(openPR) Meisteratelier Conrad Glock in Augsburg ermöglicht anlässlich der Augsburg Open vom 25. bis 28. März 2010 interessierten Besuchern und Besucherinnen einen Blick hinter die Kulissen und zeigt die Feinheiten der Pelzverarbeitung.
4 Tage lang öffneten Augsburger Werkstätten, Theater und Institutionen, Läden und Ateliers anlässlich der Augsburg Open, organisiert durch die CIA (City Initiative Augsburg), ihre Türen.
Über 330 Führungen und Aktionen gewährten einen Blick hinter die Kulissen, 3000 Besucher nahmen die Angebote interessiert an. Das Pelzatelier Glock führte insgesamt 6-mal interessierte Besucher und Besucherinnen durch die Verkaufs- und Ausstellungsräume, sowie die Werkstätten des Betriebs.
Interesse am Pelz
Der Zuspruch war sehr rege, einen verhaltenen Umgang mit der Materie Pelz, suchte man vergebens. Von jung bis alt war man an den Feinheiten der Pelzverarbeitung interessiert.
Conrad Glock (Inhaber und Kürschnermeister) und Kürschnermeister Ernst Franzmann
waren selbst überrascht. Die Führungen waren mit je einer Stunde geplant. Bei den vielen Fragen der Besucher dauerte es allerdings bis zu 3 Stunden bis alle Fragen beantwortet waren.
Jeans und Pelz im Materialmix
Die Besucher wurden bei jeder Führungen mit Espresso, Kaffee oder Kaltgetränken begrüßt und konnten sich zunächst in den Verkaufsräumen akklimatisieren. Dabei wurde klar, dass man die Idee des verstaubten Pelzmantels im „Oma-Schnitt“ schnell einmotten sollte. Elegante Kissen und Decken zieren die Verkaufsräume ebenso wie pinke Edelboots aus weichem Pelz und Jacken in einem modernen Materialmix aus Pelz und Jeans.
Von der Idee zum Unikat
Ernst Franzmann erklärte, wie aus einer Idee schließlich ein tragbares Unikat wird.
Zunächst brächte man die Ideen für die Kreation zu Papier und würde sich einen
Materialbogen anlegen, auf welchem die zu verwendenden Pelz- und Stoff- bzw.
Lederarten, sowie die Farben vermerkt und bemustert werden. Danach folge die Umsetzung in Nesselstoff, um sich auch haptisch, dreidimensional und visuell ein Bild der Kreation machen zu können und eventuell Schnittmodifikationen vorzunehmen. Erst danach könne man sich an die tatsächliche Umsetzung
mit dem Werkstoff Pelz machen.
Diese Überleitung führte die Gäste in die Werkstatt des Ateliers in den hinteren Räumen, wo an den Wänden Schnittmuster für Kundenaufträge, ebenso wie Schnitte für die neue Kollektion des Pelzateliers Glock hängen. Ernst Franzmann erklärte die Feinheiten und Unterschiede verschiedener Pelzarten (Chinchilla als einziger Pelz ohne Deckhaar und mit besonders feinem Haar, Persianer mit den verschiedenartig gelockten Haaren der Lämmer).
Fingerspitzengefühl, Geduld und Zeit
Anders als bei der Stoffverarbeitung wird beim Nähen von Pelz nur mit einem einzigen Faden gearbeitet (anstatt mit Ober- und Unterfaden), der spiralartig die Nähte zusammenhält. Deshalb solle man bei einem Pelz auch nie an einem Faden ziehen, wenn man nicht eine ganze Naht auftrennen wolle. Fingerspitzengefühl, Zeit und Geduld sind weitere Voraussetzungen bei der sauberen Verarbeitung des teuren Rohstoffes, was Gesellin Lisa McQueen eindrucksvoll zeigte.
Um ein Stück in der Größe eines Schnittmusters zu erhalten, werden die Felle zunächst nach Fellbeschaffenheit, Größe und Farbe sortiert. Nur so kann ein einheitliches Bild gewährleistet werden. Wie viel handwerkliche Leistung notwendig ist, wurde allen Besuchern spätestens beim sogenannten Auslassen nahe gebracht. Dabei werden die Felle in 4,5 mm breite Streifen
geschnitten, die anschließend sorgfältig wieder versetzt zusammengenäht werden.
Das Ende der Vorurteile
Ganz nebenbei wurden auch einige Vorurteile ausgeräumt: Die
Schreckgespenster gequälter Tiere auf engstem Raum müsse man aus dem Kopf
verbannen, so Franzmann. Ein Tier, welchem es zu Lebzeiten nicht gut gehen würde, gäbe keinen verwertbaren Pelz her, somit sei die Pflege des Tieres als Rohstofflieferant oberstes Gebot, wenn man seine Arbeit im Vorfeld nicht verderben wolle.
Pelz ist BIO
Pelz als biologischer Rohstoff verrottet klimaneutral, während Jacken aus Synthetik Rohstoffe vernichten und die Umwelt über Jahrzehnte belasten.
Bei Pelzen könne man unter Umständen lange warten, wenn man darauf hoffe, dass der altmodische Pelz der Großtante sich in seine Bestandteile auflösen möge.
Ein hochwertiger Pelz könne im Schnitt gut und gerne mindestens 20 oder 30 Jahre halten.
Ein Dasein im Kleiderschrank oder auf dem Dachboden habe dieser allerdings nicht verdient.
Im Pelzatelier Conrad Glock ist man auch auf die Umarbeitung derartiger Stücke spezialisiert, um den wertvollen Rohstoff und eventuell so auch das Andenken an die Großtante in moderner Art und Weise bewahren zu können.


















