(openPR) Nach aktuellen Schätzungen gibt es zwischen 1,3 und 2,5 Millionen alkoholabhängige Menschen in Deutschland, davon 30 Prozent Frauen mit zunehmender Tendenz. Der Drogen- und Suchtbericht der Drogenbeauftragten der deutschen Bundesregierung 2009 spricht von mindestens 73.000 Toten als Folge übermäßigen Alkoholkonsums in Deutschland (zum Vergleich: Drogentod durch illegale Drogen = 1477 Fälle, Tod als Folge des Rauchens 110.000 Fälle). Ca. jeder Zehnte stirbt vorzeitig an Folgen des Alkoholkonsums. 10.000 Kinder kommen alkoholgeschädigt zur Welt. Etwa 250.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren sind stark alkoholgefährdet oder abhängig.
Alkohol ist eine gesellschaftlich anerkannte Droge, deren Konsum oft in den Alltag integriert ist. „Trinkfeste“ Männer gelten als besonders männlich. Ein „Feierabendbierchen“ oder „ein gutes Glas Rotwein“ sind üblich. Die Schwelle zur Sucht ist schließlich überschritten, wenn der Zwang zum Trinken zum zunehmendem Verlust der Kontrolle über die Trinkmengen führt. Die Krankheit verläuft oft über mehrere Jahre hinweg relativ unauffällig. Die Betroffenen leugnen meist die Schwere ihrer Alkoholabhängigkeit und trinken heimlich. Die Persönlichkeit verändert sich allmählich immer deutlicher. Im Endstadium treten Alkoholpsychosen mit Halluzinationen, Angstzustände, Desorientierung sowie epileptische Anfälle oder ein Delirium tremens auf.
In dieser Endphase ist der Kranke am ehesten bereit, Hilfe anzunehmen. Einweisung in ein Krankenhaus zum körperlichen Entzug kann auch ein Einstieg zur Entwöhnungsbehandlung sein.
Die Entstehung der Sucht ist – wie bei vielen psychischen Krankheiten – multifaktoriell. Eine Hauptursache dafür ist eine Störung der psychosozialen Entwicklung. Alkohol und Drogen allgemein dienen dazu, Defizitgefühle zu überdecken. Mit der Sucht ist die Flucht aus einer subjektiv unerträglichen Realität, aus innerer Leere, Selbstzweifeln und Perspektivlosigkeit beabsichtigt.
Am Anfang der Therapie steht meist der stationäre körperliche Entzug. Bevor eine Hypnosetherapie möglich ist, muss zunächst Vertrauen aufgebaut und Befürchtungen gegenüber der Hypnose und unrealistische Erwartungen, z.B. dass durch Hypnose die Sucht weggezaubert werden könne, angesprochen und abgebaut werden.
Alkoholkranke müssen wieder lernen, ihre Gefühle besser wahrzunehmen und auszudrücken. da sie meist wenig Zugang zu ihren Gefühlen haben. Ein wichtiges Ziel der Hypnosetherapie ist das Erleben von blockierten Gefühlen wie Vertrauen, Sicherheit und Liebe. Besonders die körperlichen Empfindungen dieser Gefühle sollen wieder deutlich wahrgenommen werden.. Dabei werden in Trance frühere Ereignisse aufgesucht, die mit positiven Gefühlen verbunden sind., die nun verankert werden. Durch die Tiefenentspannung kommt es auch zur Verminderung innerer Unruhe, die beim Alkoholentzug verstärkt ist. Dabei fördern bestimmte Suggestionen das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.
Danach fordere ich meine Patienten/innen auf, sich eine typische Konfliktsituation vorzustellen, die mit der Sucht zusammenhängt und vor allem die Gefühle, die damit verbunden sind, zunächst mit dem nötigen inneren Abstand zu beleuchten und dann körperlich wahrzunehmen. Schließlich wird in Altersregression die auslösende Situation aufgesucht, als diese Gefühle zum ersten Mal aufgetreten ist. Oft handelt es sich dabei um ein vergessenes kindliches traumatisches Erlebnis. Dabei wird der Zusammenhang zwischen Alkohol und frühen emotionalen Verletzungen klar erkannt. Die mit dem Alkohol verdrängten, schwer erträglichen Gefühle wie Wut, Trauer oder Scham Ärger können erlebt und abreagiert werden. Die "Neukonstruktion" der Vergangenheit kann hilfreich sein bei der Verarbeitung der Gefühle.
Nach der Dissoziationstheorie von Bandler u. Grinder haben Alkoholabhängige zwei völlig von einander abgetrennte Erlebnisbereiche („Teile“), einen nüchternen und einen abgespaltenen betrunkenen Teil. Ein Ziel ist Zugang zu beiden Bereichen zu bekommen und in Trance eine Situation sowohl nüchtern als auch alkoholisiert zu erleben. Dabei ist zunächst die klare Trennung beider Zustände wichtig. Der betrunkene Teil wird in einer „Konferenz“ der Persönlichkeitsteile nach seiner Absicht, dem Krankheitsgewinn befragt. Der Sinn der Erkrankung wie z.B. Entspannung, besseres Selbstwertgefühl oder soziale Anerkennung kann so aufgedeckt und es werden schließlich bessere Alternativen gesucht und für die Zukunft vereinbart.
Zukunftsprogression
Alternative Verhaltensstrategien werden in zukünftige Situationen übertragen, in denen die Versuchung, wieder zu trinken, auftreten könnte. Es erfolgt ein „Ablehnungstraining“, standhaft zu bleiben, z.B. bei der Aufforderung mitzutrinken und mit passenden Antworten alkoholische Getränke entspannt abzulehnen. Eventuell auftretende Schwierigkeiten oder Situationen, die mit Angst erlebt werden, können gelöst werden.
Auch Aversions-Suggestionen, das " Vermiesen" des Alkohols und Stopp-Suggestionen können eingesetzt werden.
Neben der individuellen Therapie der Grundstörungen müssen soziale Faktoren, Partner, Familie, Arbeitsplatz und finanzielle Probleme berücksichtigt werden.
Immer ist auch eine Nachbetreuung zur Stabilisierung erforderlich.














