACE unzureichend. Für den Club genügt es nicht, alleine die Symptome zu therapieren und Lärmschutzwände hochzuziehen. Laut ACE sind bislang immerhin 1 652 der insgesamt 25 638 Streckenkilometer Autobahnen mit abschirmenden Lärmschutzwänden bebaut worden. Dies entspricht einem Streckennetz-Anteil von 6,4 Prozent. Dürftig dagegen nimmt sich die Autobahnstrecke aus, die mit Flüsterasphalt versehen worden ist. Auf gerade mal 400 Kilometer kommt dieser offenporige Belag zum Einsatz. Fachleute aber sehen laut ACE in der Verwendung von Flüsterasphalt die höchste Wirksamkeit in punkto Lärmminderung. Demnach schätzt die Bundesanstalt für Straßenwesen die Verringerung des Lärms um eine Stärke von fünf bis neun Dezibel.
Ob aber Flüsterasphalt künftig tatsächlich in großem Stil zum Einsatz kommt, das wird vom ACE derzeit eher bezweifelt. “Flüsterasphalt könnte zwar eine wesentliche Entlastung für Anwohner an stark befahrenen Schnellstraßen darstellen. Allerdings nutzt sich der heute verbaute Flüsterbelag deutlich schneller ab als herkömmliche Beläge. Es erscheint daher fraglich, ob in Anbetracht der herrschenden Finanzlage des Bundes mehr in den Lärmschutz und damit in den Gesundheitsschutz der Bevölkerung investiert werden kann”, sagen die ACE-Verkehrsexperten. Der Club verlangt, die Forschung in moderne und nachhaltige Straßenbeläge müsse intensiviert und beschleunigt werden.
Nur 379 Euro für Lärmschutz auf 1000 Meter Straße – ACE: "dürftig"
In der Vergangenheit haben sich Lärmschutzmaßnahmen als Stiefkind des Bundesverkehrsministeriums erwiesen, kritisierte der ACE. Die Investitionen für Lärmschutzmaßnahmen an Autobahnen und Bundesstraßen sind trotz wachsendem Bedarf seit 2009 eingefroren und betragen wenig mehr als 45 Millionen Euro. „Die Bundesregierung stellt sich beim Lärmschutz taub“, kritisiert der ACE. Pro Kilometer Bundesstraße gibt der Bund gerade mal 379 Euro für den Lärmschutz aus, hat der ACE ausgerechnet. „Angesichts zahlloser lärmgeplagter Bürger und angesichts der daraus erwachsenden schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen erscheint dieser Betrag dürftig und unangemessen“.
ACE-Foto "Lärmschutz":
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ACE-Studie: Daten und Fakten "Lärmschutz":
http://www.ace-online.de/der-club/presse/bilder-logos/grafiken/datei/pm-058-12-pm-ace-studie-laermschutz.html?tx_nfcmedialibrary_pi1[element]=0












