(openPR) Auch zur zweiten Tarifrunde gestaltet sich die eigentliche Verhandlung mit den Arbeitgebern mehr als nur zäh. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der dbb jugend nrw, Markus Schallenberg, über die ermüdende Art der Verhandlungen und darüber, warum die Beschäftigten in Kommunen und beim Bund mehr Geld für ihre Arbeit verdient haben.
Wie steht die dbb jugend nrw zum Ablauf der Tarifverhandlungen?
M. Schallenberg: Schon der Auftakt in der ersten Verhandlungsrunde war eine schallende Ohrfeige für die Menschen im Öffentlichen Dienst, die auf eine gerechte Bezahlung warten. Es ist eine geübte Folklore, die die Arbeitgeber da präsentieren. Nachdem wir - wie immer - unsere Vorstellungen schon einige Wochen vor dem Beginn der Tarifverhandlungen bekannt gegeben haben, tun die Arbeitgeber so, als fielen sie aus allen Wolken und seien so sprachlos über die Forderung, dass sie gar kein Angebot machen könnten. Darauf folgen Textfloskeln, die wir mittlerweile auswendig können und die ein ernsthaftes Miteinander vermissen lassen. Wir würden uns gerne bewusst mit den Problemen, die wir im Öffentlichen Dienst haben, auseinandersetzen. Doch warum auch immer weigern sich die Arbeitgeber, sich konstruktiv einzubringen.
Ich persönlich könnte noch damit leben, dass sie unser Angebot womöglich zu hoch finden, aber dann einfach auf Kindergartenniveau zu sagen „nö, mit euch reden wir nicht mehr“, bringt alle Beteiligten nicht weiter. Wir verhandeln u.a. mit für die Erzieherinnen in den kommunalen Kindergärten. Vielleicht können die mit ihrem pädagogischen Wissen am Verhandlungstisch etwas retten.
Was sind die Kernforderungen aus Sicht der dbb jugend nrw?
M. Schallenberg: Arbeitgeberpräsident Thomas Böhle scheint die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt zu haben: Wir brauchen im Öffentlichen Dienst gute Mitarbeiter, die die Arbeit, die sich über viele Jahre unglaublich stark verdichtet hat, für die Bürger dieses Landes zu erledigen. So, wie wir im Öffentlichen Dienst derzeit aufgestellt sind, sind wir nicht zukunftsfähig. Wir müssen wieder attraktiv werden, um gut ausgebildete Menschen für uns zu gewinnen. Wir stehen in starker Konkurrenz zur freien Wirtschaft. Wenn der Doppelabiturjahrgang weg ist und wir sinkenden Schülerzahlen gegenüberstehen, dann werden wir in die Röhre gucken. Damit meine ich nicht nur die Bezahlperspektive im Öffentlichen Dienst, sondern auch das Manko der zeitlich begrenzten Übernahme. 12 Prozent der Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst sind befristet beschäftigt. Das sind 5 Prozent mehr als in der freien Wirtschaft. Aus diesem Grund sind die Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Geld und einer unbefristeten Übernahme gerechtfertigt.
Der Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sagt, dass es im öffentlichen Dienst was die Gehälter angehe, keinen Nachholbedarf gebe. Die Lohnsteigerungen der letzten Jahre seien nicht geringer ausgefallen als in vergleichbaren Tarifbereichen. Stimmt das?
M. Schallenberg: Ich weiß nicht, wo diese Ergebnisse herkommen. Wenn ich den Tarifabschluss der IG Metall nehme, liegen wir deutlich darunter, bei den Tarifverträgen für die deutschen Gebäudereiniger liegen wir sicher drüber. Die Frage ist doch, welche Zahlen ich als Grundlage nehmen will. Arbeitgeberpräsident Thomas Böhle hat sicher viele kreative Ideen dazu. Fakt aber ist, dass wir unter der Inflationsrate liegen. Das ist ein Maßstab, der zählt. So kann die Kaufkraft in unserem Land nicht steigen. Von Februar 2011 bis Februar 2012 stiegen die Verbraucherpreise um 2,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt gerade erst mitgeteilt hat. Ich möchte keinen Tarifabschluss, der unter der Inflationsrate liegt. Aber nicht nur das: Wir haben im Öffentlichen Dienst Reallohnverluste von über 7 Prozent. Dafür hat es bislang keinen Ausgleich gegeben. Darum sind die Forderungen von 6,5 Prozent Plus knapp bemessen.










