(openPR) Meschede 16.03.2012 (GSN) Einen Monat nach der landgerichtlichen Bestätigung der im Nachgang zum Sturmereignis Kyrill 2007 bis 2014 vertraglich festgelegten, enormen Fichten-Rohholz-Lieferverpflichtung des Landesbetriebs Wald und Holz gegenüber dem großen österreichischen Sägeunternehmen Klausner besteht weiterhin die Gefahr der extremen Rohholzverknappung für die Sägebetriebe in NRW. Fatale Auswirkungen für die heimische Sägeindustrie NRWs im wirtschaftlich-sozialen und klimapolitischen Kontext wären die Folge.
„Um nachhaltigen Schaden für die Wertschöpfungskette Holz abzuwenden, kommt es nun auf politische Sensibilität und das Geschick der landesseitigen Verhandlungsführer, sowie die Einsicht der Firma Klausner für eine gemeinsame Lösung im Sinne der Zukunft unser Forst- und Holzbranche an. Eine Vertragsanpassung mit einer weiteren langfristigen Verpflichtung darf nicht das Ergebnis sein.“ So formuliert es Axel Krähenbrink, Geschäftsführer der German Softwood Network GmbH (GSN), einem Netzwerk aus Sägewerken und Holzbaufirmen im holzindustriell bedeutenden Sauerland.
Trotz kalamitätsbedingt großem Rohholzangebot bei Vertragsabschluss in 2007: Bereits damals war abzusehen, dass die mit 500.000 Festmetern (Fm) festgesetzte jährliche Liefermenge bei einem staatlichen Einschlag von ca. 200.000 Fm/Jahr und nach Kyrill insgesamt abnehmendem Rohholzangebot, kaum erfüllbar sein würde. Das galt selbst bei unterstellter Lieferbereitschaft der Differenz aus dem oftmals staatlich betreuten Privatwald. Dieser behält sich jedoch richtigerweise die individuelle Wahl seiner Abnehmer vor. Betrachtet man außerdem bestehende Nutzungsstopps im Staatswald, sowie Planungen zu Schutzgebieten und Nationalparken, so ist die Rohholzbereitstellung für unsere Holzindustrie aktuell und künftig enorm erschwert.
Eine stringente Umsetzung der erstinstanzlichen Entscheidung vom Februar würde die Lieferung von 20-25 % des Fichten-Rohholzaufkommens an Klausner bedeuten. Rückwirkend wären ca. 1 Mio. Fm für die Jahre ’10 und ’11, zzgl. weiterer 1,5 Mio. Fm bis 2014 zu erbringen. Das Holz würde NRW verlassen. Konsequenz wäre ein für das Land bedeutender geldlicher Nachteil aufgrund in 2007 vertraglich fixierter, um derzeit tatsächlich bis zu 20,00 € höherer Rohholzpreise.
Noch schwerwiegender wäre hingegen der erhebliche, kaum umkehrbare Verlust von Arbeitsplätzen bei den lokalen Sägebetrieben in Folge ausbleibender Rohholzversorgung. Eine etwaige Hoffnung seitens ungebundener Anbieter die Versorgungslücke zur Realisierung nochmals höherer Preise zu nutzen, zerplatzt dagegen schnell. Bereits jetzt liegen die Rohholzkosten an der absoluten Obergrenze dessen, was die Säger nicht mehr mit Prozessoptimierungen, sondern nur noch mit Entlassungen oder Stilllegungen beantworten können.
Ihre mittelständische Prägung sichert der Holzindustrie NRWs derzeit noch Flexibilität hinsichtlich Produktvielfalt und –innovationen als Grundlage eines modernen, klimapositiven Ingenieurholzbaus. Veränderungen hin zu einer ausschließlich großbetrieblichen Verarbeitungsstruktur hemmen Innovation. Ausgeprägte Dominanz von Großbetrieben führt zunehmend zu reiner Massenproduktion bei immer stärkerer Sogwirkung auf den Rohstoff seitens weniger, zudem außerhalb NRWs ansässigen, Firmen. Diesen konzentrierten Sog zusätzlich mit Vertragswerken zu unterstützen, ist kontraproduktiv.
Eine optimierte Wertschöpfung wird durch hochwertige Verarbeitung regionaler Rohstoffen vor Ort erzielt. Hierzu ist das Rohholz als Wertschöpfungsgrundlage größtenteils in den Regionen zu halten.
„Die Artenvielfalt der mittelständischen individuellen Verarbeitungsmöglichkeiten als Rückgrat regional und ländlich geprägter Wirtschafts- und Innovationskraft zu erhalten und zu stützen, sollte politisches Ziel sein; gerade auch vor dem Hintergrund einer landespolitisch gewünschten, vermehrten, klimarelevanten Holzverwendung,“ so Krähenbrink.












