(openPR) Am 28. und 29. Mai tauschen sich jüngere und ältere Menschen beim Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg aus. Im INTERGEN-Workshop zeigen die 20-35-Jährigen, wie man trotz Sehbehinderung im Internet surfen oder ein sprechendes Handy nutzen kann. Menschen im Alter von 55 bis 70 zeigen Kniffe für Küche und Haushalt. INTERGEN ist ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt zur Generationen-Solidarität. Die Workshops mit sehbehinderten und blinden Menschen sind die bisher einzigen INTERGEN-Angebote für behinderte Menschen in Deutschland.
Die Veranstalter – der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) – laden Journalistinnen und Journalisten ganz herzlich ein, von dem INTERGEN-Wochenende in Hamburg zu berichten. Der Workshop findet Freitag von 15 bis 19 und Samstag von 10 bis 18 uhr statt. Wenn Sie die Veranstaltung als Berichterstatter besuchen möchten, bitten wir um eine kurze Anmeldung an Heiko Kunert vom bSVH, 040-209404-29 oder 0176-24002065.
Hintergrund
Ob jung oder alt, in jeder Altersgruppe entwickeln blinde und sehbehinderte Menschen ihre eigenen Fähigkeiten, mit denen sie erfolgreich Alltag und Beruf meistern. Dabei verfügen die Jüngeren in der Regel über ausgezeichnete PC-Kenntnisse und wissen, wie sie mit dem Internet und elektronischen Hilfsmitteln umgehen. Jüngere wiederum können von den Erfahrungen der Älteren profitieren, die ihnen praktische Tricks beibringen, die für die Bewältigung des Alltags unerlässlich sind. Denn wenn das Sehvermögen schlechter wird oder gar verloren geht, fallen die einfachsten Handgriffe schwer. Wie gieße ich eine Tasse Kaffee ein? Wie telefoniere ich? Wie zahle ich mit Bargeld? Wie leiste ich eine Unterschrift und wie finde ich das passende Hemd zum Anzug?
Dieser wechselseitige Wissenstransfer zwischen den Generationen steht im Mittelpunkt des EU-Projektes "INTERGEN", an dem der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) gemeinsam mit Blindenorganisationen in der Türkei und Italien sowie der Europäischen Blindenunion als federführendem Dachverband teilnimmt. Ziel des mit Mitteln der Kommission der Europäischen Gemeinschaften geförderten Projektes, das im Oktober 2010 zu Ende geht, ist die Erarbeitung, Erprobung und umfassende Verbreitung von bewährten Verfahren zur Förderung der praktischen Generationensolidarität. Hierzu hatte der DBSV im vergangenen Jahr drei Pilot-Workshops zum Thema „Tausche Technik gegen Alltag“ veranstaltet. Ähnliche Workshops fanden in Rom, Catania, Neapel, Istanbul und Ankara statt. Die in diesen Veranstaltungen gewonnenen Erfahrungen sollen jetzt im Rahmen eines weiteren Workshops überprüft und dokumentiert werden, der
vom 28. bis 29. Mai 2010 beim
Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg
Holsteinischer Kamp 26
22081 Hamburg
stattfindet.
Den Hintergrund zum „INTERGEN“-Projekt bildet der vielfach diskutierte demografische Wandel, der zu einer grundlegenden Änderung der Alterspyramide in den meisten europäischen Gesellschaften führt und erhebliche Auswirkungen auf alle Lebensbereiche mit sich bringen wird. Während die aktuelle politische Debatte häufig allein die negativen Folgen dieser Entwicklung in den Blick nimmt, wie z.B. die steigenden Ausgaben für die Renten, die Gesundheitsfürsorge und die Systeme der sozialen Sicherung, sollte nach Auffassung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften die für den Erhalt solcher Systeme erforderliche Solidarität der Generationen jedoch nicht ausschließlich mit finanziellen Maßstäben gemessen werden. Eine ebenso große Bedeutung kommt der wechselseitigen Kooperation und dem Austausch zwischen den Generationen sowie dem besseren Verständnis und neuen Formen des Miteinanders zu.
Um die Vermittlung, Erprobung und Nutzung solcher neuen Solidaritätsformen und um die wechselseitige Nutzung der je besonderen Kompetenzen der Generationen geht es letztlich beim „INTERGEN“-Projekt. Junge blinde und sehbehinderte Menschen beherrschen die neuen Technologien zumeist exzellent, die ihren älteren Mitbetroffenen von größtem Nutzen wären, um die drohende digitale Kluft zwischen den Generationen und die soziale Ausgrenzung zu beseitigen. Umgekehrt stehen den Senioren die häufig an der traditionellen Blindenschule vermittelten speziellen lebenspraktischen Fertigkeiten selbständig zu Gebote, die notwendig sind, um die zahlreichen Tücken des Alltags für blinde und sehbehinderte Menschen zu meistern. Über solche Kompetenzen verfügen andererseits viele jüngere blinde und sehbehinderte Menschen nicht, weil diese in der integrativen Beschulung nicht oder nur unzureichend vermittelt werden. Ein Erfahrungs- und Kompetenzaustausch zwischen den Generationen ist daher für beide Seiten von großem Nutzen.
Damit beide Generationen in diesem Sinne voneinander lernen und profitieren können, wurde bereits im Rahmen des Projektes eine Reihe von Workshops in Deutschland, Italien und der Türkei durchgeführt. Die hierbei gewonnenen Erfahrungen wurden genutzt, um ein Toolkit für den intergenerativen Wissens- und Kompetenztransfer zu entwickeln, das einen Ratgeber für die Planung und Veranstaltung ähnlicher Workshops sowie ein Kompetenzhandbuch umfasst. Die Tauglichkeit beider Ressourcen soll im Rahmen des vom 28. bis 29. Mai 2010 in Hamburg stattfindenden Workshops überprüft werden. Die Kompetenzen, die „getauscht“ werden, umfassen dabei u.a. die Nutzung von DAISY-Playern und Handys, das Abrufen und Senden von SMS, die Nutzung von Internetdiensten sowie eine Vielzahl von lebenspraktischen Fertigkeiten in den Bereichen hauswirtschaftliche Versorgung und Ernährung.
Die im Rahmen des Projektes entstandenen Erfahrungen und Tools sollen im Sinne einer guten Praxis umfassend in Deutschland sowie auf europäischer Ebene verbreitet werden.
Weitere Informationen über das Projekt erhalten Sie bei:
Hans Kaltwasser
Referent für internationale Zusammenarbeit
Tel.: 030/28 53 87 – 120
INTERGEN-Website: http://www.intergenerations.eu/











