(openPR) Sitzung des Arbeitskreises Energie und Umwelt in Köln ++ starkes Wachstum des türkischen Energiesektors ++ großer Bedarf an ausländischen Investitionen ++ steigendes Interesse auch an erneuerbaren Energien
Berlin, 20.04.2012: In Köln fand eine Sitzung des Arbeitskreises Energie & Umwelt der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer (TD-IHK) zum Thema „Biomasse-Energie – Verfahren und Projekte“ statt. Partner war die IHK zu Köln, in deren Räumlichkeiten die Sitzung gehalten wurde.
Die Veranstaltung wurde eröffnet mit einem Vortrag zu den aktuellen Entwicklungen auf dem türkischen Energiemarkt vom Leiter des Arbeitskreises, Herrn Dipl.-Inf. Atilla Türk (Vexco GmbH). Dabei wurde deutlich, dass in diesem Marktsegment ein starkes Wachstum zu verzeichnen ist: Die staatliche Behörde zur Regulierung des Energiemarktes (EPDK) schätzt, dass der Energiebedarf in den nächsten 20 Jahren um den Faktor 3,5 auf mehr als 850.000 GW steigen wird. Zielsetzung der Politik ist es laut Herrn Türk, den staatlichen Anteil auf dem Energiesektor auf 30% zu senken. Die Privatisierung von Energieproduktionsanlagen der staatlichen Energiebetriebe (EÜAS) hat bereits begonnen, Stromnetzbetriebe werden derzeit zum Verkauf ausgeschrieben. Im Bereich der erneuerbaren Energien plant die türkische Regierung, die Kapazität von Windkraft bis 2023 auf 20.000 MW auszubauen. Aktuell sind rund 2.000 MW installiert und Lizenzen für weitere 3.500 MW erteilt. Es läuft ein nationales Programm zur Entwicklung von Windenergieanlagen, das koordiniert wird durch den Wissenschafts- und Technologieforschungsrat der Türkei (TÜBITAK). Außerdem sind Effizienzprogramme zur Einsparung von Energie in öffentlichen Gebäuden geplant.
Für Investoren bietet diese Entwicklung große Chancen, so Türk: „Es müssen weitere Anlagen zur Energieerzeugung in der Türkei geschaffen werden, der Bedarf ist da. Für ausländische Investoren gilt dabei: die Finanzierung sollte aus Europa mitgebracht werden.“ Anlagen bis 500 kW können generell ohne Lizenz betrieben werden. Außerdem soll der Markt auch für Verbraucher liberalisiert werden: momentan kann der Lieferant ab einem Jahresverbrauch von 25.000 kW frei gewählt werden, ab 2015 soll dies unbeschränkt möglich sein.
Im Anschluss referierte Herr Dipl.-Ing. (FH) Aliksan Demir, CEO des Energieunternehmens Dilsan Enerji Ltd., über Technologien zur Erzeugung von Energie aus Biomasse und ihrer Projektierung in der Türkei. Mit Hilfe eines so genannten Low-Temperature-Conversation (LTC)-Verfahrens wird dabei Energie aus Abfall produziert. Herr Demir ging insbesondere auf die Erfahrungen seines Unternehmens diesbezüglich in der Türkei ein, wo sich ein solches Projekt im Aufbau befindet. Verhandlungen dazu sind abgeschlossen und die notwendigen Lizenzen erteilt. Insbesondere angesichts eines Abfallaufkommens von etwa 420 kg pro Haushalt und Jahr und einem aufkommenden Trend zur Mülltrennung seien solche Verfahren in der Türkei effektiv nutzbar: „Mit einer Tonne Müll erreicht man 200 kg Karbon und 70% Schwefelsäure,“ so Demir über die Technologie.
Auf nachhaltige und CO2-neutrale Energieerzeugung aus biogenen Rest- und Abfallstoffen sowie Non-Food-Biomasse ging danach der Referent Herr Dipl.-Ing. Ergun Cehreli, Geschäftsführer der KSW Bioenergie GmbH, ein. Anhand eines Konzepts, das von seinem Unternehmen für eine namhafte Lebensmittelkette erstellt wurde, zeigte Herr Cehreli die Vorteile der Erzeugung von Strom aus Biomüll auf. Dies sei vor dem Hintergrund steigender Energiekosten und der Begrenztheit natürlicher Ressourcen besonders interessant, so Cehreli: „Die Rohöl- und Erdgasverteuerung gefährdet Unternehmen in ihrer Existenz und bringt sie volkswirtschaftlich aus dem Gleichgewicht. Es ist nicht die Frage, ob die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen, sondern wann.“ Auf Basis eines zweistufigen thermochemischen Prinzips hat die KSW Bioenergie GmbH deshalb ein Konzept entwickelt, mit dem nachhaltig und umweltschonend Energie aus Biomüll erzeugt werden kann. Vorteile dieses Ansatzes seien der hohe Wirkungsgrad und geringe Wartungskosten, so Cehreli. Das Ziel dabei ist es, Strom und Wärme im Energiewerk zu erzeugen und eine Produktionsstätte damit vollständig zu versorgen. Dieses Verfahren wurde bereits in der Türkei vorgestellt, eine Umsetzung wird derzeit geplant.
Als bilateraler Unternehmerverband unterstützt die TD-IHK Firmen, die im Energiesektor tätig sind. Im Juni 2011 wurde dazu der Arbeitskreis Energie & Umwelt gegründet, der Mitgliedern, Fachleuten und interessierten Unternehmern ein Forum zum professionellen Austausch und zur Netzwerkbildung bietet. Als Themen der nächsten Sitzungen sind Sonnenenergie und Wasserkraft in Planung.
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