(openPR) Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte veranstaltet Praxisseminar für angehende PR-Juniorberater:
• Schulung blinder und sehbehinderter Menschen im Umgang mit sozialen Netzwerken als PR-Instrument
• Internetseiten oft noch nicht barrierefrei
• Potenziale Sehbehinderter erkennen und gezielt nutzen
• Weiterbildung erhöht Anstellungsaussichten blinder Menschen
„E-Mail oder Telefon. Passwort.“ Monoton klingt die Stimme aus den Lautsprechern des Computers. Katarzyna Kalka ist gerade dabei sich mit ihren Zugangsdaten auf einer Facebook-Seite anzumelden. Ein Audioprogramm liest ihr dafür die Texte auf der Internetseite vor. Auf die Hilfe der metallischen Stimme des Rechners ist sie angewiesen, denn Katarzyna Kalka ist sehbehindert. Ihre eingeschränkte Sehfähigkeit gleicht sie mit ihrem Gehör und ihrem Tastsinn aus. „Nach einigen Stunden ist diese metallische Stimme ziemlich anstrengend. Dann lese ich lieber mit der Braillezeile weiter“, erklärt Kalka. Die Braille- oder Blindenschriftzeile überträgt den Inhalt auf dem Bildschirm in Blindenschrift.
Katarzyna Kalka ist eine von acht Teilnehmern an einem Praxisseminar, in dem blinde und sehbehinderte Menschen lernen, Social Media als wichtigen Bestandteil der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Das Seminar ist Teil der Weiterbildung zum PR-Juniorberater, welche die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte seit über zehn Jahren anbietet. Als bundesweit einzige Bildungsinstitution für Blinde und Sehbehinderte hält die Frankfurter Stiftung Ausbildungsangebote bereit, die speziell auf den Medienbereich fokussiert sind. Dabei werden die Potenziale der Sehbehinderten gezielt genutzt. Ihr geschultes Gehör etwa hilft den Teilnehmern der Ausbildung zum Audiotechniker. Auch im PR-Bereich sieht Ursula Hollerbach, Leiterin der Weiterbildung zum PR-Juniorberater, Vorteile: „Viele blinde und sehbehinderte Menschen sind in der sprachlichen und schriftlichen Kommunikation besonders kompetent. Und wer könnte die Interessen von blinden Menschen besser vertreten als sehbehinderte PR-Berater?“. Sehbehinderte könnten zudem durch ihre eigene Wahrnehmung und Erfahrungen neue Impulse in ein Unternehmen bringen.
Wichtig bei der Weiterbildung sei es, die Inhalte immer wieder zu aktualisieren, damit die Teilnehmer auf dem neuesten Stand der Kommunikationsmittel und Methoden sind.
Genau darauf zielt auch das Praxisseminar. Geleitet wird es vom blinden PR-Fachmann Heiko Kunert. Der Geschäftsführer und Pressereferent des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg vermittelt den Teilnehmern, dass gerade ihnen als zukünftige PR-Berater die sozialen Netzwerke neue Möglichkeiten eröffnen. Neue Zielgruppen könnten so angesprochen werden. Mit einiger Übung und der richtigen Technik könnten auch blinde und sehbehinderte Menschen Social Media gewinnbringend nutzen. Ein Tipp Kunerts ist etwa, möglichst auf die mobile Version einer Internetseite zurückzugreifen, da diese weniger Bilder enthalten und einfacher aufgebaut sind, was den Sehbehinderten die Orientierung erleichtert. Viele Internetseiten, besonders von sozialen Netzwerken, seien nämlich nicht barrierefrei. Fotos fehle fast immer eine beschreibende Bildunterschrift. Somit können sie von Hilfsprogrammen nicht ausgelesen werden. Neben Audioprogrammen arbeiten die Teilnehmer auch mit einer Vergrößerungssoftware, die Schriftgröße und Kontrast den Bedürfnissen Sehbehinderter anpasst.
Praxisseminare wie dieses bilden den theoretischen Teil der Weiterbildung zum PR-Juniorberater. Praktische Erfahrungen sammeln die Teilnehmer bei Kooperationspartnern der Stiftung, und das deutschlandweit. Katarzyna Kalka ist zum Beispiel bei einer Marburger PR-Agentur angestellt. Die Weiterbildung zum PR-Juniorberater dauert zwei Jahre. Das Ziel ist, den Absolventen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Die Erwerbsrate von Blinden und Sehbehinderten liegt laut Franz-Josef Esch, Vorsitzender der Stiftung, bei unter 30 Prozent. Die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, Tätigkeitsfelder und Nischen zu finden, in denen sehbehinderte Menschen gute Berufschancen haben. Eine dieser Nischen sei eben der PR- und Kommunikationsbereich. Der Erfolg gibt Esch und Hollerbach Recht: 70 Prozent der PR-Juniorberater erhalten nach der Weiterbildung durch die Stiftung eine Anstellung in Unternehmen und Abteilungen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Aktuelle Trends zu erkennen und in die Weiterbildung einfließen zu lassen, verbessert die beruflichen Aussichten der Teilnehmer deutlich“, so Hollerbach. Auch die Stiftung nutzt die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke aktiv: seit vorigem Jahr informiert eine Facebook-Seite über die Aus- und Weiterbildungsangebote der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte.

















