(openPR) Am 23. September 2011 wurde der katholische Theologe Dr. Kuno Füssel 70 Jahre alt. Er gilt als einer der Vorreiter der materialistischen Bibellektüre im deutschsprachigen Raum und hat sich als Buchautor, Übersetzer und Berufsschullehrer in den Fächern Mathematik und Physik einen Namen gemacht. Aus Anlass seines Geburtstages erschien nun die Festschrift "Damit es unwahr werde!" Eine Rezension.
"Kuno Füssel ist einer meiner wichtigsten Wegbegleiter im Kampf gegen den Zeitgeist", beschreibt Herausgeber Arne Hilke sein Verhältnis zum gefeierten Jubilar. "Deshalb lag es mir besonders am Herzen, diese Festschrift zu erstellen." Unterstützung holte Hilke sich dafür sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz. Insgesamt sechs Personen sind es nun, die das 148 Seiten starke Werk mit ihren Beiträgen füllen. Diese sind dabei thematisch ähnlich vielfältig ausgelegt, wie es auch Füssel selbst in seinem Denken und Wirken ist. "Es war mir wichtig, die Festschrift nicht thematisch auf ein Thema, auf eine Fragestellung einzuschränken. Damit wäre man Kuno in keiner Weise gerecht geworden", so Hilke.
Denn Füssels Biographie ist ungewöhnlich. Zunächst studierte er Mathematik und Physik, woraufhin er in diesem Bereich auch berufstätig wurde. Erst spät entschied er sich, ein weiteres Studium, nämlich das der katholischen Theologie, anzuhängen. Es folgte 1975 die Promotion in Münster bei Karl Rahner und Johann Baptist Metz. In den Folgejahren war Füssel sowohl an einigen Universitäten mit Lehraufträgen tätig, machte sich jedoch auch als Buchautor und Übersetzer einen Namen. Von 1998 bis zu seiner Pensionierung war Füssel dann schließlich Lehrer für Mathematik, Physik und Religion an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft in Koblenz. Das Leben Füssels durchzieht zudem ein politisches Engagement, ein Kämpfen für eine gerechtere Welt. Ein sehr vielfältiger Charakter, mit einem sehr breiten Wissen und vielfältigen Fähigkeiten.
Und so enthält das Buch nun Texte zu den folgenden Themen: Franz Segbers, Hochschullehrer für Sozialethik in Marburg, stellt in seinem Aufsatz unter dem Titel "In der Lazarusgesellschaft des Finanzmarktkapitalismus auf Mose und die Propheten hören" das Gesetz der Tora gegen das unerbittliche Gesetz der Geldwirtschaft. "Zur Vielfalt der Religionen in der Schweiz" ist der Titel des Beitrags von Odilo Noti aus der Schweiz. Der Autor beschäftigt sich mit den Perspektiven und Herausforderungen, die der religiöse Pluralismus mit sich bringt. Urs Eigenmann, ebenfalls ein Schweizer Theologe, beschäftigt sich unter der Überschrift "Dem Tod den Stachel ziehen" mit dem Tod als Herausforderung geschöpflicher Existenz, und er zeigt unterschiedliche Sichtweisen und Herangehensweisen an das Thema Tod auf. Hans-Gerhard Klatt gibt, weitere Denker streifend, einen Einblick in die mit dem Namen Werner Simpfendörfers verbundene ökumenische Bildungsdiskussion seit den sechziger Jahren unter der Überschrift: "Ernst Lange, Paulo Freire und Werner Simpfendörfer". Von Manfred Hilke sind vier Beiträge im Werk enthalten. In drei kurzen Texten wirft er "Seitenblicke" auf Schlagwörter wie "Ware" und "Technik" ("Der Waren-Bischof", "Können" und "Warum die moderne Technik vom Teufel sei"), bevor er unter dem Titel "Der Ware theologische Mucken" in einem Aufsatz die Marxschen Ausführungen zum Warenfetischismus referiert. Herausgeber Arne Hilke komplettiert die Festschrift mit zwei Texten, die sich mit dem Gelegenheitsphilosophen Günther Anders beschäftigen. "Kriterien der Konvivialität" stellt dabei die Technikkritiken von Anders und Ivan Illich nebeneinander, während "Wenn Spatzen auf Kanonen schießen" als Reaktion auf einige Anders-Kritiker zu verstehen ist.
Der Jubilar konnte das außergewöhnliche Präsent bereits offiziell in Empfang nehmen. "Es war eine ganz besondere Ehre für mich, Kuno Füssel das Buch im Rahmen des Festaktes in der Schweiz überreichen zu dürfen", gesteht der Norddeutsche Hilke, der dafür extra eine weite Anreise auf sich nahm. Urs Eigenmann, Maria Klemm und Norbert Arntz hatten zu der Veranstaltung eingeladen, bei der neben Füssels 70. Geburtstag auch das 80. Wiegenfest des Wirtschaftswissenschaftlers und Befreiungstheologen Franz J. Hinkelammert gefeiert wurde. "Mit einer so großen Anzahl an Personen, die sich weltweit für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, gemeinsam feiern und diskutieren zu können, war eine prägende Erfahrung für mich", so Hilke. Die Feier fand zwar in Abwesenheit des schwer erkrankten Hinkelammerts statt, trotzdem war die Veranstaltung bei schönstem Spätsommerwetter ein voller Erfolg.
Das dort überreichte Buch enthält nicht nur eine große Themenvielfalt, sondern auch viele Thesen, die sich kontrovers diskutieren lassen. Die Autoren sprechen eine deutliche Sprache, nehmen, wie es auch Füssels Art ist, kein Blatt vor den Mund. Wer sich davon nicht brüskiert fühlt, findet interessante, ungewöhnliche, bedenkenswerte Anregungen, Analysen und Ausführungen. Das Werk dokumentiert eindrucksvoll, dass die politisch orientierten Strömungen innerhalb der Christenheit weiterhin aktiv sind. Die Texte sind somit auch für kirchenferne, jedoch politisch orientierte und an Fragen der Gerechtigkeit interessierte Personen eine Bereicherung und laden zu einem grundsätzlichen Dialog zu den behandelten Themenbereichen ein.
Es bleibt zu hoffen, dass das Buch viele Leser finden wird - dies ist jedoch bei Festschriften oftmals nicht der Fall. Aber nur durch die Weitergabe des Feuers, mit dem Füssel und seine Freunde für eine bessere Welt kämpfen und das man in den Beiträgen des Werkes deutlich spürt, kann es gelingen, eine Praxis des Friedens und der Gerechtigkeit auf Erden zu etablieren - das wäre wohl das größte und schönste Geburtstagsgeschenk für jemanden wie Kuno Füssel.
Das Buch, welches den Umfang von 148 Seiten aufweist, ist zum Preis von 19,90 Euro erhältlich unter
Arne Hilke (Hrsg.): "Damit es unwahr werde! Festschrift für Kuno Füssel zum 70. Geburtstag." Norderstedt : Books on Demand GmbH, ISBN: 978-3-8423-6892-7.











