(openPR) LEIPZIG. (Ceto) Scheinbar verkehrte Welt: Während die Rohölkurse an den Warenterminbörsen heute deutlich nachgaben, kletterte der hiesige Heizölpreis. Verwunderlich ist das nicht, denn er folgte den deutlichen Gewinnen vom Dienstag. Die erneute Teuerung ließ auch handelsseitig das Interesse nahezu einbrechen.
Das war wohl etwas Zuviel des Guten: Heute gaben die Rohölkurse deutlich nach. Sowohl Nordseeöl (Brent) als auch US-Leichtöl (WTI) gaben rund 1,50 US-Dollar je Barrel ihrer gestrigen Gewinne wieder ab. Dafür sorgten vor allem Daten aus Nordamerika. Hier lässt die Benzinnachfrage deutlich zu wünschen übrig. Zudem erwartet die Energiebehörde EIA nur noch einen Anstieg der weltweiten Ölnachfrage von 1,4 Millionen Barrel je Tag. Dieser wird derzeit locker von einer erhöhten Förderung der Nicht-OPEC-Mitglieder getragen. Das US-Außenhandelsdefizit fiel für den März mit 48,2 Milliarden US-Dollar größer aus als erwartet. Das alles drückte die Preise.
Der einzige Faktor, der in den Staaten in den kommenden Tagen für einen Preisauftrieb sorgen könnte, ist das Hochwasser des Mississippi. Das bedroht inzwischen rund 10 Raffinerien. Sollten diese nicht mehr produzieren können, schwellen zwar die Rohölvorräte weiter an, die rekordverdächtigen Reserven bei Benzin und anderen Produkten dürften hingegen deutlich schrumpfen.
Ein weiteres preistreibendes Faktum ist der chinesische Öldurst. Nach Berechnungen von Reuters stieg dieser im April um 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 9,32 Mio. Barrel pro Tag. „Das ist der dritthöchste Wert aller Zeiten“, so Eugen Weinberg, Chefanalyst des Branchendienstes Commerzbank Commodity Research.
In Deutschland wirkte sich der Preisrutsch auf internationalem Parket noch nicht auf die Heizölpreise aus. Die folgten damit der gestrigen Entwicklung an den Warenterminbörsen, und kletterten um 86 Cent auf 82,36 Euro, gerechnet auf die 100-Liter-Partie einer Gesamtlieferung von 3.000 Litern Heizöl EL. Vom Handel war zu vernehmen, dass seitens der Kunden kaum Interesse an Bestellungen bestand.
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Frank Urbansky
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