(openPR) Noch bringt das Plus bei Im- und Export besonders die Hafenwirtschaft in Fahrt. Soziale Einrichtungen im Umfeld des Hafens profitieren davon – wenn überhaupt – eher mit Verzögerung. „ Ob Krise oder Konjunktur - unser Seemannsheim ist in guten wie in schlechten Zeiten erste Anlaufstelle für Seeleute, die in Not geraten sind, keine Heuer haben oder für kurze Zeit ein Stück Heimat brauchen. Wir hoffen aber natürlich, dass die gute Stimmung im Hafen auch zu uns ins Seemannsheim schwappt“, so Inka Peschke, Geschäftsführerin der Seemannsmission am Krayenkamp. Das Seemannsheim vis-a-vis vom Michel verbuchte 2010 mit 22.662 Übernachtungen von 3.908 Seeleuten weiter konstant hohe Nachfrage (2010: 22.860, 2008: 22.638).
Wenn wieder mehr Schiffe den Hafen anlaufen, hat das Folgen – auch für das Seemannsheim. Denn die soziale Arbeit wird möglich durch Spenden aber auch durch eine Schiffsabgabe der Reeder. Diese geht zurück auf 1951, als die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten, der Verein Hamburger Reeder und der Nord-Ostsee-Schiffsmaklerverein erklärten, die sozialgemeinnützigen Seemannsheime mitzufinanzieren. Seither fällt für Schiffe ab bestimmter Größe eine Pauschale an. Die Vereinbarung orientiert sich an einer ähnlichen Abmachung mit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Tarif zur Zeit 20 Cent pro 100 TDW (tons dead weight).
Die soziale Arbeit im Einzelnen: 1.112 (2009: 1.086, +2,6 Prozent) psycho-soziale Gespräche und Gespräche mit Behörden wurden geführt. 278 Behörden-Anträge wurden gestellt (223, +20 Prozent). Für 102 Seeleute wurde eine Heuer gesucht (106, - 4 Prozent). 466 Bescheinigungen und Lebensläufe wurden ausgefertigt (466, -7 Prozent). 16 Seeleute fanden eine intensive Krankenbetreuung. 234 Koffer wurden in der Seemannsmission in Verwahr gegeben, gelagert und wieder ausgegeben. Weitere 131 Koffer werden von Seeleuten verwahrt, die auf einem Schiff angeheuert haben, aber ihren Besitz in der Seemannsmission bis zur Heimkehr sicher aufgehoben wissen möchten.
In Zeiten der Globalisierung und immer rascheren Abwicklung von Arbeitsprozessen auf dem Schiff und im Hafen ist das Seemannsheim ein Ort der Geborgenheit. Peschke: „Wenn Seeleute S.O.S. funken, reagieren wir“. Seeleute in Not finden Betreuung, Unterkunft und Rat. 2010 war das Seemannsheim Krayenkamp durchschnittlich 5,8 Tage Heimat auf Zeit. Der Trend bestätigt sich. Notleidende Seeleute sind immer schwerer zurück auf ein Schiff zu vermitteln. Sie brauchen länger Betreuung. 2009 war die Verweildauer mit 6,1 Tagen vergleichbar hoch. 2008 lag sie noch bei 3,8 Tagen. „Ein besonderes Schicksal haben nicht-europäische Seeleute. Wenn etwa ein Mann aus Ghana nach 20 Jahren auf einem deutschen Schiff zurück in die Heimat will, verliert er seine Rentenansprüche. Leistungen nach Hartz IV reichen nicht, um nur für einige Wochen die Familie zuhause zu besuchen. Das heißt: Der Seemann ist gestrandet. Er weiß im Alter nicht wohin.“











