Kritik am Brieftaubensport üben die Bürgerinitiative Freilebende Stadttiere Düsseldorf und der Verein Tierhilfe - Menschen für Tierrechte aus Tönisvorst.
Die Reisesaison der Brieftauben ist wieder voll im Gange: Tierschützer erleben alljährlich eine Flut von erschöpften und verletzten Tauben, die - im wahrsten Sinne des Wortes - „auf der Strecke bleiben“.
„In unserem Garten sitzt eine beringte Taube und fliegt nicht mehr weg. Das Tier ist verletzt, kommen Sie die Taube abholen?“ So oder ähnlich lauten die Notrufe, die derzeit regelmäßig bei vielen Tierschutzvereinen in Deutschland eingehen. Denn von Mai bis September ist „Reisesaison“, die Zeit der Brieftaubenwettbewerbe. Daher stranden immer wieder erschöpfte und verletzte Brieftauben in den Städten. Wenn die Tauben Glück haben, nehmen sich tierliebende Bürger ihrer an. Viele sterben aber auch fern ab von der Zivilisation.
Die Bezeichnung „Brieftaube“ ist mittlerweile überholt, denn Tauben transportieren heute keine Nachrichten mehr, sondern werden nur noch als „Sportgeräte“ benutzt. Die Wettflüge - Strecken von bis zu 1000 Kilometern mit einer mittleren Fluggeschwindigkeit von 80km/h - übersteigen die Kräfte der Tiere.
Die „Verluste“ bei Wettflügen können bis zu 40% betragen. Bei rund 65.000 Brieftaubenzüchtern in Deutschland mit insgesamt etwa zehn Millionen Tauben bedeutet das: Hunderttausende von Tauben gehen jährlich elendig zugrunde oder stranden in den Städten und verbleiben dort. Tauben, die zurückkehren, aber nicht schnell genug waren, werden in der Regel getötet.
Überhaupt erreichen nur die wenigsten Zuchttauben ihre Lebenserwartung von zwei Jahren. Ausnahmen bilden hier „bewährte“ Tauben, die bereits Preise erflogen haben. Aber gerade die Tauben der ersten Generation, sprich die Jungtauben, erwartet bei schlechter Leistung keine Gnade, sondern der Tod.
„Brieftaubensport wird noch immer als traditionelles, nettes Hobby verharmlost. In Wirklichkeit hat sich ein riesiger Wirtschaftszweig gebildet, und es handelt sich um gewinn- und prestigebringende Tierquälerei", so Volker König von der "Tierhilfe - Menschen für Tierrechte".
„Die 'Rennpferde des kleinen Mannes' bringen den organisierten Haltern und Züchtern Auszeichnungen und Geldpreise, oft fünfstellige Beträge." ergänzt Gudrun Fröhlich von der Düsseldorfer Bürgerinitiative Freilebende Stadttiere.
Deshalb weisen die Züchter Kritik generell zurück. Sie nennen sich "Liebhaber" und ihre Vögel ihre "Lieblinge". Die Wahrheit im Umgang mit den "Lieblingen" aber ist grausam: Eine aktuelle, bundesweite Umfrage bei 173 praktisch arbeitenden Tierschutzvereinen (davon 112 in NRW, 56 in Hessen) ergab, dass das Gros der Züchter kein Interesse an der Rücknahme von aufgefundenen Tiere hat. Mehr als 80% holen ihre Tiere nicht ab, obwohl sie als Tierhalter dazu verpflichtet sind. Ratschläge wie "Dehen Sie ihr den Hals um" oder "Kochen Sie Taubensuppe draus" und Kommentare wie "Zu weite Anfahrt", "Wertlos, kein Interesse" sind die Regel. Denn den Züchtern geht es nur um "Sieger"-Tauben.
So kümmern sich - auch vor dem Hintergrund, dass den geretteten Brieftauben im Heimatschlag erfahrungsgemäß der Hals umgedreht wird - meist tierliebe Bürger und Tierschützer um die Tiere.
Problematisch bleibt die Unterbringung der Tauben, da die Aufnahmekapazität für Tauben in Tierheimen und bei Privatpersonen begrenzt ist. Hier kann langfristig nur ein gesetzliches Verbot des Brieftaubensports Abhilfe schaffen.
Die Bürgerinitiative die Tierhilfe fordern daher ein ausdrückliches und umgehendes Verbot des „Brieftaubensportes“ und bis zur Umsetzung eine strenge behördliche Kontrolle der Vorgänge innerhalb des Brieftaubensports. Die Einhaltung des Tierschutzgesetzes verbietet an sich schon diesen tierquälerischen „Sport“, denn „Aussetzen von Haustieren“, „Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund“ und das „Abverlangen von Leistungen, die das Tier nicht erbringen kann“ stehen in Deutschland unter Strafe.
Ganz abgesehen davon, dass die „Vergnügungsmaschinerie“ Brieftauben-Sport nicht mehr in die Morallandschaft des 21. Jahrhunderts passt verschärfen die überlebenden Sportgeräte zusätzlich die Zahl unserer Stadttauben.
Bürgerinitiative Freilebende Stadttiere arbeitet in Düsseldorf an Hilfsprojekten für ausgesetzte und verwilderte Tiere sowie kulturfolgende Wildtiere. Die Tierhilfe – Menschen für Tierrechte eV widmet sich seit dem Jahr 2000 dem praktischen und politischen Tierschutz.
Kontakt zur Tierhilfe bekommen Sie unter 0179/1562525.
Für redaktionelle Rückfragen erreichen Sie den Sprecher der Tierhilfe, Volker König, unter 0163/7031026.