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Mit TSSE in der Pflege durchstarten

19.07.201011:34 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Mit TSSE in der Pflege durchstarten
Konzentriert in der Pflege: Klaus-Dieter Hinrichsen
Konzentriert in der Pflege: Klaus-Dieter Hinrichsen

(openPR) Für einen Dienstagvormittag ist es erstaunlich ruhig auf der Station 64 im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster. „Im Moment ist gerade Visite“, erklärt Klaus-Dieter Hinrichsen. Zeit für ihn, kurz durchzuatmen und einen Kaffee zu trinken. „Aber glauben Sie mir, das ist nicht immer so“, bemerkt er zwischen zwei Schlucken. Kompetent und gelassen berichtet Hinrichsen von seiner Arbeit, obwohl er erst seit wenigen Monaten auf der psychiatrischen Station beschäftigt ist. Er zeigt auf den modernen Neubau gegenüber, in den sie bald umziehen werden, und sagt stolz: „Hier zu arbeiten ist schon mehr als nur ein Job für mich.“



Zur Pflege gekommen ist Hinrichsen über Umwege. Der gebürtige Kieler arbeitet als kaufmännischer Angestellter in einem Sanitärgroßhandel, bis er 2005 arbeitslos wird. Ganz bewusst entscheidet er sich dann, die Branche zu wechseln: „Ich hatte vorher nie mit der Pflege zu tun. Aber ich wollte in diesem Bereich neu starten, weil ich wusste, hier werden Arbeitskräfte gebraucht,“ erklärt er. Um sich das nötige Wissen anzueignen, besucht er einen Pflegehelferkurs und macht ein Praktikum in einer Pflegeeinrichtung. Zwei Jahre kann er dort in einem Minijob arbeiten, geht mit den Patienten am See spazieren, liest ihnen aus der Zeitung vor und spielt mit ihnen „Mensch ärgere dich nicht“.

In Deutschland sind rund 2,3 Millionen Menschen pflegebedürftig, jeder Dritte von ihnen lebt in einer entsprechenden Einrichtung. Dort sollen sie nicht einfach nur schlafen, essen und medizinisch betreut werden, sondern sich auch sinnvoll beschäftigen, einen normalen Alltag haben. Seit 2008 stehen deshalb zusätzliche Mittel für die Betreuung zur Verfügung, von denen so genannte Betreuungskräfte nach §87b SGB XI eingestellt werden können. Sie begleiten die Pflegebedürftigen im Alltag, haben Zeit für längere Gespräche und geben ihnen Sicherheit und Orientierung. Die entsprechende Qualifikation dafür ermöglicht unter anderem das Projekt Trainingscenter Senioren Service Express (kurz: TSSE) der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. Hier lernen die Teilnehmer alles rund um den Umgang und die Beschäftigung mit älteren Menschen. Da dieses Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) durch das Zukunftsprogramm Arbeit des Landes Schleswig Holstein gefördert wird, entstehen den Teilnehmenden zudem keine eigenen Kosten.

Als Klaus-Dieter Hinrichsen sich 2008 erneut auf Jobsuche begeben muss, hört er von TSSE. Er entscheidet sich, es noch einmal in der Pflege zu versuchen und nimmt ab März 2009 am Projekt teil. In Rendsburg stehen für ihn fünf Monate lang Grundkenntnissen aus der Pflege, ein Erste-Hilfe-Kurs, betriebswirtschaftliche Grundlagen, Hauswirtschaft sowie seniorengerechte Ernährung auf dem Programm.

Während des Trainings wird Birgit Schmidt, eine freie Dozentin, die hauptberuflich am Friedrich-Ebert-Krankenhaus arbeitet, auf ihn aufmerksam. Sie fragt den TSSE-Teilnehmer, ob er sich nicht vorstellen könnte, in der Klinik anzufangen. Nur fünf Tage nach dem Bewerbungsgespräch kann Hinrichsen den Vertrag für eine befristetet Stelle unterschreiben. „Ich musste keine Bewerbung verschicken, sondern wurde direkt aus TSSE abgeworben“, lacht der heute 54-jährige. Aber er war nicht einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sondern hat die Dozentin mit Engagement und Ehrgeiz überzeugt. Projektleiter Björn Geertz von der Wirtschaftsakademie erinnert sich: „Klaus-Dieter Hinrichsen fiel in der Gruppe positiv auf und hat so auch die anderen Teilnehmer immer wieder angespornt.“

Seit August 2009 arbeitet der Wahl-Owschlager jetzt auf der psychiatrischer Station des Krankenhauses. Es ist kein einfaches Umfeld, denn Patienten die hier betreut werden, leiden häufig unter Drogen- oder Alkoholproblemen. Klaus-Dieter Hinrichsen kommt mit seiner ruhigen aber bestimmten Art gut bei ihnen an. „In meinem Job ist Menschenkenntnis gefragt, aber die Chemie muss eben auch stimmen,“ erklärt er. Da er keine umfassende medizinische Ausbildung hat, fallen dem ehemaligen Verkäufer die Fachbegriffe anfangs schwer. Mit einem medizinischen Wörterbuch, der Hilfe seiner Kollegen und viel Ehrgeiz erarbeitet er sich selbstständig fehlendes Wissen: „Mich interessiert einfach alles rund um die Betreuung und Pflege, deshalb setze ich mich dann auch mit den für mich noch unbekannten Themen auseinander und frage, wenn ich etwas nicht verstehe,“ so Hinrichsen. Aber er fragt nicht nur bei der Theorie nach, sondern versucht auch praktisch zu erfahren, wie sich die pflegebedürftigen Patienten fühlen: „Während eines TSSE-Seminars habe ich mich einmal fixieren lassen, so dass ich mich im Bett nicht mehr bewegen konnte. Das war zwar nicht sonderlich angenehm, aber eine wichtige Erfahrung für mich.“

Qualifizierte Pfleger und Betreuer werden auch weiterhin gebraucht, denn in den nächsten zehn Jahren wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen voraussichtlich verdoppeln, wie die derzeitigen Prognosen zeigen. Eine entsprechende Weiterbildung zu Betreuungskräften wie durch das Projekt TSSE bietet insbesondere Arbeitsuchenden eine neue Perspektive und ermöglicht ihnen so den Weg zurück in den Job. Auch Klaus-Dieter Hinrichsen muss sich um seine berufliche Zukunft inzwischen keine Sorgen mehr machen. Mit den Worten „So schnell lassen wir dich nicht wieder gehen!“ wurde ihm am Friedrich-Ebert-Krankenhaus ein unbefristeter Vertrag angeboten.

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