(openPR) Matthias-Hagen-Schule sprach zwei Jahre lang KlarText
Theaterpädagogisches Leuchtturmprojekt von Caritas und Förderschule eröffnete Schülern neue Perspektiven – Nachhaltigkeit gewährleistet
„Es hat sich in diesen zwei Jahren etwas verändert,“ so Thomas Wieners, der Leiter der Matthias-Hagen-Schule in Euskirchen zum theaterpädagogischen Projekt „KlarText“, welches in seiner bisherigen Form zum Jahreswechsel zu Ende ging.
Was sich verändert hat, wird gut am Beispiel von Silke und Jussuf (Namen geändert) deutlich. Silke ist aufgrund von Sprachentwicklungsstörungen und damit verbundenen Kontaktproblemen an der Förderverbundschule. Zu Beginn des Projektes vermied sie das Sprechen, wo immer sie konnte, ihre Stimme war nicht voll ausgebildet. Durch das Projekt gelang es Silke ihre Sprache über Ein-Wort-Sätze zu vollständigen Sätzen zu entwickeln, die bis zur letzten Silbe gut verständlich sind.
Jussuf hatte aufgrund seines Migrationshintergrundes einen geringen Wortschatz und ein mangelndes Sprachverständnis. Zusätzlich leidet er an einer Konzentrationsschwäche. Nachdem er ein Jahr lang intensiv in einer Theatergruppe mitgearbeitet hatte, war er im Frühjahr 2010 in der Lage die männliche Hauptrolle in einem Theaterstück vor 200 Zuschauern souverän zu meistern.
„KlarText“ bedeutete viel Neuland für Schüler und Pädagogen. Ausgehend von einem gemeinsamen Projektentwurf mit der Caritas Euskirchen, hat die Theaterpädagogin Friederike Wilckens von Hein mit Schülern aller Altersklassen soziale und sprachliche Basiskompetenzen trainiert.
Hauptziel der von der Aktion Lichtblicke als Leuchtturmprojekt geförderten Maßnahme war es, das Selbstwertgefühl der Schüler zu stärken und zu stabilisieren, sie in ihren kommunikativen Fähigkeiten zu fördern und so besser auf den Übergang Schule-Beruf vorzubereiten.
„Mit den Mitteln des Theaters sollte den Schülern ihre Sprachlosigkeit genommen werden,“ so die Projektkoordinatorin Rosel Reckfort von der Caritas Euskirchen. Denn Sprache sei der Schlüssel für Bildung und Entwicklung. Laut Schulleiter Wieners seien nämlich gerade seine Schüler häufig in mehrfacher Hinsicht benachteiligt. Sie litten unter Lern- und Entwicklungsstörungen, hätten im allgemeinen Bildungssystem häufig keine Perspektiven. „Besonders in den Bereichen Sprache, Lernen, soziale und emotionale Entwicklung besteht ein besonderer Förderbedarf.“
So förderte Wilckens von Hein gezielt Schüler der Klassen 5, 7 und 9 mit speziellen Übungen und Spielen zur Sprachentwicklung. Der Unterricht wurde von einer Lehrerin mit dem Schwerpunkt Sprachheilpädagogik begleitet, die thematische Anregungen gab.
Für alle Schüler der 9. Klasse wurden Module zur Berufsvorbereitung durchgeführt. „Schritte und Hindernisse auf dem Weg zum Traumberuf“, „Telefon-Training“, „Der erste Eindruck“, „Sich mit den eigenen Stärken präsentieren“, „Haltungen im Bewerbungsgespräch“ oder auch „Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen“ lauteten hier die Überschriften. Dabei inszenierte die Theaterpädagogin Szenen, die von den Schülern thematisierte Hindernisse auf dem Weg zum Ausbildungsplatz darstellten und von ihnen selbst aufgelöst wurden.
Unterrichtsbegleitend bearbeitete Wilckens von Hein Themen wie Freundschaft, Gefühle oder Alltagskonflikte. In Absprache mit den jeweiligen Klassenlehrern wurden Unterrichtsinhalte theaterpädagogisch aufbereitet und lebendig. Etwa das Mittelalter im Geschichtsunterricht, das Leben der Inuit im Sachunterricht oder auch das Thema Afrika während einer Projekt-Woche der Schule.
Hieraus entstand das afrikanische Theaterstück „Joba und die Zauberblume“, welches die Schüler im Sommer 2010 im Seniorenzentrum am Tuchmacherweg gemeinsam mit der Detektivgeschichte „Lena ist weg“ aufführten. Über 200 Zuschauer sahen Anfang des Jahres die Aufführung von „Krieg und Frieden in Dudughlan“ beim 1. Kulturnachmittag der Matthias-Hagen-Schule. Die 14 beteiligten Schüler hatten über Monate gemeinsam mit Wilckens von Hein an der Entwicklung des Stückes gearbeitet und viele eigene Ideen eingebracht.
„An diesem Nachmittag wurde auch sehr gut sichtbar, wie die Arbeit der Theaterpädagogin in alle Bereiche der Schule ausgestrahlt hat,“ so Lehrerin Sarah Hammann. So seien in verschiedenen AGs und Klassen Bühnenbilder, Requisiten und Plakate für die Aufführung entstanden.
Hammann war Mitglied des Kern-Projektteams und begleitete „KlarText“ gemeinsam mit Caritasmitarbeiterin Rosel Reckfort über die gesamte Laufzeit. Hammann wurde über die gesamte Dauer des Projektes ausgebildet und gecoacht mit Schülergruppen eigene Theaterstücke zu entwickeln, zu schreiben und zu inszenieren. Sie ist mit Projekt-Ende in der Lage, die kreative Theaterarbeit und Stückentwicklung an der Schule fortzusetzen.
Zusätzlich wurden durch Wilckens von Hein vier Lehrer und die Schul-Sozialarbeiterin der Caritas theaterpädagogisch weitergebildet. 10 weitere Lehrer haben eine Vielzahl an Übungen und Spielen im Theater-Unterricht aufgegriffen und setzen diese künftig in ihrem Unterricht ein.
Dadurch wurde der Grundstock für eine nachhaltige theaterpädagogische Arbeit an der Matthias-Hagen-Schule, über den Projektzeitraum hinaus, gelegt. Diese ist dank einer Förderung durch die Aktion „wir helfen“ für 2011 auch finanziell gesichert.













