(openPR) Deutsche zweifeln an der EU
Ergebnisse einer IMAS - Bevölkerungsumfrage zur aktuellen Einschätzung des europäischen Bündnisses
Annähernd drei Viertel der Bundesbürger sind davon überzeugt, dass die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands stark vom weiteren Schicksal der Europäischen Union abhängt. Lediglich 36 Prozent glauben angesichts der gegenwärtigen Situation, die EU-Mitgliedschaft sei gut für unser Land, während eine relative Mehrheit (38 Prozent) gegenteiliger Ansicht ist. Dem gefühlten Ernst der Situation entsprechend, finden strenge Maßnahmen gegen das Schuldenmachen breite Zustimmung in der Bevölkerung.
Was politische Entscheider in all ihrer Widersprüchlichkeit zur EU-Entwicklung denken oder planen, lässt sich mühelos in den Medien verfolgen. Wie die Bevölkerung die Lage der Union beurteilt, steht trotz lauter Beschwörungen einer plebiszitären Demokratie kaum zur Diskussion. Das Münchener IMAS-Institut hat den Positionen der Deutschen zu zentralen Fragen der Europäischen Union nachgespürt. Etwa zeitgleich wurde von IMAS-Österreich eine identische Parallel-Befragung in der Alpenrepublik durchgeführt.
57 Prozent der Deutschen finden es laut IMAS-Umfrage gut, dass die EU strenge Maßnahmen gegen das Schuldenmachen beschlossen hat. Rund 42 Prozent gehen davon aus, dass der Wohlstand innerhalb der EU auf lange Zeit unterschiedlich groß bleiben wird. 40 Prozent fordern eine einheitliche Außen- und Wirtschaftspolitik der EU. Allerdings haben inzwischen viele Deutsche auch Zweifel an der Gemeinschaft. Das spiegelt sich etwa darin wieder, dass 36 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass zuerst Deutschland kommen solle und dann Europa. 35 Prozent gehen davon aus, dass die Europäer zu unterschiedlich sind, um wirlich zusammenwachsen zu können und 33 Prozent sagen, dass es ein Fehler war, die osteuropä-ischen Länder in die EU aufzunehmen.
Ein ernüchterndes Bild ergab auch die Fragen nach den wirtschaftlichen Zusammenhängen. 72 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands sehr stark oder ziemlich stark vom weiteren Schicksal der EU abhängt. Allerdings glauben nur 36 Prozent, dass es in der heutigen Situation gut für Deutschland ist, Mitglied in der EU zu sein. 38 Prozent glauben, dass es nicht gut ist, 26 Prozent sind unentschieden.
Für Österreich ergibt sich ein recht ähnliches Bild. Ein kleiner Auffassungsunterschied besteht zwischen den Bewohnern der Nachbarländer darüber, wie sich das krisenhafte Geschehen in der EU auf die Position der Bundesrepublik Deutschland in Europa auswirkt. Während von den Bundesbürgern selbst nur jeder Zehnte eine zu große Machtentfaltung Deutschlands im Zuge der EU-Krise heraufziehen sieht, bekundet in Österreich immerhin ein knappes Fünftel der Bevölkerung Unbehagen an einem verstärkten Einfluss Berlins.
Resümierend bleibt der Eindruck, dass die Bewohner beider Nachbarländer die gegenwärtige Krise der EU und ihre möglichen Folgen für das eigene Land sehr ernst nehmen und ein strenges und koordiniertes politisches Handeln einfordern, freilich ohne die Notwendigkeit eines Verzicht auf nationale Souveränitätsrechte zu sehen. Der perspektivische Blick auf die Zukunft der EU scheint indes eher nüchtern bzw. illusionslos: die aktuelle Krise wird eher als chronischer Zustand, denn als heilsame Katharsis interpretiert, die Probleme und Ungleichgewichte werden als dauerhaft empfunden aber mutmaßlich nicht in einer Katastrophe enden.
DOKUMENTATION
Die Erhebungen erfolgten im Rahmen von IMAS-Omnibusumfragen und wurden von den IMAS-Instituten in München und Linz durchgeführt. Sie richteten sich in Form von persönlichen (face-to-face) Interviews an jeweils repräsentative Querschnitte der deutschen und österreichischen Bevölkerung ab dem 16. Lebensjahr. In der Bundesrepublik wurden 1.261, in Österreich 1.000 Personen befragt. Die Stichprobenbildung erfolgte jeweils nach Quota. Zeitraum der Befragung: BRD 15. Jan. – 25. Jan. 2012; in Österreich 14. Dez. 2011 – 4. Jan. 2012.













