(openPR) Ehemaliger MfS-Offizier berichtet von seiner Tätigkeit in der Abteilung M
In fremden Briefen zu lesen, war seine tägliche Arbeit. Er suchte in ihnen „operativ-relevante Informationen“, um diese anschließend nach unterschiedlichen Kriterien zu ordnen. Dazu gehörten beispielsweise: Verdacht des ungesetzlichen Verlassens der DDR, staatsfeindliche Hetze oder politische Untergrundtätigkeit.
Gerd Reinicke arbeitete sechs Jahre lang, von 1979 - 85, in der Abteilung M des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die für die Post- und Telefonkontrolle in der DDR zuständig war. In dem kürzlich erschienenen Buch „Öffnen, Auswerten, Schliessen“ berichtet er nun von seiner Tätigkeit in Rostock. Herausgeber der Publikation ist der Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Mecklenburg-Vorpommern. Er entschied sich, die Erinnerungen eines ehemaligen MfS-Offiziers zu publizieren, weil dieser – im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen – nicht verschleiert und schönredet, sondern tatsächlich aufzuklären hilft.
Aus diesem Bericht liest Gerd Reinicke am Montag, dem 4. April, 20 Uhr, im ehemaligen Stasi-Kinosaal der „Runden Ecke“ und stellt sich anschließend den Fragen des Publikums. Die Diskussion moderiert der Herausgeber des Buches, Jörn Mothes.
Ziel der Stasi war unbemerkte Kontrolle
Reinicke beschreibt aus der Sicht eines „Insiders“, mit welcher perfiden Akribie und Präzision die Staatsicherheit Tag für Tag die Post der DDR-Bürger kontrollierte. Das wichtigste dabei war die „Konspiration“, die Geheimhaltung. Sie begann schon in der Außenstelle der Abteilung M in den Räumen der DDR-Post, deren Mitarbeiter als ganz normale „Postler“ auftraten. Ihre Aufgabe bestand darin, die Briefe und Pakete unauffällig aus dem eigentlichen Postverkehr auszuschleusen. Anschließend öffneten MfS Mitarbeiter, möglichst ohne Spuren und daher mit größter Mühe, die Briefe. Sie verwendeten dafür – je nach Inhalt der Post – Heiß- oder Kaltdampf. Nachdem sie die Briefe nach verdächtigen Aussagen durchsucht und eine Kopie gezogen hatten, nutzten die Stasi-Mitarbeiter eine extra angefertigte Maschine, um diese wieder zu verschließen. Danach gelangten die Briefe durch die Außenstelle der Abteilung M wieder in die reguläre Post, als ob nichts gewesen wäre.
Neben diesem Streben nach perfekter Tarnung schildert Gerd Reinicke auch die „Arbeitsatmosphäre“, die im Machtapparat MfS herrschte und setzt sich in diesem Zusammenhang kritisch mit seiner eigenen Rolle als hauptamtlicher Mitarbeiter auseinander.






