(openPR) Zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden selbstständige Tätigkeiten so gut wie ausnahmslos unterbunden. So gab es kurz vor dem Zusammenbruch der DDR 1989 offiziell eine Freiberuflerquote von knapp zwei Prozent gemessen an der Gesamterwerbstätigenzahl. Dies war der Endstand eines stetigen Abwärtstrends seit der Gründung der Republik 1949. Die DDR praktizierte eine systematische Verdrängung von selbstständigen Unternehmern. Private Unternehmen waren seit der letzten großen Enteignungswelle 1972 (z.B. Heli-Radio; Kathi) im verarbeitenden Gewerbe nicht mehr zugelassen. Die Wirtschaft sollte unter staatlicher Kontrolle und Verwaltung gehalten werden.
Nach der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland kam es zu einem regelrechten Boom bei der Anmeldung von selbständigen Tätigkeiten im Osten Deutschlands. Eine ausgeprägte Auf-bruchsstimmung breitete sich aus. Schon 1991 stieg die Zahl der Selbstständigen auf fünf Prozent an. Im Vergleich hierzu lag der Anteil von Selbstständigen an der Gesamterwerbstätigenzahl im früheren Westen Deutschlands bei 9,1 Prozent. Bis 2004 hatten sich die Zahlen angeglichen. Der Osten übernahm in den darauf folgenden Jahren sogar die Vorrangstellung. Heutzutage stellen die neuen Bundesländer 11,3 Prozent der Selbstständigen an ihrer Gesamterwerbstätigenzahl im Gegensatz zu 10,8 Prozent in den alten Bundesländern.
Die dynamische Entwicklung zur Selbstständigkeit spricht für das Unternehmertum in den neuen Bundesländern. Jedoch ist ein deutliches Abflachen der Wachstumsraten unter Selbstständigen in Gesamtdeutschland seit 2005 zu erkennen. Ist der Markt gesättigt oder muss eine neue Richtung –eine neue Art – des Freiberuflertums einkehren? Die Masse der „neuen“ Selbstständigen stellen in der Tat die Freiberufler. Ihnen ist gemein, dass sie hauptsächlich ihr geistiges Gut einsetzen, um geschäftlich erfolgreich zu sein.
Eine neue Möglichkeit auch als Freiberufler von der globalen digitalen Vernetzung zu profitieren, sind Online-Vermittlungsplattformen für Dienstleistungen. 2009 kam das Berliner Start-up-Unternehmen twago.de mit einem neuartigen Konzept hinzu. Die Plattform bietet die nationale und internationale Vermittlung von Dienstleistungen an.
Eine Analyse von twago.de bestätigt die Tendenz, dass ein verhältnismäßig größerer Anteil von Freiberuflern auf der Plattform aus Ostdeutschland kommt. „Wenn wir die Zahlen unserer deutschlandweiten Provider analysieren, fällt auf, dass gemessen an allen Erwerbstätigen in Deutschland, die ostdeutschen Anbieter bei der Nutzung der neuartigen Plattform überwiegen“, so Gunnar Berning, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens. Hauptsächlich werden Freiberufler mit Kenntnissen in den Bereichen Programmierung, Web- und Grafikdesign sowie Unternehmensservices, wie z.B. Übersetzungsarbeiten, an Klein- und Mittelständige Unternehmen (KMUs) vermittelt. Bereits 20.000 Dienstleister nutzen diese Möglichkeit. Die aus ganz Europa stammenden Auftraggeber bekommen Offerten von weltweiten Anbietern. Der Auftraggeber kann frei wählen, ob er einen lokalen oder globalen Dienstleister engagieren möchte.
20 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung ist es also der Osten Deutschlands, welcher dem Westen zeigt wo lang es Richtung Zukunft auf dem Arbeitsmarkt geht. Dies ist ein geglücktes Beispiel von erfolgreicher Chancengleichheit und deren Umsetzung. Bleibt zu wünschen übrig, dass es in den nächsten 20 Jahren in allen Bereichen so sein wird.










