(openPR) Während die Hintergrundmusik leise ausklingt, erinnert sich Sonja Niedermayer in ihrer Rolle als Mutter Oberin der Klarissen zurück an die Zeit, die sie mit dem heiligen Antonius von Padua verbrachte. Noch macht sie das mit dem Rollenheft in der Hand, während hinter ihr fleissig gemalert und gezimmert wird. Vom Zuschauerraum aus dirigiert Spielleiter Josef Kößlinger die knapp 70-köpfige Laienspieler-Truppe, achtet darauf, dass keiner den anderen verdeckt und niemand seinen Auftritt versäumt. Wird es mitten in der Szene schlagartig dunkel oder hell, ist das kein Wunder, sondern Peter Bichler, der die Licht- und Tonanlage einstellt.
Die Zuschauer werden von all dem hektischen Treiben nichts merken, wenn sich am 28. Mai um 14 Uhr erstmals der Vorhang zur Uraufführung von „Antonius von Padua“ hebt. Geschrieben hat das Stück Horst Rankl, Präsident des für 610 Vereine mit etwa 40.000 Laiendarstellern zuständigen Verbandes Bayerischer Amateurtheater. Er unterteilte sein Werk nicht klassisch in Akte, sondern in Vorspiel, Hauptspiel und Epilog. Das aus zwei Szenen bestehende Vorspiel zeigt Antonius (Konrad Hamberger) im Augustinerkloster zu Lissabon, wo er, den weltlichen Versuchungen widerstehend, seine Berufung findet. Als Franziskaner-Mönch will er nach Afrika gehen und dort den christlichen Glauben verbreiten. Schon in der ersten Szene des Hauptspiels wird allerdings klar, dass Antonius die Anforderungen der Missionsarbeit gewaltig unterschätzt hat. Kaum auf dem schwarzen Kontinent angekommen, erkrankt der frischgebackene Franziskaner an Malaria, auf dem Rückweg nach Europa erleidet er zusätzlich Schiffbruch. Mit den gesundheitlichen Schäden, die ihm diese Eskapade einbrachte, hatte der heilige Antonius bis an sein Lebensende zu kämpfen. Während er sich von den Strapazen erholt, entdecken die Franziskaner sein außerordentliches Redetalent. Ihr Anführer, der ebenfalls heilige Franz von Assisi (Alfons Walter), beschließt Antonius erneut auf die Reise zu schicken – allerdings nicht nach Afrika, sondern nach Imola, Forli, Bologna und Rimini, wo Abtrünnige und Ketzer ihr Unwesen treiben. Weltlich orientierte Führer empfehlen längst, das Übel in einem neuen Kreuzzug mit Feuer und Schwert auszurotten. Franziskus hingegen glaubt, dass ein wortgewandter Prediger wie Antonius die bessere Lösung wäre.
Ab hier wandelt sich Antonius durch zahlreiche Wundertaten vom Mönch zum Heiligen. In Rimini bekehrt er die Ketzer durch eine Predigt, der sogar die Fische im Meer andächtig lauschen. Die Huren und Wucherer von Padua verwandelt er in gottgefällige Christen, ferner berichten die Chronisten von Krankenheilungen und einem Gottesdienst vor Kreuzrittern aus aller Herren Länder, die jeder in seiner Heimatsprache verstand, obwohl Antonius nur in Italienisch predigte.
Wunder im Akkordtempo zu liefern strengt an, vor allem wenn Malaria weiter an der eigenen Gesundheit zehrt. Antonius wird zusehends schwächer und zieht sich, dem Rat seiner Ordensbrüder folgend, aufs Land zurück. Aber die Gläubigen, die auf noch mehr Wunder hoffen, lassen ihn auch dort nicht zur Ruhe kommen. Völlig entkräftet sieht Antonius sein Ende näher kommen und entschließt sich zu einer letzten Reise zurück nach Padua, wo er für immer die Augen schließen will. Er schafft es nicht mehr. Der Epilog, erneut gesprochen von der Mutter Oberin der Klarissen, rekapituliert die letzten Stunden eines der beliebtesten und berühmtesten Heiligen der Christenheit.
Antonius von Padua wird vom 28. Mai bis 1. Juli 2012, jeweils freitags 20 Uhr und sonntags 14 Uhr im Theaterhaus Bad Endorf aufgeführt. Karten für das Stück erhalten Sie im Internet unter www.theater-endorf.de, über die Faxnummer 08053/795091 oder per Brief an: Theatergesellschaft Bad Endorf, Kartenvorverkauf, Rosenheimer Str. 6, 83093 Bad Endorf. Karten können auch direkt im Theaterhaus, Tel.: 08053/3743, jeweils Montag bis Freitag von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr persönlich bestellt oder abgeholt werden. Frühzeitige Reservierung wird empfohlen.













