(openPR) Kerstin ist 19 und hat in diesem Jahr ihr Abi gemacht. Die weitere Bildungswelt liegt ihr zu Füßen: Sie hat die Wahl zwischen Ausbildung oder Studium. Für Kerstin ist die Entscheidung schnell gefallen: Sie will Geld verdienen und möglichst schnell auf eigenen Beinen stehen. Doch im Feuereifer hat sie wie viele junge Leute die Zahlen nicht spitz hochgerechnet. Aus dem Hotel Mama können die wenigsten mit dem Start der Ausbildung ausziehen. Denn es bleibt finanziell zu wenig hängen.
Viele gehen darum nebenher jobben. Jeder Vierte bessert sich so das schmale finanzielle Polster auf. Das zeigt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), die 6.000 Azubis im zweiten Ausbildungsjahr befragt hat.
Bereits in der Ausbildung "eigenes Geld" zu verdienen, das ist für junge Menschen ein Anreiz, sich für eine duale Berufsausbildung zu entscheiden. Allerdings sind viele Auszubildende mit der Höhe ihrer Ausbildungsvergütung nicht zufrieden: zwei von drei Azubis empfinden sie als zu niedrig. Häufig reicht die Ausbildungsvergütung nicht für die Grundversorgung und die individuellen Bedürfnisse aus. Darum geht rund jeder Vierte neben der Ausbildung jobben.
Die von den Betrieben in den verschiedenen Branchen gezahlten Ausbildungsvergütungen variieren sehr stark. Für 93 Prozent der befragten Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr bewegen sich die Monatsbeträge durchschnittlich zwischen 300 und 700 Euro netto - also nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und Lohnsteuerzahlungen. Damit liegt ein Auszubildender im Öffentlichen Dienst im Schnitt zwar knapp über dieser Vergütung, doch ist der finanzielle Unterschied nicht so hoch, dass sich die Ergebnisse der Studie nicht auch auf junge Azubis im Öffentlichen Dienst übertragen ließen. Im Durchschnitt kommen die Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr auf eine monatliche Netto-Vergütung von 478 Euro. Ein Drittel der Auszubildenden ist mit der Ausbildungsvergütung zufrieden und schätzt diese als "sehr gut" (9 Prozent) oder "gerade richtig" (24 Prozent) ein. Die Mehrheit (67 Prozent) ist hingegen unzufrieden und beurteilt die Beträge als "zu niedrig".
Für die Zufriedenheit der Jugendlichen ist die Höhe der Vergütung ausschlaggebend, aber auch viele weitere Faktoren. Wichtig ist laut BIBB-Analyse, wie hoch die Auszubildenden ihre Arbeitsleistung bewerten, die sie für den Betrieb erbringen. Die Auszubildenden im zweiten Jahr fühlen sich in ihrem Betrieb oft wie eine Fachkraft eingesetzt. Ihrer Einschätzung nach entfällt ein großer Teil ihrer betrieblichen Ausbildungszeit - durchschnittlich 43 Prozent - auf Tätigkeiten, die sie schon genauso gut und schnell wie ihre fertig ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen erledigen.
Über die Hälfte der Auszubildenden berichtet von regelmäßigen Überstunden - und zwar in einem Umfang von durchschnittlich 4,8 Stunden pro Woche. Nicht immer werden diese Überstunden nach Aussagen der Jugendlichen durch Freizeit oder zusätzliche Bezahlung ausgeglichen - obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Um nach getaner Arbeit überhaupt ausreichend Geld für die Grundversorgung, sprich Miete und Lebensmittel, zu haben, geht rund ein Viertel der Azubis im zweiten Ausbildungsjahr nebenher jobben. Im Schnitt 9,2 Stunden malochen die jungen Leute dabei im Schnitt pro Woche neben der normalen Arbeitswoche.













