(openPR) Kassel, 28.1.2011
Zum fünften Mal veranstalten wir das Kasseler Komik Kolloquium – gleichzeitig Fest der Komischen Literatur und Tagung zur aktuellen Humorforschung und damit einzigartig im europäischen Raum. Den Auftakt bildet auch diesmal die Verleihung des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humor und des Förderpreises Komische Literatur im Kasseler Rathaus.
Das Literaturfest lädt an verschiedenen Orten der Stadt zu Lesungen, Performances, Gesprächen und Ausstellungen ein. Wir haben großartige Künstlerinnen und Künstler für ein hochkarätiges Programm gewinnen können. Es bleibt bei einer Suche danach, was Komik alles bedeuten kann: nicht nur Lachkultur, sondern auch Verrücktes, Subversives, Gewagtes und Innovatives. Im Mittelpunkt steht 2011 das spannende und spannungsreiche Verhältnis zwischen dem Komischen und dem Künstlerischen.
Dieses Thema bestimmt auch die wissenschaftliche Tagung zum Thema „Kunst oder Komik?“: Steht ästhetischer Anspruch einer komischen Wirkung entgegen? Bleibt das kritische Auge beim Blick auf anspruchsvolle Künstler blind für deren komische Seite? Oder was geschieht, wenn das Künstlerische selbst zum Gegenstand von Komik wird?
Herzlich zu danken ist unseren Förderern und Unterstützern, insbesondere der Stadt Kassel, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Kasseler Sparkasse und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, sowie unseren Partnern und den beteiligten Künstlern und Wissenschaftlern. Außerdem freuen wir uns über neue Kooperationspartner wie die Arno Schmidt Stiftung und hr2-Kultur.
Das Kasseler Komik Kolloquium wird von der Stiftung Brückner-Kühner in Zusammenarbeit mit der CARICATURA Galerie, dem Kulturzentrum Schlachthof, dem Kunsttempel, dem Hessischen Rundfunk (hr2-Kultur) und der Arno-Schmidt-Stiftung veranstaltet. Kurator ist Friedrich W. Block.
Sa / 26. Februar / 18 Uhr / Rathaus
Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor
Die Preisverleihung eröffnet in Anwesenheit von Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann und Oberbürgermeister Bertram Hilgen die Veranstaltungswoche des Kasseler Komik Kolloquiums.
Für das Jahr 2011 wurde Thomas Kapielski der „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ zugesprochen sowie Jan Neumann der „Förderpreis Komische Literatur“. Seit 1985 zeichnen Stiftung Brückner-Kühner und Stadt Kassel Autoren aus, die auf hohem künstlerischem Niveau Komik und Groteske in ihrem Werk gestalten.
Der Schriftsteller Thomas Kapielski, geboren 1951, malt Ölschinken, zeichnet und kritzelt, fotografiert, filmt, musiziert. Und er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, aus denen er eine Kostprobe geben wird, nachdem er von dem Musiker Frieder Butzmann eine Lobrede erhalten und sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hat. Gleichzeitig wird im Rathaus die Ausstellung „Lampen“ von Thomas Kapielski eröffnet, die bis zum 25. März zu sehen ist.
Der Dramatiker, Schauspieler und Regisseur Jan Neumann, Jahrgang 1975, wird für die innovative Komik in seinen Theatertexten ausgezeichnet. Nach einer Laudatio der Stuttgarter Dramaturgin Kekke Schmidt wird Harry Rowohlt Jan Neumanns kurze Komödie „Knolls Katzen“ vortragen. Das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester, dem Thomas Kapielski angehört, spielt zu diesem Anlass auf. Im Anschluss lädt Oberbürgermeister Hilgen zu einem Empfang.
Die Preisverleihung ist öffentlich und verlangt keinen Eintritt. Allerdings ist die Anzahl der Sitzplätze begrenzt, eine Reservierung ist leider nicht möglich.
So / 27. Februar / 11 Uhr / Bali-Kino / KulturBahnhof
Eckhard Henscheid
„Geht in Ordnung - sowieso - - genau - - -“
Eckhard Henscheid, Verfasser der legendären „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ liest Altes und Neues aus seinem vielseitigen und virtuosen Werk. Eckhard Henscheid ist der wortgewaltige Satiriker, der einfühlsame Poet, der boshafte Polemiker, der zarte Idylliker und der gnadenlose Kritiker des „Dummdeutschen“ in Personalunion. Sein Themenspektrum umfasst die Opern Mozarts und Verdis, die Gedichte Eichendorffs und die Romane Dostojewskis ebenso wie das Schicksal Eintracht Frankfurts oder das Leben Heidi Klums. Unabhängig vom Urteil der Juroren, Kritiker, Juristen und Germanisten ist Henscheid zum Klassiker avanciert, der dem Komischen in der zeitgenössischen deutschen Literatur wie wenige andere eine Stimme gegeben hat.
20 Uhr / Gleis 1 / KulturBahnhof
„Wie seine eigne Spucke schmeckt, / das weiß man nicht …“
Harry Rowohlt liest und Christian Maintz kommentiert Komische Gedichte (nicht nur) von Joachim Ringelnatz
„Es gibt keinen Tag ohne Ringelnatz-Jubiläum. Jedenfalls keinen, der den Namen ‚Tag‘ verdient hätte“, so Harry Rowohlt. In diesem Sinne präsentiert er mit Christian Maintz eine breit gefächerte Auswahl aus dem Werk von Joachim Ringelnatz. Rowohlt, Übersetzer, Kolumnist, Schauspieler und der derzeit republikweit wohl begnadetste Rezitator, wird Gedichte, Prosa und Briefe von Ringelnatz und einigen seiner Vorläufer und Nachfolger lesen, deklamieren und notfalls auch singen. Der Germanist und Dichter Christian Maintz wird die Texte erläuternd kommentieren und Biographisches zur Person des Dichters beisteuern. Harry Rowohlt selbst beschreibt das Prinzip ihrer gemeinsamen Veranstaltungen so: „Ich lese komische Gedichte – und Christian Maintz erklärt den Leuten, warum sie gelacht haben.
Di / 1. März / 20 Uhr / Kunsttempel
3durch3 / Friedrich Achleitner – Anton Bruhin – Ulrich Schlotmann
In der Reihe „3durch3“ kommen im Kunsttempel dreimal im Jahr drei Sprachkünstler verschiedener Länder und Generationen zu einem Poesie-Abend zusammen. Friedrich Achleitner, Jahrgang 1930, war Mitglied der legendären Wiener Gruppe. Er wird aus seinen Büchern „und oder oder und“ und „der springende punkt“ (2006, 2009) lesen – Kurzprosa voller Witz, absurdem Humor und scharfer Beobachtungsgabe. Anton Bruhin (geb. 1949) wirkt als Dichter, Bildender Künstler und wohl einziger Maultrommel-Virtuose der Schweiz. Er hat sich lange Jahre mit Gedichten beschäftigt, die sich von vorn und hinten lesen lassen, und wird sie, untermalt von seiner Maultrommel, vorstellen. Ulrich Schlotmann, 1962 geborener Autor von Prosa, Gedichten und Hörspielen, liest aus seinem riesigen Prosawerk „Die Freuden der Jagd“ (2009) von einem Mann, der sich in den Wald begibt zu einem Höllentrip in die Abgründe der menschlichen Seele.
Mi / 2. März / 20 Uhr / Gleis 1 / KulturBahnhof
Maren Kroymann
Lesung, Film, Gespräch
präsentiert von hr2-kultur / Moderation: Ruth Fühner
Die Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Maren Kroymann ist als eine außergewöhnliche Künstlerin der Film- und Bühnenwelt bekannt. Seit ihrem ersten Kabarett-Programm, als „Vera Wesskamp“, mit ihrer Satiresendung „Nachtschwester Kroymann“ oder der Mitwirkung in Filmen von Hape Kerkeling bis Doris Dörrie hat sie immer wieder große Unterhaltung mit künstlerischem Anspruch verbunden. An dem gemeinsam mit hr2-kultur veranstalteten Abend wird Maren Kroymann sich mit Ruth Fühner über ihre Arbeit unterhalten, insbesondere darüber, wie sich am Humor die Geister scheiden – ob es nun um das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, zwischen Ost und West oder zwischen Kunst und Komik geht. Gesprächsanlässe liefern Filmszenen aus „Nachtschwester Kroymann“ und Doris Dörries TV-Serie „Klimawechsel“ sowie Texte von Doris Dörrie und Christine Brückner, vorgetragen von Maren Kroymann.
Do / 3. März / 20 Uhr / CARICATURA Bar / KulturBahnhof
„Rock ’n’ Roll Fever“
Franz Dobler liest und legt auf
Franz Doblers Lesungen gleichen reduzierten Performances, Jamsessions in Wort und Musik. Das mag daran liegen, dass der Augsburger Autor sich nicht nur auf das Erzählen versteht, sondern auch als DJ und Musikjournalist überzeugt. Franz Dobler begleitet mit einer Essaysammlung die Ausstellung „Rock’n’Roll Fever“ des Berliner Malers Guido Sieber in der CARICATURA Galerie. Dobler erzählt kleine Anekdoten und trennt dabei mit leichter Hand die Spreu vom Weizen. Wer bleibt im musikalischen Gedächtnis von den ehemals ganz großen Helden des Rock und über wen breitet die Geschichte den Mantel des Schweigens? Dazu zeigt er ausgewählte Musikerporträts und Szenen von Guido Sieber und spielt die in diesem Zusammenhang wichtigen Musiktitel an. Ab 22 Uhr legt er dann auf ...
Fr / 4. März / 20 Uhr / Kunsttempel
„Mond, Nebel & Regen erste Qualität“
Ein Abend zu Arno Schmidt mit Susanne Fischer, Friedrich Forssman, Bernd Rauschenbach
in Kooperation mit der Arno Schmidt Stiftung
Arno Schmidt (1914-79), einer der interessantesten und umstrittensten deutschen Autoren der Nachkriegszeit, galt spätestens seit dem Erscheinen von „Zettel’s Traum“ als Autor für eine intellektuelle Minderheit. Er selbst dagegen sah die Stärke seiner avancierten Romane und Erzählungen „in der Beobachtung. Und in Witzen.“ Mit einer Lesung aus den „Ländlichen Geschichten“, Auszügen aus Einzelwerken und vielen autobiografischen Dokumenten von Arno und Alice Schmidt stellen Susanne Fischer, Friedrich Forssman und Bernd Rauschenbach den Autor vor. Schmidt kommt im Fernsehinterview auch selbst zu Wort. Die Komik seiner literarischen Texte wird ergänzt von Zeugnissen alltäglicher Skurrilität aus dem Leben eines Schriftstellers, der über seinen ländlichen Wohnort Bargfeld in der Heide vermerkte: „Auch im Trinkwasser war, selbst mit dem bösesten Willen, kein Jauchegeschmack spürbar.“
Sa / 5. März / 19 Uhr / Kulturzentrum Schlachthof
Lange Lesenacht
Rebekka Kricheldorf, Anselm Neft, Jochen Schmidt, Philipp Tingler, Ella Carina Werner
Zum Abschluss des Kasseler Komik Kolloquiums treffen fünf jüngere und wenig ältere Autorinnen und Autoren zusammen und eröffnen noch einmal ein breites Spektrum komischer Literatur:
Die Theaterstücke von Rebekka Kricheldorf, Jahrgang 1974, werden für ihren Humor und ihre poetische Sprache gepriesen. Die Autorin übersetzt auch englischsprachige Dramatik und arbeitet in der Leitung des Theaterhauses Jena. Am Staatstheater in Kassel brachte sie mehrere Stücke zur Uraufführung und erhielt hier 2010 den Förderpreis Komische Literatur.
Anselm Neft, geboren 1973, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Er schreibt Kolumnen im Tagesspiegel und ist Mitherausgeber des „Exot“, einer Zeitschrift für komische Literatur. In seiner Lesung wird seine Erzählband „Die Lebern der Anderen“ (2010) vom Überlebenskampf in einer deutschen Großstadt vorstellen.
Jochen Schmidt, geboren 1970, machte 1999 beim Berliner Open Mike auf seine brillante Prosa aufmerksam. 2004 erhielt er den Förderpreis Komische Literatur. Er ist Mitbegründer der Berliner Lesebühne „Chaussee der Enthusiasten“ und hat Romane und Erzählbände voller Ironie, Melancholie und Sprachwitz veröffentlicht, zuletzt (2010) „Weltall. Erde. Mensch“.
Philipp Tingler, 1970 in Berlin geboren und in Zürich lebend, ist der Dritte im Bunde der Kasseler Preisträger. Die scharfzüngige Gesellschaftskritik seiner Kurzprosa und Romane (zuletzt „Doktor Phil“, 2010) beherrscht die Kunst der Beleidigung ebenso wie die der Lebenshilfe, als deren jüngstes Zeugnis im Frühjahr 2011 der Band „Schöner Reisen“ erscheint.
Ella Carina Werner, geboren 1979, lebt in Hamburg und hat satirische Erzählungen, Gedichte, Essays und Kolumnen in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, u. a. im Satiremagazin Titanic, in der taz und der FAZ. 2012 erscheint ihr Roman über das Leben einer Bauchtänzerin in der westfälischen Provinz.
2. bis 4. März / Tagungszentrum / KulturBahnhof
Tagung – „Kunst oder Komik?“
Mi / 2. März / 14 bis 18 Uhr
Friedrich W. Block
Begrüßung und Einstimmung
Tom Kindt (Göttingen)
Komik und/oder/als Kunst. Betrachtungen zu einer wechselvollen Beziehung
Alexander Brock (Halle)
Mehrkanalkomik – Mehrkanalkunst: Semiotische Nähen bei Wort, Bild und Ton
Helga Kotthoff (Freiburg)
Die Kunst mündlicher Performance: Analysen komischer Geschichten im Rahmen von Kreativitätstheorien
Do / 3. März / 10 bis 18 Uhr
Lutz Ellrich (Köln)
Das Komische ästhetischer Wertschätzungen. Kunst & Kunstbetrieb in Literatur und Soziologie
Eckart Schörle (Erfurt):
Heiter ist die Kunst? Lachen in der Bildenden Kunst des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Rolf Lohse (Bonn)
Kunstobjekt und Lachobjekt
Annette Gilbert (Berlin)
Konzeptuell = „nüchtern und trocken“? Zu komischen „Kicks“ in selbstbezüglichen Werken von Emmett Williams, Michael Snow und A.R. Penck
Michael Glasmeier (Bremen)
Komik ausstellen
Deniz Göktürk (Berkeley, USA)
Das Ausstellen virtueller Feindbilder: Satire, Kunst und Öffentlichkeit
Fr / 4. März / 10 bis 18 Uhr
Anja Gerigk (München)
Reflexive Komik: Die Kunst der Parodie
Burkhard Meyer-Sickendiek (Berlin)
Parodierte Peinlichkeiten. Zum Wandel des Komischen im achtzehnten Jahrhundert
Uwe Wirth (Gießen)
Kunst/Komik bei Jean Paul
Christian Maintz (Mainz)
„Da muß sich vieles ändern und zwar schnell.“ Ror Wolfs Fußball-Lyrik
Jan-Frederik Bandel (Hamburg)
Schneeschieber für die kommende Eiszeit. Zum Komischen bei Arno Schmidt
Friedrich Forssman (Kassel)
Warum hat das denn so lang gedauert? – Zum Satz von „Zettel’s Traum“
Ausstellungen
Thomas Kapielski – „Lampen“
26.2. – 25.3. / Rathaus / Karl Branner Halle
zu besuchen während der Rathausöffnungszeiten
Die Ausstellung zeigt anlässlich der Verleihung des Kasseler Literaturpreises für grotesken Humors an Thomas Kapielski Fotos des Preisträgers unter dem Titel „Lampen“. Die idiotensichere Kamera, als Mittel geschärfter Wahrnehmung mit Blinzelblick immer schön schnörkellos auf die Mitte gehalten, liefert einleuchtende Ausschnitte der Welt.
Guido Sieber – „Rock 'n' Roll Fever“
19.2. – 29.5. / CARICATURA Galerie
geöffnet Do, Fr 14 bis 20 Uhr und Sa, So, Feiertage 12 bis 20 Uhr
In drastischen Gemälden und Zeichnungen verzerrt Guido Sieber Erscheinungen der Rockhistorie bis zur wesenhaften Kenntlichkeit. Seine Bilder sind dabei alles andere als medientauglich. Stets haftet ihnen etwas Überdeutliches, beinahe Fiebriges an, sie sind hochpräzise, zeigen das Phänomen Pop auf geradezu tragisch komische Weise.
Veranstalter Stiftung Brückner-Kühner / in Kooperation mit Arno Schmidt Stiftung, CARICATURA Galerie, hr2-kultur, Kulturzentrum Schlachthof, Kunsttempel / Leitung Dr. Friedrich W. Block
Eintrittspreise Rowohlt & Maintz: 12 €, erm. 10 € / Lange Lesenacht: 10 €, erm. 8 € /
Henscheid, 3durch3, Kroymann, Dobler, Arno-Schmidt-Abend: 7 €, erm. 5 € / Preisverleihung, Tagung, Ausstellung Rathaus: frei / Ermäßigung für Studierende, Schüler, Auszubildende, Zivildienstleistende, Erwerbslose
Kartenvorverkauf (zzgl. Vorverkaufsgebühr) HNA Kartenservice, Mauerstr. 11, 34117 Kassel (Kurfürsten-Galerie) / telefonisch: 0180 50 40 300 (14 cent pro Minute aus dem Festnetz) / online: www.12-stunden-bis-zur-ewigkeit.de















