(openPR) Wie ein mächtiger Stromerzeuger mit seinen Kunden umgeht.
von Birgit Jacobsen-Farber
Jan F. ist Journalist. Wie viele seiner freien Journalistenkollegen kommt er manchmal in die Situation, Rechnungen mit Verspätung zu zahlen. Im Allgemeinen kein Problem, denn ein Telefonat, eine E-Mail oder ein Brief reichen, um Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Nicht so bei Vattenfall. Vattenfall macht zwar große Werbung, unterstützt Sport und arme Kinder, aber für seine Kunden, die wegen Stundung von Kleinstbeträgen anfragen, hat Vattenfall kein Herz.
Bei meinem befreundeten Kollegen Jan F. verhielt es sich so, dass Vattenfall ihm nach seinem Wegzug die Endabrechnung schickte. Knapp zweihundertfünfzig Euro waren das. Jan F. schrieb also Vattenfall, dass er diesen Betrag gerne per Ratenzahlung begleichen möchte, die erste Rate in Höhe von 20 € bereits überwiesen habe und zurzeit von einem Minijob und der Aufstockung durch das Jobcenter lebe. Selbstverständlich würde er sofort die Raten erhöhen, wenn er höhere Bezüge habe. Guten Mutes schickte er diesen Brief ab und fiel aus allen Wolken, als sich Vattenfall meldete.
Nein, sagte der Sachbearbeiter von Vattenfall, damit sei er nicht einverstanden, denn dann dauere es ja so lange, bis sie ihr Geld bekämen. Mein Freund schrieb zurück, ob das vielleicht ein Versehen sei. Anders könne das ja nicht sein, denn wie solle wohl ein Mensch in seiner Situation die gesamte Rechnung bezahlen. Kein Versehen, sagte Vattenfall, wir wollen unser Geld, und zwar sofort. In der Zwischenzeit hatte Jan F. übrigens schon weitere monatliche Raten gezahlt.
Nun wurde mein Freund böse. Er schrieb Vattenfall, sie könnten es ja mal drauf ankommen lassen. Wenn Vattenfall ihm einen Gerichtsvollzieher schickt, bekämen sie ihr Geld auch nicht schneller. Im Gegenteil, es würde noch länger dauern. Außerdem appellierte er an ihr Benehmen dem deutschen Verbraucher gegenüber.
Auch davon ließ sich Vattenfall keineswegs beeindrucken. Nach einer weiteren harschen Zahlungsaufforderung drohte Jan F. mit der Presse – und zahlte weiterhin seine Raten. 80 Euro hatte er bereits abgetragen. Nach geraumer Zeit schickte Vattenfall seinem kleinen säumigen Zahler dann ein Inkassobüro auf den Hals, das ihm von sich aus eine Ratenzahlung anbot. Etwas, was mein Freund ja die ganze Zeit gewollt hatte. Allerdings sollte er nun 75 € dafür bezahlen.
Wenn ich nicht so überzeugt davon wäre, dass Deutschland ein „Sauberland“ ist, könnte ich glatt auf den Gedanken kommen, hier wären verwandtschaftliche Verquickungen zwischen den Angestellten beider Unternehmen der Vater des Vorgangs.
Vattenfall selbst übrigens, das als königliche schwedische Wasserfallbehörde begann und der viertgrößte Energieversorger in Deutschland ist, macht eines klar: Das Bild vom netten Schweden existiert nur in den Büchern von Astrid Lindgren. 38.000 Mitarbeiter, 7,8 Millionen Stromkunden, jährlich 23 Mrd. Euro Nettoumsatz und über 3 Mrd. Euro Jahresgewinn lassen den Konzern wohl vergessen, dass der einzelne Stromkunde für diese Zahlen garantiert, nicht seine Manager oder Buchhalter.
Greenpeace stellte in Dezember 2008 fest, dass Vattenfall der klimaschädlichste Stromerzeuger Deutschlands ist und 91,9 % seiner Energie aus fossilen Brennstoffen erzeugt.
Dass Vattenfall die World-Childhood-Foundation unterstützt, ist in der Tat ehrenhaft. Sein Engagement im Internationalen Skiverband, bei je einem deutschen Fußball- Handball und Basketballverein allerdings sind eine Win-Win-Situation. Denn jeder Sportler muss ja schließlich für Vattenfall auch Reklame laufen.
Alles in Allem stelle ich fest: Vattenfall ist ein engherziger, geiziger und erstarrter Energieriese. Stromanbieter, die ausschließlich Energie aus sich erneuernden Resourcen anbieten, sind unwesentlich teurer, pflegen unser Gewissen und unsere Energiebilanz und freuen sich über jeden neuen Kunden. Ich habe den Haien schon gezeigt, dass ich Flundern viel lieber mag. Ich habe bereits im Januar gewechselt.













