(openPR) Seit einiger Zeit ist das Phänomen des 'Berliner Mehrwerts' Gegenstand einer neuen Gerechtigkeitsdiskussion. Dabei geht es um die durch den Länderfinanzausgleich bedingte finanzielle Besserstellung der Hauptstädter auf Kosten der Steuerzahler in anderen Bundesländern.
Die gesellschaftspolitische Vorreiterrolle der Berliner ist gekennzeichnet durch die hohe Akzeptanz für staatliche Transferleistungen und die Überwindung traditioneller Sozialstrukturen. Bei politischen Entscheidungsträgern aller couleur gelten diese Eigenschaften als besonders förderungswürdig: Berliner sind de facto 'mehr wert' als Münchner und Düsseldorfer. Ob dies tatsächlich gerechtfertigt ist, darüber diskutierten Sonja Peters vom in Berlin ansässigen 'Bündnis für die Beibehaltung der Einwohnerhöherwertung' und der libertäre Journalist Daniel Fallenstein ('the European') jetzt im 'Kunsthaus Tacheles'.
Als größter Aktivposten der Spreemetropole wurde von Peters deren soziokultureller Output betont, den ein freier Markt nicht genügend honorieren würde. Kultur und soziales Engagement basierten jedoch auf geleisteter Arbeit und müssten auch entsprechend entlohnt werden: „Kultur darf schließlich nicht zur Subkultur werden. Der Rest der Republik muss das verhindern helfen.“
Fallenstein wies auf den Widerspruch hin, dass sich Berlins spezifischer 'Mehrwert' zwar nicht monetär ausdrücken lasse, er aber dennoch durch den Rest der Republik monetär abgegolten werden solle. Die Förderung moderner Lebensstile in der Hauptstadt sieht der Publizist skeptisch: „Das Geld, das die Berliner von Steuerzahlern aus anderen Teilen der Republik erhalten, ohne dass letztere eine andere Wahl haben als zu zahlen, stellt keine wirkliche Förderung der Kreativität dar, sondern führt mittelfristig zu kreativer Faulheit.“ Fallenstein gab ebenfalls zu bedenken, dass neben der Wirtschaft durchaus ein 'Markt für gesellschaftliche Vorbilder' existiere, auf dem Berlin einen sehr guten Stand habe und daher eigentlich keine Subventionierung benötige.
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