(openPR) Wenig Wissen – viel Glauben - viel Korruption – viel Macht
Es ist doch immer wieder faszinierend, wie schnell sich vor allem negative Schlagzeilen – auch oder gerade in der Weihnachtszeit - verbreiten lassen. Vor allem gelingt dies wesentlich einfacher, als einer breiten Öffentlichkeit positive Meldungen zu vermitteln.
Der Versuch der Verbreitung negativer Gedanken ist sicher so alt, wie geschriebene Worte, sei es auf Tontafeln, Pergament, Papier oder im Internet.
Und immer wieder funktioniert das gleiche Muster: „Hast Du schon gehört…? Weißt Du schon…? Du, man hat mir erzählt…!“
Das gilt auch in Bezug auf die Diskussion rund um unseren Bundespräsidenten. Von ihm wird Souveränität, Glaubwürdigkeit, Integrität, politische Unabhängigkeit, Wegweisung und würdige Vertretung des deutschen Volkes nach außen verlangt.
Gerade weil oder insbesondere obwohl so wenig Menschen wirklich über genaues Wissen verfügen, glauben sie dem, was in den Medien veröffentlicht wird, denn schließlich will man ja im Bilde sein, was tagesaktuell ist.
Je populistischer, desto besser verkaufen sich solche Meldungen. Und Negatives wird ja so gerne zur Kenntnis genommen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wenn es etwas gibt, worauf ich mit dem moralischen Finger zeigen kann, kann ich von meinen eigenen Verfehlungen und Schwachstellen ablenken, bzw. muss ich mich mit diesen nicht befassen. Das ist doch viel einfacher, als bildlich gesprochen vor meiner eigenen Türe zu kehren.
Es sei die Frage erlaubt, wie die schreibende Zunft an ihre Informationen gelangt. Verfügt sie nicht über Informanten, gute Kontakte und Beziehungen zu Menschen, die für Geld oder andere Gegenleistungen Dinge ausplaudern, die sie eigentlich besser für sich behalten würden? Ist das keine Korruption? Ist das immer legal?
Und Hand aufs Herz: wer würde denn nicht ohne schlechtes Gewissen bei Freunden und Bekannten Ferien machen? Wer würde nicht lieber einen Kredit zu 4% aufnehmen als zu 6%?
Sehr schnell kommen da Gedanken an Denunzierung und Rufmord auf. Das scheint inzwischen jedoch gesellschaftliches Programm geworden zu sein, vielleicht das letzte Aufbäumen einer Gesellschaft, die im Untergang begriffen ist und nun glaubt, durch die Streuung übler Gerüchte und vermeintliche Enttarnung von angeblichem Fehlverhalten anderer das eigene Überleben sichern zu können?
Sicher gibt es in unserer Gesellschaft viele kritikwürdige Vorfälle und Geschehnisse. Doch genau so sicher ist, dass sich unsere Welt und unsere Gesellschaft nicht dadurch verbessert, wenn wir den Finger immer nur auf die Fehler anderer richten.
Selbstverständlich sollten wir in unserem Informationszeitalter die Augen und Ohren offen halten für das, was auf und in unserer Welt geschieht, doch gleichzeitig sollten wir uns bewusst sein, dass wir nur in unserem direkten Umfeld etwas bewegen und verändern können. Natürlich kostet das Kraft und Anstrengung und nicht zuletzt Mut.
Doch wer diesen Mut nicht mehr aufbringt, der hat bereits kapituliert und letztendlich sich selbst aufgegeben.
Und genau an dieser Stelle beginnt die wirkliche Katastrophe: Wer sich selbst aufgegeben hat, der glaubt alles, was er hört oder liest, denn das ist ja einfacher, als sich mit sich selbst zu befassen und sich die Fragen zu stellen: Wer bin ich? Was will ich? Wo will ich hin?
Die mediale Vielfalt und das Internet erleichtern die Flucht vor uns selbst enorm: Noch nie konnten (negative) Nachrichten schneller verbreitet werden, Verleumdungen publik gemacht werden, Millionen und Milliarden von Menschen erreicht werden als heute. Noch nie konnte mensch sich so vielfältig von seinem eigenen Zustand ablenken wie heute. Und noch nie war die Absicht und Möglichkeit der Manipulation unserer Gedanken so vielfältig wie heute.
Wir sollten uns meines Erachtens darüber bewusst werden, wie oft versucht wird, uns als Figuren in einem Spiel um die Interessen anderer zu benutzen.
Selbst wenn Christian Wulff aufgrund seiner angeblichen Verfehlungen von seinem Amt zurücktreten sollte, was würde das im Leben eines jeden Einzelnen ändern? Nichts würde sich ändern!
Auch ich bin längstens nicht mit allem einverstanden, was tagtäglich in der Welt, in unserem Staat, in unserem Land passiert – aber ändern kann ich nur etwas, wenn ich es beeinflussen kann – und das ist das soziale Umfeld eines jeden Einzelnen. Die Familie Freunde, Bekannte.
So entstehen Netzwerke, die die von uns selbst für gut befundenen Gedanken ebenfalls befürworten und für gut heißen. Doch schon droht wieder das Problem der Korruption: Wenn Sie ein Freund nun einlädt, bei ihm ein Wochenende zu verbringen, um Gedanken miteinander auszutauschen, dann sind Sie korrupt – zumindest wird das dann von Ihnen behauptet.
In diesem Sinne eine schöne und gnadenvolle Vorweihnachtszeit!
Silvan Bodenstaff










