(openPR) Unter dem Eindruck zunehmender Ablehnung von Massentötungen großer Tierbestände durch die Bevölkerung, sucht die Tier- und Fleischindustrie nach Alternativen. Der Lösung dieses Problems widmeten sich jetzt zwölf Wissenschaftler in Referaten auf einer Tagung der Akademie für Tiergesundheit (AfT) in Naurod bei Wiesbaden. In den Diskussionen im Anschluss an die Referate sowie im Rahmen der abschließenden Diskussion stellte sich heraus, dass es in erster Linie um die Absatzsicherung für in Deutschland und der EU produziertes Fleisch ging und um die Verbesserung der Akzeptanz für die industrialisierte Massentierhaltung in der Bevölkerung. Tierschutz spielte dagegen eine nahezu unbedeutende Rolle. So monierte ein Tierschützer, dass die Keulung von Wassergeflügel mit Kohlendioxid als „tierschutzgerecht“ bezeichnet wurde, obwohl dieses Gas aus Tierschutzgründen zur Betäubung vor der Schlachtung verboten ist.
Zunächst stellte Prof. Hans-Wilhelm Windhorst (Vechta) seine Prognose der Entwicklung der Fleischwirtschaft dar. Sie sei einerseits gekennzeichnet durch starkes Wachstum, aber aufgrund der Überproduktion auch durch den Zwang zum Export. Da wichtige Importländer ihre eigene Produktion ausweiten werden, laufe das auf niedrigere Gewinne je Einheit hinaus. Eine Rückkehr zu Exportsubventionen lehnte er als Sündenfall ab.
In weiteren Referaten wurden von Dr. Hans-Joachim Bätza (BMELV) und Dr. Armin Elbers, (Lelystad /Niederlande) auf der Basis in- und ausländischer Seuchengänge der gegenwärtige Stand des europäischen Tierseuchenrechts und mögliche zukünftige Entwicklungen ausgelotet. Hinsichtlich der Impfung hob Bätza hervor, dass der Handel mit seiner Ablehnung das größere Problem darstelle im Vergleich zu den Erwartungen der Verbraucher. Prof. Timm Harder und Privatdozent Dr. Martin Beer (beide FLI / Riems) informierten das Fachpublikum detailliert über die enormen Fortschritte im Bereich der molekularen Diagnostik sowie erkennbare Möglichkeiten und Grenzen neuer Impfstoffe. Prof. Franz Conradts (FLI / Wusterhausen) stellte IT-basierte geografische Informationssysteme zur Unterstützung von Tierseuchen-Bekämpfungsmaßnahmen vor, während Dr. Ursula Gerdes (Niedersächsisches Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz, Oldenburg) die optimierte organisatorische Anpassung beschrieb. Es komme besonders auf gute Kooperation aller beteiligten Behörden und Organisationen sowie den Ausbildungsstand der Einsatzkräfte an. Im Referat von Dr. Klaus Depner (FLI / Riems) ging es um die Akzeptanz alternativer Seuchenbekämpfungsstrategien und Dr. Hans-Hermann Thulke (Leipzig) beleuchtete u.a. im Zusammenhang mit möglichen Restrisiken verschiedene Herangehensweisen in Seuchenfällen. So könne die Freitestung schlachtreifer Tiere die sekundären Folgekosten um 50% senken. Dr. Alejando Thiermann (Weltorganisation für Tiergesundheit, OIE / Paris) beleuchtete die Alternative Impfen statt Keulen im Hinblick auf den internationalen Handel und hob die seuchenhygienischen Vorteile geschlossener Produktionssysteme hervor. Durch diese könnten Risikofaktoren wie Tier- und Futtermitteltransporte, aber auch die Verbreitung von Erregern durch Tierärzte und Berater stark reduziert werden. Hierdurch werde insbesondere die Infektionsgefahr für andere Betriebe vermindert. Alberto Laddomada lobte die flexiblen, auf die landesspezifischen Besonderheiten Rücksicht nehmenden Strategien der EU-Mitgliedsstaaten und forderte Handelsbarrieren zu beseitigen. So weigerten sich in Großbritannien die Lebensmittelketten vehement, Fleisch von geimpften Tieren zu akzeptieren. Es sei inkonsequent, wenn die Bürger für sich und ihre Heimtiere Impfungen guthießen, diesen Schutz aber für Lebensmittel liefernde Tiere nicht akzeptierten.
Vor dem Hintergrund der Referate legten in einer abschließenden Diskussionsrunde Dr. Martin Hartmann (Bundesverband der beamteten Tierärzte), Dr. Hans-Joachim Götz (Bundesverband Praktizierender Tierärzte), Jutta Jaschke (Verbraucherzentrale Bundesverband), Paul Brandt (Verband der Fleischwirtschaft), Thomas Schröder (Deutscher Tierschutzbund), Franz Josef Möllers (Deutscher Bauernverband ) und der Kommunikationsberater Gerald Schmidt unter der Leitung von Thomas Henschel die Positionen ihrer Organisationen dar. Zahlreiche offene Fragen konnten bedauerlicherweise aus Zeitgründen nicht mehr erörtert werden.
Verfasser: Eckard Wendt, AGfaN e.V.











