(openPR) Unter dem Motto: „ökologisch versus ökonomisch“ fand die diesjährige Fachkonferenz „hospital concepts“ vom 29. bis zum 30. Oktober 2010 in Berlin statt. Mehr als 230 Krankenhausmanager, Architekten, Ingenieure und Planer haben sich auf der 10.ten Jubiläumsveranstaltung über zukunftsweisende Trends informiert sowie aktuelle und praxisorientierten Anregungen für die eigenen Kliniken mitgenommen.
Am ersten Konferenztag standen die Hauptthemen der Konferenz Ökonomie, Ökologie und Healing Architecture im Vordergrund.
Dr. Klaus Steinmeyer-Bauer stellte einleitend heraus, dass Ökologie nicht auf Fragen der Energieeffizienz und Materialqualitäten begrenzt ist sondern auch die Hu-manökologie mit den „Dimensionen“ Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit umfasst. Ökologie ist deshalb beim Werben um Patienten und angesichts wachsender Personalengpässe ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsfaktor.
Gewinne ermöglichen Investitionen
Dies bestätigte auch Dr. Boris Augurzky vom RWI Essen: Profitabilität und medizi-nisch-pflegerische Qualität bedingen einander, denn Gewinne ermöglichen Investitionen. Öffentliche Krankenhäuser haben durch die unzureichende Investitionsfinanzierung und die Einflussnahme ihrer Aufsichtsgremien gegenüber investitions-starken privaten Klinikketten zunehmende Wettbewerbsnachteile. Ihre Investitions-raten liegen signifikant unter denen der Privaten.
Edzard Schultz vom Büro Heine, Wischer & Partner zeigte in einem planungs-philosophischen Vortrag wie die Wechselwirkungen zwischen Umwelt und Individuum, zwischen Sein und Werden sowie zwischen Effektivität und Nachhaltigkeit bei der Planungsaufgabe „Krankenhaus“ berücksichtigt werden können. Nach sei-ner Ansicht schlummert ein erhebliches Exportpotenzial in der Planungskompetenz deutscher Krankenhausplaner.
16 Kliniken unter einem Dach
Prof. Jörg Debatin stellte das neue Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf vor. Erstmals in der langen Tradition des UKE sind seit rund einem Jahr 16 Kliniken unter einem Dach vereint. Fast zeitgleich wurden der Campus Lehre und der Cam-pus Forschung in Betrieb genommen. Und das bei Einhaltung des Kosten- und Zeitrahmens! Die baulichen Lösungen ermöglichen eine bessere Vernetzung durch völlig neue Strukturen und deutlich optimierte Prozesse – im Interesse einer besseren Medizin. Synergien, die dem UKE im Wettbewerb mit anderen Unikliniken entscheidende Impulse geben werden.
Thomas Willemeit von Graft Architekten faszinierte mit futuristischen Interiors, die wie Traumszenarien wirken. Graft stellt die Empfindungen der Patienten in den Mittelpunkt: das Ambiente soll einladend, beruhigend und positiv stimmen. "Es geht darum, das Leben wie ein Spiel zu begreifen", sagt Thomas Willemeit. "Ein Spiel, das eine zusätzliche Lebensqualität schafft."
Erfahrungen aus den USA
Über die amerikanischen Erfahrungen im internationalen Krankenhausbau informierte Thomas C. Quigley von HOK Architekten, USA. eines der größten Architekturbüros der Welt. Ein roter Faden, der sich durch seine Präsentation zog, war die Aussage, dass ein Krankenhausbau gesundheitsfördernd sein muss (healing architecture).
Cradle to Cradle
„Weniger schlecht oder richtig gut? Welche Strategie wollen wir wählen?“. Diese Frage stellte Klaus Zahn von der Firma ecoaudit in seinem Vortrag über Cradle to Cradle Design. Dieses Konzept ist eine systemhafte Herangehensweise der Lebenszyklusbetrachtung von Planung, Ressourcenverwendung, Herstellung und Wiederverwertung von Produkten. Produkte und Materialien können als technische oder biologische Nährstoffe in Kreisläufen zirkulieren von der Wiege zur Wiege (Cradle to Cradle) nahezu unbegrenzt wiederverwendet werden. Cradle to Cradle führt zu einer umfassenden Produktqualität und ermöglicht eine nahezu 100 %ige Rückgewinnung aller Inhaltsstoffe, anstatt diese als Abfall zu deponieren, zu verbrennen oder geringwertiger zu recyceln. Die in einigen Bereichen bereits erfolgreich praktizierte Wandlung von Entsorgungskosten in Verwertungserträge kann auf alle Materialen ausgedehnt werden. Cradle to Cradle eröffnet damit eine neue Dimension der Produktqualität und Produktsicherheit im Krankenhausbau, die herkömmlichen Produkten sowohl ökologisch als auch ökonomisch überlegen ist.
Der zweite Konferenztag bot mit insgesamt 20 Vorträgen und Workshops Einblicke sowohl in laufende als auch in bereits erfolgreich abgeschlossene Projekte, Betriebserfahrungen und innovative Nachhaltigkeitskonzepte. Die Konferenzteilnehmer konnten sich über patientenbezogene Planung von Intensivstationen, neue Lichtlösungen für Krankenhäuser, Planungswerkzeuge und pay-per-use Betriebskonzepte informieren.
Im abschließenden Plenum zeigte Linus Hofrichter vom Büro Sander, Hofrichter Architekten wie wichtig es ist, Entwurfskonzepte zu hinterfragen und strategisch zu optimieren. Dem Büro ist es gelungen, die vorgefunden Planung für das zu sanie-rende OP-Zentrum des UK Tübingen durch einen prozessoptimierten Entwurf zu ersetzen.
Fazit der Konferenz:
Berlin war eine Reise wert. Und wer klug ist, hat sowieso noch einen Koffer in der Stadt. Was Hildegard Knef so unvergesslich besungen hat, gilt auch als Ausblick:
Strategische Konzepte, visionäre Ideen, zahlreiche praktische Beispiele erfolgreicher Projekte, Lösungsvorschläge für nachhaltigen Krankenhausbau, breiter Erfahrungsaustausch, zufriedene Teilnehmer und viele Erwartungen an die Folgekonfe-renz: „hospital concepts 11“, vom 28. - 29. Oktober 2011 in Berlin.

















