(openPR) Gesetze reichen nicht -
Was die "Licence to Operate" von der Betriebsgenehmigung unterscheidet
Wenn es um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen geht, wird von der "Licence To Operate" (LTO) gesprochen, was wir oft mit "Betriebsgenehmigung" übersetzen. Die gibt es: Gesetze und Vorschriften - etwa zur Betriebssicherheit - müssen eingehalten werden, sonst darf ein Unternehmen nicht arbeiten. Nur: Die LTO ist mehr. Sie wird nur erteilt, wenn das Unternehmen im Einvernehmen mit der Gesellschaft steht.
Am prominentesten ist das zur Zeit bei der Atomenergie zu beobachten, von der jetzt auch Bundesumweltminister Röttgen (CDU) feststellt, dass sie in der Gesellschaft keine Akzeptanz hat, weswegen er zum Ausstieg rät - obwohl sie rechtlich machbar wäre. Ein anderes Beispiel aus der Wirtschaft ist der anhaltende Bürgerprotest gegen ein Hochregallager von Hugo Boss in Metzingen, mit dem Ergebnis, dass es nicht gebaut wird - weder dort noch anderswo. Fehlende Akzeptanz hatte für zusätzliche Kosten und Verzögerungen gesorgt. Solche Kosten zusammenzurechnen dürfte nicht nur für Betriebswirte interessant sein.
Verbrauchernahe Firmen wissen das. Deshalb sorgen sie z.B. dafür, dass die in Billiglohnländern arbeitenden Lieferanten alle einschlägigen Kriterien erfüllen. "Dieser Junge näht Ihr Hemd", titelte vor einiger Zeit der "Stern", zeigte einen Jungen im bitterarmen Bombay - und nannte die Hemdenmarke. So etwas kann sich kein Markenartikler in Deutschland leisten - obwohl es in Deutschland keine Gesetze gegen den Kauf von Waren gibt, die so hergestellt wurden.
Immer mehr Firmen befassen sich mit der LTO. Ein Rechtskataster der relevanten Vorschriften ist notwendig, aber nicht hinreichend. Man muss die Richtlinien der "Global Reporting Initiative" (GRI) in Amsterdam zu Rate ziehen, deren Aussagen in Fragen umwandeln und diese an den eigenen Betrieb stellen. Die LTO sicherzustellen wird eine Kernaufgabe des Risikomanagements, denn das "dokeo" (altgriechisch für Reputation und Image im positiven Sinn) von Unternehmen und Marke ist viel zu wertvoll.
Wo Risiken sind, da sind auch Chancen: Immer mehr Firmen nutzen sie. Positive Engagements führen zu Sympathie und Unterstützung - nicht nur bei Kunden, sondern sogar auch bei sonst kritischen NGOs. Und das macht den Unterschied der LTO zur Betriebsgenehmigung aus: Letztere kennt nur "ein" oder "aus". Die "Licence to Operate" kennt auch die Belohnung.
Die LTO wird in diesem Jahr eines der Kernthemen des "Deutschen CSR-Forums" in Stuttgart sein, wo sich am 13. und 14. April rund 350 Vertreter von Unternehmen und der Zivilgesellschaft treffen. Das Forum findet im Haus der Wirtschaft statt. Die Teilnehmer haben kostenlosen Zugang zur Stuttgarter Messe "Fair Handeln" an den folgenden Tagen. Weitere Informationen siehe www.dcsrf.de oder www.envicomm.org





