(openPR) In diesem Jahr kann die evangelische Kirche im deutschen Sprachraum ein Fest feiern: Der schwarze Talar wurde vor 200 Jahren eingeführt. 1811 erfolgte eine entsprechende Kabinettsorder von König Friedrich Wilhelms III. in Preußen, gültig für christliche wie jüdische Geistliche, Richter und andere königliche Beamte. In der Reformationszeit waren im Bereich der lutherischen Kirchen die Messgewänder häufig in Gebrauch geblieben. Nach 1811 ist der Talar in Deutschland zur Amtstracht und durch ihren Gebrauch zur gewohnten liturgischen Kleidung der evangelischen Pfarrer geworden. Prädikanten tragen in der Rheinischen, Westfälischen und Badischen Landeskirche sowie in der Kirchenprovinz Sachsen ebenfalls den Pfarrertalar.
Das Ökumenische Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin bat Persönlichkeiten aus den verschiedensten Bereichen um eine Würdigung. Hier ein Auswahl:
Maria Jepsen, Bischöfin i. R., evangelisch-lutherisch: „Meinen Talar bekam ich als Theologiestudentin von meiner Großmutter geschenkt; er bedeutete für mich Einstieg in das geistliche Amt, zuerst als Vikarin, dann als Pastorin. Wichtig war mir, den Talar mit einem „Damenkragen“ zu tragen. Das Beffchen lehnte ich als zu männlich ab. Ich halte viel von Traditionen, auch im gottesdienstlichen Leben, aber die gottesdienstliche Kleidung sollte nicht einschüchternd wirken. Zu viele schwarzgewandete Menschen im Gottesdienst lassen das Priestertum aller Glaubenden zurücktreten. Ohne klare liturgische Aufgabe trage ich dann lieber zivile Kleidung."
Dr. Hans-Jochen Jaschke, Weihbischof, römisch-katholisch: „Gegen den Muff unter den Talaren haben wir in den 68ern gekämpft, gegen ein Amt, das als Fassade erfahren wird, egal was darunter steckt. Katholische Geistliche tragen im eucharistischen Gottesdienst, bei der Messe, das Messgewand, nicht von Preußens Gnaden, sondern gemäß unserer eigenen Tradition. Es soll zeigen: Der Priester steht nicht mit seiner eigenen Person vor der Gemeinde, sondern an Christi statt (2 Kor 5,20). Gewänder sind zum Glück nicht kirchentrennend. Achten wir darauf, wer drinsteckt und vor allem, für welchen Inhalt sie stehen!“
George Turner, früherer Universitätspräsident und parteiloser Senator für Wissenschaft und Forschung, evangelisch: „Mein Verhältnis zu Talaren ist gespalten: in der Kirche ist er für mich ein Element der Distanz, der Würde, auch der Besinnung, dass der Träger dahinter zurücksteht. Als ich im Jahr 1970 mit 35 Jahren Universitätspräsident wurde, waren die Talare gerade ins Gerede gekommen."
Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, evangelisch-lutherisch: „In meinem Kleiderschrank hängt der alte Talar meines Großvaters. Er ist noch in Wien hergestellt worden, in den Tagen der untergegangenen Habsburgermonarchie, als es in den vielen evangelischen Kirchen des Donauraumes noch eine entsprechende Nachfrage für Talare gegeben hat. Durch den Geistlichen im Talar wurde in Österreich die evangelische Kirche nach außen sichtbar. Das ist für eine Diasporakirche, die zudem auf eine lange Zeit der Unterdrückung zurückblickt, an Bedeutung nicht gering zu achten."
Dr. theol. Wolfgang Gern, 60, Darmstadt, Pfarrer und Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes in Hessen und Nassau, evangelisch: "Man kann es auch anders sagen: Wer im Dienst der Wortverkündigung steht, weiß um die Gefahr eines hohlen, pfäffischen Geschwätzes. So ist dem Talar zu wünschen, dass er Pfarrerinnen und Pfarrer darin bestärkt, nicht in eigener Sache zu reden, sondern Sprachrohr Jesu zu sein, Kirche Jesu Christi zu bauen, zur glaubwürdigen Nachfolge am eigenen Ort zu ermutigen und die die Menschheit versöhnende Gerechtigkeit Gottes anzusagen. Nicht mehr, nicht weniger."
Ausführlich finden Sie alle Statements hier:
http://rogatekloster.wordpress.com/?s=Talar













