(openPR) von Jürgen P. Fuß
Mit seinem vor kurzem erschienenen Buch „Der Islam-Irrtum“ will der ZEIT -Korrespondent Michael Thumann aufzeigen, dass der Westen mit der Dämonisierung des Islam, die sich nach dem 11.09.2001 entwickelt hat, einen großen Fehler gemacht hat. Es sei ein verhängnisvoller ideologischer Irrtum, hinter allen Problemen des Nahen und Mittleren Ostens die Religion als treibende Kraft zu vermuten, heißt es dazu im Klappentext.
Auf knapp 300 Seiten entwickelt der Autor seine Gedanken, die letztlich zu sieben Kardinalfehler der atlantischen Nahostpolitik geführt hätten. Die seien Diktatorenfreundschaft, Etikettenschwindel, Isolationsdiplomatie , Antiterrorkrieg, Dämonisierung von Muslimen, Festungsmentalität und Erweiterungsangst. Die Entwicklungen in den arabischen Staaten in diesem Jahr müssen nach Thumanns Überzeugung Anlass sein, dass der Westen seinen Islam-Irrtum überwindet und dabei die sieben Fehler westlicher Nahostpolitik korrigiert.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von deutschsprachigen Büchern, die sich mit dem Islam, dem Islamismus, der muslimischen Welt und den arabischen Staaten beschäftigen. Je nach Herkunft des Autors kommen sie zu sehr unterschiedlichen Schlussfolgerungen, die von bösartigen - meist nicht begründeten - Unterstellungen, über Skepsis bis hin zu einer moderaten Zustimmung reichen.
Thumanns Buch ergänzt dieses Angebot durch eine Sichtweise, die eine äußerst positive - teilweise überraschend unkritische - Beschreibung der Türkei, des Islam und der arabischen Staaten liefert. Wäre dieses Buch von einem Moslem oder einem Araber geschrieben worden, könnte man eine solche Sichtweise verstehen. Bei einem europäischen Autor muss sie allerdings verwundern.
Unbefriedigend ist, dass in dem Buch an vielen Stellen auf die Beschreibung von Äußerlichkeiten großen Wert gelegt wird, ohne deren Substanz und Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Dies betrifft nicht nur viele Aussagen zur Türkei, sondern auch die politischen Unruhen in den arabischen Staaten in diesem Jahr.
So rühmt der Autor über viele Seiten hinweg die Erfolge der AKP-Regierung und resümiert, die gläubigen anatolischen Aufsteiger hätten eindrucksvoll gezeigt, wie man nacheinander die Wirtschaft, die Universitäten, die Medien , den öffentlichen Raum und das politische Zentrum erobert. Wenn Thumann dann erst im letzten Satz dieses Kapitels feststellt, dass diese (gemeint sind die anatolischen Aufsteiger) jetzt beweisen müssten, dass sie bereit seien, die Macht auf Dauer mit ihren Gegnern zu teilen, reicht dies aus, um das in der Türkei schlummernde Konfliktpotential deutlich zu machen.
Wenn der Autor die politischen Unruhen in der arabischen Welt beispielsweise damit beschreibt, dass nach Jahrzehnten erniedrigenden Stillstands die ägyptischen Revolutionäre den Weg freigemacht hätten für eine umwälzende Erneuerung ihres Landes, beschreibt der damit nur die eine Hälfte der Wahrheit. Wenn Thumann dabei die Frage offen lässt, ob es nicht religiös konservative Kräfte sind, die jetzt die Oberhand in diesen Staaten gewinnen wollen und welche Konsequenzen das für die Bevölkerung haben könnte, kann sich der Leser kein objektives Bild über mögliche Entwicklungen machen.
Am Ende habe ich das Buch beiseite gelegt und mich gefragt, ob es hilfreich ist, sich ein besseres Bild über den Islam, die muslimische Welt und die arabischen Staaten zu machen. Dass der Islam nicht mit Terror gleichgestellt werden darf, war mir auch vor dem Lesen dieses Buches schon bewusst. Doch einen Hinweis darauf, dass der Islam eine Religion mit grenzenlosem Sendungsbewusstsein ist und sich auf der ganzen Welt ausbreiten möchte , habe ich in dem Buch vergeblich gesucht. Einen Islam-Irrtum habe ich also nicht korrigieren müssen!
Aus ausführliche Rezension zu dem Buch finden Sie in den nächsten Tagen hier:
www.atr-zeitung.com
Der Islam-Irrtum
Michael Thumann
Gebundene Ausgabe: 330 Seiten
Verlag: Eichborn (Juni 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3821862386
ISBN-13: 978-3821862385
Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 12,7 x 2,8 cm
Preis: 32,00 Euro











