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Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte startet Modellprojekt für Senioren

01.07.201016:35 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte startet Modellprojekt für Senioren
Nebahat Angün, Ratsuchende, in der Beratung bei Katharina Metzler, Seniorenberaterin der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.
Nebahat Angün, Ratsuchende, in der Beratung bei Katharina Metzler, Seniorenberaterin der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

(openPR) Obwohl die meisten Blinden und Sehbehinderten über 60 Jahre alt sind und deren Zahl rasant ansteigt, gibt es bisher kaum geeignete professionelle Beratungsangebote für diese Zielgruppe. Hauptursache der Sehbehinderung in höherem Alter ist die altersbedingte Makuladegeneration. Hier setzt die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte jetzt mit einem deutschlandweit einzigartigen Modellprojekt für blinde und sehbehinderte Senioren neue Akzente. Ein spezieller Berater „lotst“ dabei mit viel Einfühlungsvermögen durch das Angebotsdickicht. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Arbeitsbereich Interdisziplinäre Alternswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Mitarbeit der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista) gewährleistet die Übertragung des Projektes auf den ländlichen Raum.



Kernstück des Konzeptes zur Förderung sehbehinderter Senioren ist ein Sozialpädagoge, der als „Lotse“ fungiert. Er berät und begleitet ältere sehbehinderte oder blinde Menschen persönlich und individuell. Die Beratung kann bei den Ratsuchenden zu Hause oder in der Stiftung stattfinden. „Ein Lotse ist in der Seefahrt meist ein erfahrener Nautiker mit mehrjähriger praktischer Erfahrung, der bestimmte Gewässer so gut kennt, dass er die Führer von Schiffen sicher durch Untiefen, vorbei an Schifffahrtshindernissen und den übrigen Schiffsverkehr geleiten kann. Für die zentrale Ansprechfunktion in unserer Beratung erschien uns der Begriff ‚Lotse’ deshalb so geeignet, weil der Aspekt des Erhalts der Autonomie der Person und auch der vorübergehenden Unterstützung hier am besten zum Ausdruck kommt“, erläutert Franz-Josef Esch, Vorstand der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

Der Seniorenberater steht zunächst für die persönliche Beratung zur Verfügung und hilft bei der Verarbeitung der eingetretenen Behinderung und der damit verbundenen Probleme. „Ich unterstütze die Betroffenen bei der Suche nach geeigneten Beratungsangeboten und notwendigen Schulungen. Aber ich vermittele zum Beispiel auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen und zu gleichermaßen Betroffenen. Denn nicht selten ziehen sich die Betroffenen in der alleine kaum zu bewältigenden Situation zurück und leiden unter der sozialen Isolation“, so Katharina Metzler, Seniorenberaterin der Stiftung.

Für Senioren ist der Sehverlust oft besonders dramatisch: Im Alter lassen die Kräfte allmählich nach und Krankheiten oder Behinderungen schränken die Menschen zusätzlich ein. Hinzu kommt die Angst vor schweren Erkrankungen und Tod und nicht selten der Verlust des Partners oder soziale Isolation. Ist es schon für jüngere Menschen häufig schwierig, sich im Dschungel der Zuständigkeiten zurecht zu finden, so lässt mit zunehmenden Alter die Fähigkeit nach, sich in den Beratungsangeboten zu orientieren, diese wahrzunehmen und den Anspruch darauf durchzusetzen. Deshalb hat die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Blindenstudienanstalt Marburg e.V. sowie der Goethe-Universität Frankfurt am Main dieses Lotsen-Modellprojekt entwickelt. Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe: Die Lebensqualität soll erhalten und ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden, um den verfrühten Wechsel aus den „eigenen vier Wänden“ in ein Pflegeheim zu vermeiden oder hinauszuzögern. „Wir freuen uns, dass uns die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die Stiftung Allgemeiner Almosenkasten sowie die Software AG-Stiftung dabei finanziell unterstützen“, berichtet Franz-Josef Esch.

Bei der Betreuung blinder und sehbehinderter Senioren wird auch auf vorhandene Ressourcen zurückgegriffen. Die Stadt Frankfurt bietet vielseitige städtische, kirchliche und kulturelle Angebote für Senioren an. „Wir begrüßen es sehr, dass dieses Projekt in Frankfurt angeboten wird. Damit wird ein effektiver Beitrag zur Unterstützung sehbehinderter Senioren in Frankfurt, aber auch in der Rhein-Main-Region, geleistet“, so Erika Pfreundschuh, Stadträtin und als Vorsitzende des Kuratoriums in der Stiftung aktiv.

Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert vom Arbeitsbereich Interdisziplinäre Alternswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt. „Wir erarbeiten derzeit ein Handbuch zur psychosozialen Beratung älterer Sehgeschädigter. Die Evaluation wird durch Interviews mit den Teilnehmern und durch Aufzeichnungen von Beratungssitzungen erfolgen“, erläutert Prof. Dr. Frank Oswald, Leiter des Arbeitsbereiches.

Das Konzept dient als dreijähriges Pilotprojekt. Durch die Mitarbeit der Deutschen Blindenstudienanstalt e.V. (blista) mit Erprobung des entwickelten Konzeptes in und um Marburg wird die Übertragung des Projekts auch auf den ländlichen Raum gewährleistet. Später können weitere Regionen folgen. Zudem soll ein Schulungskonzept zur Qualifikation von Beratern erarbeitet werden, dass durch die blista entwickelt werden könnte. „Wir hoffen, mit dem Projekt auch Impulse in Richtung Politik und Verbände für notwendige Gesetzgebungsverfahren geben zu können und Kostenträger für eine flächendeckende Verstetigung des Beratungsangebotes zu gewinnen“, so Franz-Josef Esch.

Information:
Betroffene, Angehörige und Interessierte erhalten weiterführende Informationen und Beratungstermine bei der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte (Polytechnische Gesellschaft), Adlerflychtstraße 8, 60318 Frankfurt am Main, Telefon: (069) 95 51 24-0,
E-Mail: E-Mail, Internet: www.sbs-frankfurt.de

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