(openPR) © Albert Metzler / Management Institute SECS / Düsseldorf
Das Alternative Denken stützt sich auf die Annahme, dass die Entstehung unserer Gedanken und unsere Denkprozesse selbst von verschiedensten äußeren und inneren Faktoren determiniert werden. Diesen Einfluss gilt es, sich bewusst zu machen, damit wir eine Selbstbestimmung unserer Entscheidungen aufrecht erhalten und weiterhin die Verantwortung für unser Handeln übernehmen können. Denn der Umstand, dass äußere Bedingungen unser Denken beeinflussen, bedeutet nicht, dass wir uns von der Verantwortung für unser Handeln und den daraus resultierenden Konsequenzen freisprechen können.
Die Voraussetzung für verantwortungsvolles Handeln liegt in dem Bewusstsein darüber, dass wir fremden Einflüssen unterworfen sind. Reflektiert man diese Gegebenheit und erkennt in der Folge die wirkenden Faktoren, kann man selbstbestimmt entscheiden, ob und inwieweit man diesen Beeinflussungen folgt. So bleibt das eigene Handeln individuell gestaltbar und unterliegt demnach weiterhin der persönlichen Verantwortung.
„DAS PRINZIP VERANTWORTUNG“
Welch hohen Stellenwert Verantwortung in unserer heutigen Gesellschaft hat, konnte der Philosoph Hans Jonas mit seinem Buch „Das Prinzip Verantwortung“ bereits im Jahre 1979 sehr weitsichtig und eindringlich erläutern. Die Grundgedanken seiner Ausführungen erhellen auch heute noch, warum es zwingend notwendig ist, sich der individuellen Verantwortung bewusst zu stellen.
Die technologischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts haben dazu geführt, dass die Reichweite des menschlichen Handelns globale Ausmaße annimmt – sowohl in der räumlichen als auch in der zeitlichen Ausdehnung. Dieses Novum lässt sich mit herkömmlichen ethischen Handlungsgrundsätzen nicht mehr erfassen, da diese vor allen Dingen das unmittelbare Zusammenleben der Menschen geregelt haben. Die Auswirkungen menschlichen Handelns betrafen in der Vergangenheit überwiegend Bereiche, die räumlich und zeitlich sehr nahe beieinander lagen. Die Konsequenzen des eigenen Handelns waren somit überschaubar und kalkulierbar.
Das hat sich im Zuge der gewaltigen Fortschritte in der Hochtechnologie grundlegend gewandelt. Die Effekte menschlicher Handlungen reichen inzwischen weit in die Zukunft hinein und weit über den räumlichen Nahbereich hinaus, sodass die Konsequenzen des Handelns den Menschen selbst oder seine unmittelbare Umgebung oft gar nicht mehr betreffen. Damit verliert sich der Zusammenhang zwischen der eigentlichen Handlung und ihren Folgen. Hinzu kommt, dass viele der Auswirkungen nicht umkehrbar sind und damit der Nachwelt als Bedingungen quasi aufgezwungen werden.
Die Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel, die die heutige Menschheit verursacht, werden z. B. noch viele nachfolgende Generationen zu tragen haben. Und schon gegenwärtig betreffen sie längst nicht nur diejenigen, die sie herbeigeführt haben, sondern jeden Menschen auf der Erde, egal wie er selbst lebt. Aufgebrauchte endliche Ressourcen sind für die Nachwelt unwiederbringlich verloren, und im Gegenzug hinterlassen wir Sondermüll, der auf Jahrtausende versiegelt bleiben muss. Eingriffe in das genetische Material – sei es das von Pflanzen, Tieren oder des Menschen selbst – sind in ihren Langzeitwirkungen noch nicht einmal ansatzweise überschaubar, betreffen aber im extremsten Falle (der Genveränderung am Menschen oder des Klonens) ganz direkt das Leben zukünftiger Menschen. Unsere heutigen Entscheidungen wirken also nicht selten auf Menschen, die erst mehrere Generationen nach uns leben werden und die an den Entscheidungen keinen eigenen Anteil haben. Und trotzdem müssen sie die Folgen bewältigen und unsere Rechnungen bezahlen.
Diese grundsätzlichen Veränderungen hinsichtlich der Wirkungsmacht und der Reichweite menschlichen Handelns machen es notwendig, den Entscheidungen und Handlungen das Kriterium der Verantwortung hinzuzufügen. Verantwortung zu übernehmen, heißt heutzutage also auch, zeitlich und räumlich weitreichende Konsequenzen für die Zukunft zu beurteilen und abzuwägen. Das ist wiederum selbst sehr problematisch, da sich z. B. bei der Entwicklung von neuen hochkomplexen Technologien im Vorfeld gar nicht abschätzen lässt, ob deren Anwendung langfristig gute oder weniger gute Auswirkungen haben wird.
Auch gute Absichten können auf lange Sicht weniger gute Effekte haben. Die Verhinderung genetisch bedingter Krankheiten durch Veränderung des Erbmaterials kann bspw. kurzfristig vielleicht Menschen helfen, die von solchen Krankheiten bedroht sind. Langfristig kann es aber einen schwer wiegenden Eingriff in den Genpool der gesamten Menschheit bedeuten. Wer kann hier eigentlich eine gesicherte Entscheidung treffen?
INDIVIDUALITÄT ALS VORAUSSETZUNG FÜR VERANTWORTUNG
Mit der größeren Reichweite des Handelns nimmt auch die Komplexität der Welt unaufhaltsam zu, und es wird immer schwieriger, die Konsequenzen von Entscheidungen einzuschätzen. Deshalb wird es umso wichtiger, die eigenen Entscheidungen und Handlungen danach zu befragen, ob man persönlich die Verantwortung für deren Folgen übernehmen kann – ob die möglichen Folgen mit unseren inneren Überzeugungen zu vereinbaren sind.
Die Beantwortung dieser Frage kann letzten Endes nur bei uns selbst liegen. An unserem individuellen Wertesystem und auf Grundlage unserer persönlichen Denkstrukturen entscheidet sich, wie wir uns zu einer Sache verhalten. Voraussetzung dafür ist, dass es sich wirklich um unsere eigenen Strukturen und Werte handelt, die wir bewusst entwickelt haben. Nur dann können sie Basis von eigenverantwortlichen Entscheidungen sein. Wertvorstellungen, die nicht mit unseren inneren Überzeugungen im Einklang stehen, eignen sich dazu nicht, denn diese werden wir in letzter Instanz nicht verantworten können. Die Reflexion und Bewusstwerdung der eigenen Persönlichkeit und die individuelle Gestaltung des Denkens sind also unverzichtbare Bedingungen für verantwortungsbewusstes Handeln.
Haben wir uns bewusst individuelle Wertmaßstäbe gesetzt, die tatsächlich mit unseren inneren Überzeugungen korrespondieren, sind wir in der Lage, unsere persönlichen Entscheidungsmotivationen zu ergründen und sie auf unser Wertesystem zurückzuführen. Wenn wir dann die Folgen unserer Handlungen so weit wie möglich abschätzen und diese mit unseren individuellen Werten in Einklang bringen, dann können wir für unsere Entscheidungen und unsere Handlungen eigenverantwortlich einstehen.
Unsere Entscheidungen müssen also in zweierlei Hinsicht angemessen sein: Sie sollten sowohl den äußeren Bedingungen und Anforderungen der Sache als auch unserer inneren Struktur entsprechen. Das gilt für die großen Zusammenhänge des Lebens in gleicher Weise wie für den unternehmensinternen Kontext und auch für ganz persönliche Entscheidungen im Privat- und Berufsleben. Schon Dostojewski formulierte es ohne jede Umschweife: „Kannst du die Frage stellen: ‚Bin ich für mein Handeln verantwortlich oder nicht?’, so bist du es.“
VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN – KONSEQUENZEN TRAGEN
Auch ein Unternehmen braucht eine innere Wertestruktur, an der sich die Entscheidungen und das Agieren des Unternehmens ausrichten können, damit die zu erwartenden Konsequenzen sowohl zum Unternehmen als und auch zu den Anforderungen des Marktes passen – und damit das Unternehmen verantwortungsvoll handeln und für seine Entscheidungen dauerhaft einstehen kann. „Blinder Aktionismus“ hat schon so manchem Unternehmen viel Energie und auch viel Geld gekostet. Aus Angst, nicht mit der Konkurrenz mithalten zu können, lassen sich Unternehmen immer wieder dazu verleiten, Maßnahmen zu ergreifen, die weder notwendig sind noch zum Charakter des Betriebes passen und überdies betriebswirtschaftlich oft ein hohes Risiko bedeuten. Zeichnet sich z. B. für ein Unternehmen ab, dass eines seiner Produkte wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist und darüber hinaus wegen einer internen Umstrukturierung auch nur noch wenig mit dem neuen Image des Betriebes korrespondiert, wäre die logische Folge, das Produkt auslaufen zu lassen. Doch nicht selten gehen mit diesbezüglichen Überlegungen Befürchtungen einher, man würde damit der Konkurrenz zuarbeiten, weil man ihr ein ganzes Kundensegment überlässt. Und so wird dann mit viel Aufwand ein Produkt weiter vertrieben, das eigentlich nicht mehr zum Unternehmen und auch nicht mehr zu den Ansprüchen des Marktes passt.
Ein bewusster Abgleich mit dem internen Wertesystem und eine weitsichtige Beurteilung der Konsequenzen hätte hingegen vielleicht eröffnet, dass die frei werdenden Kräfte und Mittel bei Aufgabe des einen Produktes einen erheblichen Zugewinn für ein anderes Produkt hätten darstellen können. Mit diesem neuen Produkt, das den innerbetrieblichen Strukturen besser entspricht, könnte sich das Unternehmen nachhaltig und Erfolg versprechend auf dem Markt positionieren, sodass der Verlust des einen Kundensegmentes mehr als ausgeglichen worden wäre.
Wie im Unternehmen gilt es auch für Sie persönlich, dass Lösungen vor allen Dingen angemessen sein müssen. Angemessen heißt: Ihrem Inneren gemäß und zu den äußeren Bedingungen passend. Denn nur, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können Sie Verantwortung übernehmen für Ihr Handeln.
Überprüfen Sie also auch in Ihrem Privat- und Berufsleben, auf welcher Grundlage Sie Ihre Entscheidungen treffen. Häufig sind es Erwartungen, Sanktionen oder Anerkennung von anderen, die uns dazu bringen, Dinge zu tun, die uns eigentlich nicht entsprechen. Wenn Ihnen das bewusst wird, liegt es in Ihrer eigenen Verantwortung, daran etwas zu ändern. Wenn Sie selbstständig und im Einklang mit sich selbst handeln, können Sie zu Ihren Entscheidungen stehen, sie auch gegen Kritik verteidigen und Ihre Motive begründen. So fällt es auch nicht schwer, für Fehlentscheidungen und Schwächen gerade zu stehen, denn sie basieren auf Ihrem Inneren und sind authentisch. Und unsere inneren Strukturen unterliegen unseren eigenen Einflussmöglichkeiten, sodass wir in der Lage sind, gegen die Ursache von Fehlentscheidungen selbst etwas zu unternehmen und uns unserer Verantwortung zu stellen.
Alternatives Denken ist eine Selbst-Coaching-Methode, die auf diesen Einsichten aufbaut. Es zielt auf das bewusste Begreifen der eigenen Denk- und Entscheidungsprozesse. Denn das Bewusstsein um die individuellen Strukturen ist die Voraussetzung für eigenverantwortliches Handeln. Nur wer sich seiner persönlichen inneren Überzeugungen und Denkstrukturen bewusst ist, kann diese auch selbstbestimmt beeinflussen und damit Verantwortung für sich selbst übernehmen. Und die Bereitschaft dazu, sein eigenes Denken bewusst und selbstbestimmt zu gestalten, um eigenverantwortlich, authentisch und angemessen handeln zu können, ist bereits der erste Schritt, bei dem sich eine alternative Denkweise zeigt.
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