(openPR) In der Zeit vom 25.06.2011 bis 23.07.2011 zeigt die Berliner Malerin Kerstin Heller in der Galerie Forum Amalienpark vor allem neuere Arbeiten aus der Zeit 2010/2011. Versenkung und Ekstase sind die sinnlich strahlenden Begleiter ihrer abstrakten Malerei. In dem Zyklus »Oil Points Paper« entwickeln raffiniert gesetzten Punkte auf Malpappe eine Kraft und Dynamik, die sie in die Nähe von rituellen Zeichensymbolen rücken. Einer buddhistischen Gebetskette gleich fordern die sich scheinbar ständig in Bewegung befindlichen Punktlinien zu einem Mitsingen, einem konzentrierten Rezitieren von Sinneseindrücken auf.
Kerstin Heller: Zwischen den Flüssen
Ausstellungseröffnung: 24.06.2011, 19.30 Uhr
Einführende Worte: Prof. Dr. Matthias Bleyl
Ort: Galerie Forum Amalienpark, Breite Straße 2a, 13187 Berlin
Telefon: 030/33028095, Mail:
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr
Ausstellungszeitraum: 25.06.2011-23.07.2011
Die Künstlerin trägt in einem ersten intuitiven Akt den Malgrund in Öl auf und lässt ihre Arbeiten dann schichtweise darauf wachsen. Die aufgetragenen Farbschichten strukturieren den Bildraum. Eingefügte Ritzungen, Zeichnungen und die spezifische Handschrift des Spachtelwerkzeugs, aber auch die Löschvorgänge und Überschreibungen veranschaulichen einen komplexen Entstehungsprozess. Kerstin Heller, die auch ein Archäologiestudium abgeschlossen hat, bezieht sich in ihrem künstlerischen Schaffensprozess auf die ursprünglich bei alten Pergamenthandschriften übliche Technik von Überlagerungen; ursprüngliche Schriften werden abgewaschen, abgeschabt, um neue Schrift aufzutragen (Palimpsesten = codices rescripti). Sie beschreibt ihre ihre Arbeitsweise wie folgt: »Beim Malen und dann für "fertig" gedachten Bild kann darüber eine Freude entstehen, die entweder bleibt oder sich wieder verflüchtigt. Manchmal entdecke ich das "Verkehrte" am Bild auch erst nach Wochen oder Monaten. Dann wird kurzer Prozess gemacht und übermalt, obwohl vielleicht einiges gar nicht nur "verkehrt" war. Die übermalten Bilder können mit den Spuren des gelöschten lange als mögliche Anregung dastehen und warten. Eine auf dem Malteller gemischte Farbe kann den Auslöser zum erneuten Tun geben. Die besten Zustände sind die, wo sich das Tun von selbst "schreibt", also malt, und "unbeabsichtigt" ein Ausdruck gefunden wurde, der nun existieren darf und nicht mehr weiter geschrieben, also übermalt wird.«
Wer ihrer Malerei gegenübertritt, empfindet als ersten Eindruck eine vibrierende Ruhe, die sich - sowohl subtil als auch einprägsam - zwischen den Polen von Bewegung und Stille entfaltet. Ihren Ölbildern wohnt eine Kraft inne, die aus dem Prinzip von Gleichklang und Variation gespeist wird. Die Farben wirken bei Kerstin Heller, wo sie flächig aufgetragen sind, wie ruhende Energiefelder, die das Licht der Umgebung sammeln um es teils verhalten, teils mit symphonischer Fülle wieder abzustrahlen. Wer länger bei den Bildern verweilt, erkennt, dass der vielstimmige Farbklang durch empfindsame, sich gegenseitig aufschwingende Farbfelder angeregt wird. Es entsteht so ein Rhythmus von Struktur, Farbe und Linie, der an mythisches Sprechen erinnert. Die rhythmischen Schwingungen verbinden und öffnen zugleich ihre Gestaltungsräume und es entsteht so ein Spiel der Variationen, das, bei aller Differenzierung der Farbe und Intensität der Liniengestaltung, in einer gemeinsamen Wurzel zusammenläuft.
Die Arbeiten von Kerstin Heller lassen einen kommunikativen Diskurs entstehen, sowohl innerhalb der einzelnen Bildelemente wie auch zwischen Bild und Betrachter, der sich nicht zugunsten einer zwingenden Entscheidung auflöst. Stimmigkeit und Unstimmigkeit, Harmonie und Disharmonie, so genannte Schönheit und so genannte Hässlichkeit treten als transitorische Elemente in ihren Bildern auf, die den Fluss der Dinge und deren permanente Veränderung wiedergeben. Dabei wechselt sie vom vermeintlich abstrakten zum so genannten Gegenständlichen und zurück. Sie nimmt dadurch den beiden Begriffen, die die Auseinandersetzung mit Malerei in jüngerer Zeit prägten, ihre polemische Stoßrichtung und - mit einem Augenzwinkern - ihre vermeintliche Ernsthaftigkeit.
(Uwe Dehler)
Presse-Vorabbesichtigung: 23.06.2011, 11 Uhr in der Galerie Forum Amalienpark: Die Künstlerin ist anwesend.
Aktuelle Informationen:
http://galerieforumamalienpark.blogspot.com











