(openPR) Die Berichterstattung der vergangenen Monate über Heimtiernahrung, hat auch Reptilienhalter verunsichert. Tatsächlich sollten Reptilienfreunde sich genau über die Produkte informieren, die sie ihren teuren, unter Umständen auch sehr seltenen Zucht- und Jungtieren anbieten möchten.
Handelsübliches Katzenfutter, feucht oder trocken, gilt unter Reptilienhaltern und Tierpflegern leider als gute, günstige und gesunde Ergänzung des Ernährungsplanes von fleischfressenden Echsen, Lurchen und auch Fischen.
Handelsübliches Katzenfutter, wird in den meisten Fällen aus den Resten der Lebensmittelindustrie hergestellt. Es ist von Gesetzgeber vorgeschrieben, dass Reste biologischen Materials getrennt gesammelt und entsorgt werden müssen. Wer mal in den Hinterhof eines Restaurants oder einer Kantine geschaut hat, der kennt die Biokontainer und den Geruch der von ihnen ausgeht. Diese Masse enthält nur noch Bruchteile der Inhaltsstoffe frischer Ware. Die ursprünglich vorhandenen Vitamine sind fast vollständig zerstört. Entsorgungsbetriebe verarbeiten diese Masse weiter zu Futtermittelrohstoffen. Während der Verarbeitung wird hydrolysiert, gewaschen, getrocknet, schlechter Geruch gebunden – guter Geruch erzeugt, Farbe, pH-Wert und Konsistenz werden eingestellt. Dabei helfen eine Unzahl Chemikalien von denen Säuren und Laugen noch die harmlosen sind. Die Futtermittelverordnung erlaubt den Herstellern von Halb- und Fertigprodukten für Tiernahrung die Verwendung von an die 3000 legalen Chemikalien. Zur kurzen Erinnerung – für Lebensmittel sind grade mal 319 Zusatzstoffe erlaubt, die E-Nummer der EG-Zusatzstoffliste. Nicht mal dieser „nur“ 319 Stoffe sind alle unumstritten.
Die Futtermittelindustrie mutet Hunden und Katzen also eine ganze Menge Chemieabbau zu. Mit dem bekannten Ergebnis, dass sich ganze Tierarztpraxen auf die Behandlung von Zähnen, Verdauungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Knochenschäden, Allergien, Hautkrankheiten und Fruchtbarkeitsstörungen spezialisieren.
Bisher erkennen leider nur wenige Tierärzte den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Ernährung.
Vom Darm aus gelangen die aufgenommenen Stoffe in die Leber. Dort werden die Chemikalien um- und abgebaut und für die Ausscheidung über Darm oder Niere „vorbereitet“. Wenn die Leber 24 Stunden lang mit endlos viel Chemikalien sozusagen zugeballert wird, leiden ihre eigentlichen Aufgaben wie Immunsystem, Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel darunter. Ein Teil der Chemikalien steht im Verdacht fruchtschädigend zu sein.
Bei Reptilien, in deren Krankengeschichte Mangelerscheinungen, Verdauungsprobleme, Häutungsschwierigkeiten, Wundheilungsstörungen, Pilz- und Bakterienbefall und Fruchtbarkeitsstörungen zu beklagen sind und die in nennenswertem Maße Katzenfutter zu fressen bekommen, sollte man unbedingt an einen Ersatz dieser Fertignahrung durch Frischfleisch denken.
Frisch ist lecker, gesund und bringt Abwechslung in das Terrarienleben.
Dosenfutter für Reptilien
Gleiches wie für Hunde- und Katzennahrung, gilt auch für Dosenfutterprodukte welche speziell für Reptilien ausgelobt werden. Die Futtermittelindustrie ist dabei, die Liebhaber von Tejus und Waranen als Käufergruppe zu entdecken. Auch teure Produkte enthalten oft überwiegend minderwertige Rohstoffe obwohl das Design der Verpackung den Käufer frisches Fleisch suggeriert.
Fünf goldene Regeln
Fünf goldene Regeln helfen Ihnen bei der Identifizierung eines halbwegs unbedenklichen Produktes:
1. Lange Haltbarkeit – über 2 Jahre – bedeutet das Produkt wurde konserviert.
2. Exzellente Rohstoffe erfordern keine zusätzlichen Vitaminbeigaben.
Stehen Vitamine mit Mengenangabe auf der Packung sind die Rohstoffe vermutlich minderwertig und erforderten diese relativ teure Aufwertung.
3. Fleisch ist nicht das gleiche wie Fleischmehl.
Wurden Fleisch- oder Getreidemehle verwendet – Finger weg! Das hat mit Fleisch nichts mehr zu tun.
4. Sind Kohlenhydrate enthalten? Um das herauszufinden, müssen Sie etwas rechnen. Addieren sie die Prozentangaben für Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Feuchtigkeit … und ziehen Sie die Summe von 100% ab. Das Ergebnis, ist der Gehalt des Futtermittels an Kohlenhydraten und unverdaulichen Füllstoffen. Gerade bei Reptilien mit ihrem, im Vergleich zu Warmblütern trägen Verdauungssystem, können unverdauliche Futterbestandteile, wie Zellulose oder Lignin, zu einem echten Problem werden.
5. Dürfen Sie die Produktionsstätte besichtigen und Fotografieren? Lässt der Hersteller das zu, haben Sie vermutlich einen vertrauenswürdigen Hersteller gefunden.
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8.2011
Christine Futter
Die Tierpflegerin – Ernährungsberatung und natürliche Tiernahrung
www.die-tierpflegerin.de
Christine Futter ist Zootierpflegerin und war lange als Biologisch-technische Assistentin in einem Biotechnologischen Forschungslabor tätig. Seit 2009 betreibt sie von Arnsberg / NRW aus die Firma „Die Tierpflegerin“. „Die Tierpflegerin“ berät Tierhalter zu allen Fragen der gesunden Ernährung und Haltung von Heimtieren.










