(openPR) Düsseldorf, 17.03.2010 – Mit der Themenschleife „Wer immer hofft, stirbt singend“ vergrößert dctp.tv das musikalische Spektrum in seinen „Gärten der Information“. Hoffnung ist das immer wiederkehrende Motiv in den 26 Filmen mit Gästen aus Musik, Theater und Wissenschaft.
Wie man sagt: was ich „liebe“, das „meine“ ich. Lieben heißt meinen. Nach den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts gehört die Vielfalt der Musik, wenn einer sie liebt, zur Meinungsfreiheit. Vorwiegend geht es in diesen Filmen um Hoffnung. Auch ohne Grund wird von ihr gesprochen und gesungen. Die Bandbreite der Gäste von Alexander Kluge, dem am 26. März der Grimme-Preis für sein Lebenswerk verliehen wird, reicht von Richard Wagner über Christoph Schlingensief, Peter Weibel, DJ Shake aus Detroit, Helge Schneider in der Rolle von Wolfgang Amadeus Mozart bis zu Bernhard Lang, Heiner Goebbels, Verdi und T.W. Adorno. Außerdem in zwei Filmen vor der Kamera: Alexander Kluges Tochter Sophie.
Folgende Filme bilden ab Freitag, dem 17. März 2010, die Themenschleife „Wer immer hofft, stirbt singend“:
Gesang der Fische: „Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht“. Aus: WIE ULFRU FISCHT von Franz Schubert mit Jan Czajkowski.
An sich sind Fische stumm. Zur Frage, ob es Hoffnung gibt, gibt ihnen Franz Schubert eine Stimme. Dies ist T.W. Adornos Lieblingsstück von Schubert.
Wer immer hofft, stirbt singend. Wieso aktuelle Schrecken trösten können.
Dem Menschen ist die Hoffnung von Anbeginn mitgegeben. Sie ist Teil der Evolution. Sie gehört zur Wesensart des Blauen Planeten, zur Pflanzen-, Tier- und Mineralienseele und ist auch eine Sache der Gestirne. Die Gelehrten bezeichnen dieses Gefühl als Ur-Vertrauen.
Ein besonderes Beispiel für einen Menschen, Der immer hoffte und singend zugrunde ging ist Antoine Billot. Bei einem Eisenbahnzusammenstoß überlebte er. Eine Betondecke stürzte ein, ihm geschah nichts. Bei einer Überschwemmung hing er am Obersten Ast eines Baumes; im rechten Moment erreichten ihn die Retter. Im Krieg wurden Schwerverwundete aus dem Flugzeug gestürzt: er fiel weich auf einen Misthaufen. Ein ungewöhnlich glücklicher Mensch inmitten von so viel Zufall und Unglück. Ein Musikmagazin mit Lena Banda Sonora.
Ensemble mit Chor im letzten Akt der Oper NEBUKADNEZAR von Guiseppe Verdi. Mit dem Dirigenten John Fiore am Klavier.
Giuseppe Verdis erster durchschlagender Opernerfolg NABUCCO handelt von den Hebräern, die an den Flüssen Babylons gefangengehalten wurden an von der Schändung ihres Heiligtums durch den mächtigen König Nebukadnezar.
„Wann kommt er, der Vernichtungsschlag, an dem die Welt zusammenkracht?“ Christoph Schlingensief aus Anlass der Inszenierung von DER FLIEGENDE HOLLÄNDER von Richard Wagner in Manaos.
Nach seinem Parsifal in Bayreuth inszenierte Christoph Schlingensief in Brasilien einen legendären FLIEGENDEN HOLLÄNDER in der ehemaligen Gummi-Metropole Manaos am Amazonas. Die Stadt besitzt ein großes Opernhaus, in dem schon Werner Herzog drehte.
„Ach! Ohne Hoffnung, wie ich bin, geb´ ich der Hoffnung doch mich hin!“. DER FLIEGENDE HOLLÄNDER an der Staatsoper Stuttgart.
Den Satz „Ach! Ohne Hoffnung ...“ sagt der „bleiche Mann“, der Held Wagners, der, von Gott zu ewiger Sturmfahrt in den Meeren verurteilt, nach der Erlösung durch eine ihm treue Frau sich sehnt. In dem neuen Roman LUFT UND LIEBE von Anne Weber heißt es, „Meine Hoffnung war wie bei einem Fahrzeug, das auf glattem Eis plötzlich gebremst wird, noch 100 Meter weiter gerutscht. Es war meine eigene Hoffnung.“ Hoffnung lässt sich nicht bremsen, so wenig wie sich das „Ur-Vertrauen“ auf aufzehrt. Menschen leben davon.
Der fliegende Robert. Von H. M. Enzensberger. Musik: Robert Schumann.
DER FLIEGENDE ROBERT ist ungehorsam. Bei Sturm und Regen verlässt er das Haus. Sein Regenschirm aber hebt ihn in die Lüfte. Eine Geschichte von Dr. Heinrich Hoffmann. Revitalisiert von H.M. Enzensberger.
Landschaft mit entfernten Verwandten. Von Heiner Goebbels.
Heiner Goebbels war Mitbegründer des "Sogenannten linksradikalen Blasorchesters". In "Landschaft mit entfernten Verwandten" arbeitete er mit dem ensemble modern, einer Spitzengruppe von Musikern. Er entwickelte mit ihnen die Form der TABLEAUS FÜR DAS MUSIKTHEATER, eine Innovation. In einer seiner jüngsten Kompositionen, "Stifters Dinge", eröffnet er unerwartete Erfahrungshorizonte für den Zuschauer. Begegnung mit dem Komponisten Heiner Goebbels und seinem Musiktheater.
Treu bis in den Tod. Richard Wagner, DER FLIEGENDE HOLLÄNDER. Finale der Urfassung an der Staatsoper Stuttgart.
Richard Wagners dramatische Ballade DER FLIEGENDE HOLLÄNDER in der Urfassung von 1841 an der Staatsoper Stuttgart. Diese radikalere Version des Stückes (gespielt in einem Akt) wurde 20 Jahre vor der von Wagner überarbeiteten Endfassung, die in Bayreuth gespielt wurde, in Paris uraufgeführt.
Inszenierung: Calixto Bieito. Musikalische Leitung: Enrique Mazzola. Dramaturgie: Xavier Zuber. Eine aufregende Aufführung.
„Was mein ist, ist mein.“ Mit Peter Weibel und dem Morphila-Orchester.
Der media-artist, Autor, Musiker und Leiter des Zentralinstituts für Kunst und Medien (ZKM Karlsruhe): unverwechselbar Peter Weibel. Seine Theorien der Moderne, der Öffentlichkeit und der Kunst sind bahnbrechend. Seine eigenen künstlerischen Arbeiten antworten direkt auf die authentische Lebenserfahrung heutiger Menschen. Einer seiner Schlager: „Was mein ist, ist mein.“
Aus: LA DIDONE. Oper von Francesco Cavalli (1641). Mit Jan Czaikowski.
Eine Klangfarbe aus den Anfängen der Oper. Unverwechselbar die venezianischen Opern von Francesco Cavalli, dem unmittelbaren Nachfolger von Claudio Monteverdi, der die westliche Operntradition begründete. LA DIDONE handelt von der Affäre des Flüchtlings aus Troja Aenaeas mit der Königin von Karthago, Dido. Für Heiner Müller war LA DIDONE ein Schlüsselerlebnis: wer das Unheil Trojas an den Füßen trägt, tötet die schöne Königin Dido und wird dann Gründer von Rom: Aenaeas. Dreihundert Jahre später töten die Römer die Elefanten Karthagos und zuletzt verbrennen sie Korinth. Damit den Griechen das geschieht, was sie Troja antaten. Kreislauf der Rache (so Heiner Müller).
„Die Welt ein Tor zu 1.000 Wüsten stumm und kalt“. Peter Weibel und das Morphila-Orchester zu einem Text von Friedrich Nietzsche.
Friedrich Nietzsches Gedicht über den Einbruch des Winters erschüttert. Peter Weibel hat es als Nietzsche Rock vertont.
Tausend musikalische Plateaus. Musik und Philosophie nach Deleuze. Mit Bernhard Lang.
Mit seiner Oper "I hate Mozart" und seinem Zyklus "Differenz/Wiederholung (D/W)" faszinierte der Komponisit Bernhard Lang seine Hörer in der Konzertreihe "Wien modern". Er stützt sich dabei auf sein untrügliches Ohr und zugleich auf die Philosophie von Gilles Deleuze und Felix Guattari. Gilles Deleuze schrieb "Differenz und Wiederholung" (franz. "Difference et répétition") und, gemeinsam mit Guattari, "1000 Plateaus". Begegnung mit Bernhard Lang und seiner Musik.
Im wunderschönen Monat Mai. Musik von Francesco Cavalli. Mit Sir Henry und Sophie Kluge.
Die Mozart-Lüge. Mit Helge Schneider.
Starb Mozart so jung, wie immer behauptet wird? Dagegen spricht, behauptet Helge Schneider, die allseitige Gegenwart dieses Musikers in Film, Funk und Fernsehen. Was an der Mozart-Lüge wahr ist, meint Schneider, kann nur Wolfgang selbst beantworten.
Aus: LA CENERENTOLA. Musik von Gioachino Rossini.
Die bezaubernde Oper "La Cenerentola" ("Aschenputtel") von Rossini umfasst schönste Passagen des Belcanto und Ensemble-Sätze von mechanischer Verrücktheit.
Eine Frau voller Lebensgier. Giuseppe Verdi, TRAVIATA, 3. Akt. Inszenierung von Hans Neuenfels an der Komischen Oper Berlin.
Der Originaltitel von Verdis Oper TRAVIATA (= "die vom Wege Abgekommene") hieß: Liebe und Tod. Der starke emotionale Gehalt dieser Oper machte sie zur Oper aller Opern.
So ein Tag, so wunderschön wie heute. Mit Sir Henry und Sophie Kluge.
Detroit Techno. Mit DJ Shake.
In den frühen 70er Jahren entwickelte die deutsche Gruppe KRAFTWERK einen neuen Musikstil. Der Detroit-Tekkno von heute empfindet sich als direkten Nachkommen von KRAFTWERK, den „weißen Göttern“. Es geht um einen schnellen, relativ harten Schlag, mit der Betonung auf der Eins. Zu dem modernen Detroit-Tekkno der härteren Gangart gehört DJ Shake. Sein bürgerlicher Name ist Antony Shakir und ursprünglich heißt er eigentlich Toni Coleman. Sein Label nennt er "Frictional", abgeleitet von Friction = Reibung.
Valsette. Von Theodor W. Adorno (1945). Mit Heather O’Donnell.
Der Begründer der Frankfurter Kritischen Theorie, T.W. Adorno, war als Komponist Schüler von Alban Berg. Der kurze Walzer von 1945, atonal, gehört zu den Kleinoden in seiner Arbeit. Eine Aufführung aus Anlass des Adorno-Preises 2009. Mit der U.S.-Pianistin Heather O’Donnell.
Ein Blick ins Jenseits und wieder zurück. Aus der Generalprobe des Musiktheaters Mea Culpa von Christoph Schlingensief an der Bayrischen Staatsoper.
Der grandiose Erfolg von Schlingensiefs MEA CULPA am Burgtheater Wien bestätigte sich an der Bayrischen Staatsoper München. Der ehemalige Burgtheater-Chef, jetzige Staatsintendant der Münchner Staatsoper Klaus Bachler, hatte das Stück an das renommierte Haus geholt. Schlingensiefs barockes Requiem verbindet die Krebs- und Todeserfahrung des Künstlers und Wagner Parsifal und Tristan mit einem strikten Bekenntnis zum Diesseits. Das Leben hier mag so absurd sein, wie es will, der Protagonist Schlingensief hat kein Verlangen nach einem vorzeitigen Elysium. Musikalische Leitung von Schlingensief selbst. Ein engagiertes Team und ein bejubelter Musiktheaterabend in der Staatsoper.
„Ein Schelm ist ein Körper mit Augen“. Musik von Donizetti. Jan Czaikowski, Klavier.
Der Ausdruck „ Ein Schelm ist ein Körper mit Augen“ stammt von dem französischen Dichter der Groteske Jean Rabelais.
Heiner Goebbels. Stifters Dinge. Klangprobe am Flügel.
HommeBombe. Aus: Landschaft mit entfernten Verwandten. Von Heiner Goebbels.
„Un mare di sangue“ (ein Meer von Blut) aus der Oper NEBUKADNEZAR von Guiseppe Verdi. Der Dirigent John Fiore am Klavier.
Von Russland geliebt, von Stalin verboten. Tango-König Leschtschenko.
Er war der Leiseste der Konterrevolutionäre. Er argumentierte mit seiner Musik: Tan-gokönig Pjotr Konstantinowitsch Leschtschenko. Die Tangos, meist aus dem Jahr 1935, blieben erhalten, weil sie auf ausgediente Röntgenplatten schwarz gepresst wurden illegal. Die Härte des Materials garantiert für Qualität und Überlebensdauer. Die Tangos klingen anders als spanische und südamerikanische. Der eindringliche Rhythmus begleitet Liebestexte. Die Texte gehen aber auch darauf ein, dss sie in einer Zeit entstehen, in der es heißt: "Ach, wie mörderisch wir lieben". Der Tangokönig fiel bei Stalin rasch in Ungnade. Von der Bühne herab verhaftet, starb er 1954 in einem Lager.
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