(openPR) Bei der diesjährigen Tagung der bayerischen Kürschner-Innung vom 25. bis 26. September in Bad Birnbach war die Bandbreite der behandelten Themen groß. Von Fachvorträgen zum Nappieren von Pelzteilen und zum Thema „professionelle Pressearbeit“, über die Möglichkeiten einer Verbundausbildung für Lehrlinge und einen Meinungsaustausch im Stile von „Jetzt red‘ i!“ bis hin zur Modenshow und einer Vereinsgründung zur Bewahrung der historischen Dokumente des traditionsreichen Handwerks wurde alles geboten. Der Tiefe der angebotenen Themen ist zuzuschreiben, dass das Fachpublikum bis aus Hamburg angereist kam.
Gegenwart und Zukunft
Die Zahl der Kürschner in Deutschland ist rückläufig. Umso wertvoller sind derartige Fachtagungen für das Handwerk. Obermeister Reinhard Bösch und Obermeister Egon Samabor begrüßten das angereiste Publikum und leiteten zum ersten Fachvortrag über, der die moderne Verarbeitungsmethode des Nappierens vorstellte.
Der Begriff des Nappierens kommt ursprünglich aus der Gastronomie und bezeichnet das Überziehen von Speisen mit einer Sauce. Im Pelzhandwerk bedeutet Nappieren, das Überziehen der Lederseite mit einer sehr dünnen Gummischicht.
Rudi Börsch (Leder- und Pelzreinigung, Emmelshausen) erläuterte die Möglichkeiten, die damit dem verarbeitenden Gewerbe zusätzlich geboten werden können und modische Gestaltungsmöglichkeiten offerieren.
Ökologische Nachhaltigkeit kämpft gegen biologischen Sondermüll
In der heutigen Zeit hätte es niemand mehr nötig, echten Pelz zu tragen. Gemeinhin gilt Fake-Fur, oder zu Deutsch Kunstpelz als vertretbare Alternative. Nicht nur die Kürschner, sondern auch gut informiertes Nicht-Fachpublikum weiß allerdings, dass es sich hier um biologischen Sondermüll, hergestellt aus dem Rohstoff Erdöl handelt.
Auf den ersten Blick muss für die Herstellung von Kunstpelz kein Tier sterben. Denkt man allerdings an die langfristigen Auswirkungen von Ölkatastrophen und daran, dass diese Kunstfasern nicht oder nur sehr langsam verrotten und Klima und Trinkwasser auf Jahrzehnte schädigen, wird dieser Sachverhalt in ein anderes Licht gerückt. Ökologische Nachhaltigkeit wurde demnach im Fachvortrag „Vermarktung des heimischen Rotfuchses“, vorgestellt von Heiner Sindel (Vorsitzender Artenreiches Land Feuchtwangen), Leonhard Hofstetter (Großhändler) und Martin Trenkwalder (Gerberei Trenkwalder, Itter in Österreich) tiefgehend behandelt.
Herr Trenkwalder berichtet von seinen Erfahrungen mit dem Vermarkten der Rotfüchse in Österreich und dem daran angeschlossenen „Red Fox Award“. Im Sinne des ökologischen Bewusstseins ist es demnach fast Pflicht, den Rohstoff „heimischer Rotfuchs“ zu verwerten, handle es sich dabei doch um Tiere, die aus Umweltschutzgründen regelmäßig dezimiert werden müssen.
Der nachfolgenden Generation Perspektiven bieten
Immer weniger Betriebe bilden aus, einen Ausbildungsplatz zu finden, ist für junge Menschen heutzutage nicht leicht. Diesen Missstand will die Verbundausbildung beseitigen: Ist es einem einzelnen Betrieb nicht möglich, einen Lehrling in Ausbildung zu nehmen, so kann dies gemeinsam im Verbund geschehen.
Die Vorteile liegen auf der Hand und betreffen beide Seiten. Der Lehrling erhält einen Ausbildungsplatz und darüber hinaus die Möglichkeit, bei mehr als einem Betrieb Erfahrungen zu sammeln, die Verantwortung der Ausbildung liegt nicht auf einem Betrieb, sondern wird gemeinsam geschultert. Matthias Geignetter, Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses erläuterte das Konzept und rief zur Zusammenarbeit im Sinne der Verantwortung gegenüber der nachfolgenden Generation auf.
Professionelle Pressearbeit unterstützt die Wissensvermittlung
Ziel professioneller Pressearbeit ist die nachhaltige Wissensvermittlung, aber auch die Ausräumung immer noch weit verbreiteter Vorurteile. Nadine Rebel (Rebel-Management-Training) zeigte, dass professionelle Pressearbeit mit der Bestandsaufnahme des eigenen Selbstverständnisses beginnt, die Ist-Situation betrachten muss und langfristige Ziele verfolgt. Dass PR deutlich über pure Reklame hinausgeht und ein kontinuierliches Arbeiten erfordert, war ihr wichtig zu vermitteln.
Herausforderungen des Kürschnerhandwerks im 21. Jahrhundert
Den Abschluss des ersten Tages bildete eine Stunde im Stile von „Jetzt red‘ i!“. Die offene Diskussion diente zum Austausch von gefühlten und tatsächlichen Herausforderungen und zur Sammlung von Lösungsvorschlägen.
Die Klärung von Zuständigkeiten war ebenso Thema wie die weitere Planung gemeinsamer Aktivitäten. Hier wurde deutlich, dass man nur gemeinsam den mitunter nicht leichten Weg gehen kann und dies auch bereit ist zu tun. Obwohl es sich um eine bayrische Herbsttagung handelte, waren viele Fachleute aus anderen Bundesländern vor Ort, die erklärten, der Bandbreite und Tiefe der angebotenen Thematiken sei es zu verdanken, dass sie den weiten Weg auf sich genommen hätten. Conrad Glock (Pelzatelier Glock, Augsburg), der die Moderation der Tagung übernommen hatte, schloss die Diskussion mit der Zusammenfassung der Erkenntnisse, aber auch der Ermahnung, dass man die Herausforderungen gemeinsam lösen müsse.
Wissen bewahren, Leidenschaft weitergeben
Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass viel Halbwissen über den Beruf des Kürschners im Umlauf ist, es sich allerdings um ein sehr traditionsreiches Handwerk handelt über welches noch historische Dokumente vorhanden sind, führte zu einer Vereinsgründung zu Beginn des zweiten Tages.
Reinhold Metz (Raab & Metz Pelze GmbH, Nürnberg) erklärte, dass immer wieder Personen auf ihn zukämen, die für wissenschaftliche Arbeiten Material und Informationen über das Kürschnerhandwerk suchen würden. Bisher müsse man diese von Pontius zu Pilatus schicken, weil es keine zentrale Anlaufstelle gäbe.
Matthias Geignetter, pflichtete bei und übernahm die bereits vorbereitete Vereinsgründung. So wurde am 26.09.2010 ein gemeinnütziger Verein aus der Taufe gehoben, der Wissen und Dokumente archivieren und bewahren wird und diese auch der Öffentlichkeit zugänglich machen will.
Modenshow und Trends
Diesen offiziellen Amtshandlungen folgte die Vorstellung der Modetrends. Ralf Montagné (Ludwigsburg) zeigte eigene Entwürfe und bat die Kolleginnen und Kollegen darum, doch ruhig Ideen mit nach Hause zu nehmen, um diese selbst umzusetzen. Farbe, moderne Schnittführungen, Kombinationsmöglichkeiten(beispielsweise ein Mantel mit integrierter Weste und abnehmbaren Ärmeln) wischten das Klischee, Pelz sei nur etwas für die ältere Generation, eindrucksvoll vom Tisch.
Die Kreativität des Handwerks zeigte auch die nachfolgende Modenshow, bei welcher das Publikum bewertete, welche Ideen es für die Umarbeitung einerseits und die Umsetzung modischer Aspekte andererseites am gelungensten hielt. Prämiert wurden in der Kategorie „modischer Aspekt“ auf Platz 1 Pelz Samabor, Regensburg (Samtfehkurzmantel), auf Platz 2 Pelzatelier Glock, Augsburg (Silklamm mit Samtnerz) und auf Platz 3 befanden sich punktgleich 3 Modelle: Ralf Montagé (Jacke aus Lammstücken und Kurzjacke aus Persianerklauen) und Hannelore Gromes (Quersamtnerzjacke). Im Bereich der Umarbeitung befanden sich auf Platz 1 Ruhland, Pfarrkirchen (Samtnerzmosaik mit Wollbouclé), Barth, Heilbronn (Samtnerzjacke) und Raab & Metz, Nürnberg (Seidenbomberjacke mit Zobelvorderpfoten, rot gefärbt).
Abschluss und Organisation
Rundum gelungen, so resümierte das Organisationsteam, bestehend aus Wolfgang Lastner (Pressesprecher Kürschner Innungen Bayern, Inhaber von Berchtold Pelz-Leder), Egon Samabor (Pressesprecher Kürschner Innungen in Bayern, Inhaber von Pelz und Modedesign Samabor) und Johanna Held (Kürschner-Innung Nordbayern).
Conrad Glock verabschiedete die Gäste und bedankte sich für die bereichernde Tagung.
Weiterführende Informationen
Das kann nicht jeder! Soviel wurde deutlich. Gleichlautend ist auch ein Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) der interessierten Personen Einblicke in das Handwerk bietet. Unter dem Link http://www.daskannnichtjeder.de/kuerschner/index.html kann man sich mittels des Berufsschulprojekts der Stiftung Zuhören, auch online Einblicke über den Berufsstand und das Handwerk verschaffen.













