(openPR) Mallorca kenne ich schon seit meiner frühen Jugend. Seither habe ich viele Sommer auf der Insel verbracht und kann behaupten, fast jeden Winkel entdeckt haben zu dürfen. Was mich an den Menschen hier fasziniert, ist die unfassbare Leichtigkeit mit der sie Dinge angehen, ihre Überzeugung, der typische Stolz und ihre Emotionalität. Diese Attribute spielen auch beim Weinbau eine wichtige Rolle. Nachdem ich bereits viele Güter und Winzer der Insel kennenlernen durfte, habe ich Anfang dieses Jahres meine ganz persönliche Entdeckung gemacht, die einfach alles vereint, was mich seit jeher so begeistert hat. Wo ich diese Bodega gefunden habe? Zwischen Felanitx und Nirgendwo!
Alles was man von weitem sieht, ist ein Hügel, eine Hütte und eine Halle nebenan. Liebhaber französischer Châteaus wären vermutlich bereits vom Anblick enttäuscht und würden sich fragen, ob dies tatsächlich die versprochene Newcomer-Bodega sein kann. Meine Antwort ist ein lautes und deutliches „Ja“. Die Bodega „4kilos“ ist etwas ganz besonderes, und ich bin mir sicher, dass man noch viel von ihr hören wird. Bereits meine erste Begegnung mit Francesc Grimalt und Sergio Cabellero hat mich davon vollends überzeugt.
Als wir die beiden Idealisten seinerzeit mit dem Redaktionsteam besuchten, war die erste Lese eingeholt, die Fermentation abgeschlossen, der Wein bereits in französische Barriquefässer gefüllt und auch die abstrakt gestalteten Etiketten lagen schon druckfrisch auf dem Tisch. In der Bodega „4kilos“ herrschte Tatendrang und pure Motivation. Noch bevor wir den ersten Wein probieren konnten, war mir klar, dass diese Bodega einfach anders ist.
Warum? Ganz einfach. Francesc Grimalt empfängt uns in einem umfunktionierten Schafstall statt in einem architektonischen Prunkbau, ein Twingo aus vergangenen Zeiten ersetzt im Fuhrpark den sonst obligatorischen Allrad-Geländewagen und auch die gängigen klimatisierten Edelstahltanks sucht man vergeblich. Bei „4kilos“ kommen stattdessen Bottiche aus der Käseproduktion zum Einsatz. Die Verwendung dieser ungewöhnlichen Behälter, die eine viel größere Oberfläche haben, ist aus der Not heraus entstanden.
Stil- und humorvoll wie die beiden Partner selbst, präsentiert sich auch das Etikett des Erstweines „4kilos“. Dieser ungewöhnliche Name für Wein und Gut leitet sich von der Anfangsinvestition in die Bodega ab, die sich auf vier Millionen Peseten belief. Auf Mallorquin wiederum entspricht eine Million Peseten einem Kilo. Das Design des Labels trägt keine unbekannte Handschrift. Es stammt aus der Feder des Künstlers Marcel Dzama, der nicht nur Insidern von diversen CD-Covern des international erfolgreichen Popkünstlers Beck bekannt sein dürfte.
Der bekennende Rockfan Grimalt vergleicht seine Art des Vinifizierens mit dem Malen eines Bildes: Das Verwenden verschiedenster Farben, die Anwendung unterschiedlicher Techniken und die Handschrift des Künstlers zeigen Parallelen zu seiner Arbeit in der Bodega. Er arbeitet mit verschiedensten Rebsorten, die durch die Wahl unterschiedlicher Holzfässer immer wieder anders zur Geltung kommen. Alle wichtigen Entscheidungen in Bezug auf Wein trifft der Oenologe Grimalt selbst. Der sensible Umgang mit den einzelnen Komponenten liegt ihm, der über die Grenzen Mallorcas hinaus als Retter der Callet-Reben gehandelt wird, besonders am Herzen. Aus seiner Philosophie macht er keinen Hehl und erzählt mir beim zweitem Glas der Merlot-Fassprobe, dass Qualität für ihn im Weinberg entsteht und sonst nirgendwo.
Diesen Leitsatz nehme ich ihm voll und ganz ab. Dem Duo von „4kilos“ ist es gleich, was andere ringsherum mit ihren Reben machen. Bei ihnen steht die Natur im Mittelpunkt. Generell bekommt man den Eindruck, dass jeglicher Druck oder Erwartungshaltungen von außerhalb wenig Beachtung finden. Francesc Grimalt und Sergio Cabellero definieren sich, ihre Weine und ihre Ziele selbst. Das tun sie auf eine ganz besondere Weise. Sie basiert auf einer sympathischen Leichtigkeit, purer Überzeugung, balearischem Stolz und Emotionen, gepaart mit Mut und Know-how. Eben genau das ist es, was mich seit langer Zeit an den Mallorquinern fasziniert und bei „4kilos“ in Perfektion vereint wird. Hier, rund um den Trendsetter mit Bodenhaftung Francesc Grimalt, ist alles echt und authentisch. Das macht ihn und seine Produkte einzigartig. Mir wird schnell bewusst, dass hier Maßstäbe gesetzt werden, an denen sich wohl in Zukunft andere Winzer Mallorcas messen lassen müssen. Überzeugt von dem Erfolg meiner Entdeckung, freue ich mich auf die Weine, die dieses Jahr den Markt erobern werden. Denn sie sind der beste Beweis dafür, dass hier zwischen Felantix und Nirgendwo etwas ganz Großes entsteht.
Als Francesc noch zum Dreigespann von Ànima Negra gehörte, fehlte einfach das Geld für gängige Weintanks und so wurden die günstigen Käsebottiche kurzerhand umfunktioniert. Was dabei für großartige Produkte entstehen, lässt Francescs Grinsen bereits erahnen. Dies hat er bis 2006 auch bei Ànima Negra bereits erfolgreich unter Beweis gestellt. Durch die spezielle Lagermethode bekommt der Most besonders viel Kontakt zu den oben schwimmenden Trauben; ein Umstand, der später eine besondere Dichte und Fülle des Weines begünstigt.
Doch noch bevor uns Francesc Grimalt mit seiner Philosophie des Weinemachens in seinen Bann zog, bestand er vehement darauf, uns seine Weinfelder zu zeigen. Diese hat er von alten Weinbauern übernommen und sie liegen weit in der Region verstreut. Oenologe Grimalt wollte unseren Leihwagen schonen und kutschierte uns im Twingo und mit rasantem Fahrstil höchstpersönlich zu den Feldern. Dort angekommen, überzeugte er uns schnell von seiner Liebe zu alten Reben. Auf Spanisch, vermischt mit einem Anteil französischer Vokabeln sowie ein paar englischen Satzfetzen erklärte er uns auf den Feldern kniend, wie wichtig der steinige Boden, die Lage und das Alter der Reben ist. Es glich einer Hommage an die Vorzüge des Alters, als er uns seine bis zu 40 Jahre alten Rebstöcke zeigte. Mir wurde schnell deutlich, dass hier nicht nur die Reben, sondern auch Francescs Überzeugung und Glaube an den Weinbau fest verwurzelt sind. Die alten Callet-Reben seien für ihn Zeitzeugen der vergangenen Jahrzehnte, denen man vertrauen müsse, erzählt uns der gebürtige Mallorquiner.
Auf den insgesamt 15 Hektar Rebfläche, die die unterschiedlichsten Bodenprofile aufzeigen, wachsen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Manto-Negro, Merlot, Monastrell, Syrah und Callet.
4kilos für ein Weingut
Zurück in der funktional eingerichteten Bodega ging es an die Barriques aus französischer Eiche. Voller Stolz kredenzten Francesc und Sergio, der sein Geld in der Regel als Konzertimpresario verdient (er veranstaltet Rockkonzerte), die verschiedenen Weine direkt aus dem Fass. Reine Callets, Verschnitte aus Cabernet Sauvingon und Merlot – der Reihe nach ging es weiter von Barrique zu Barrique. Zwar konnten wir die vielfach umworbenen Weine „4kilos“ und „12 Volts“ zu diesem Zeitpunkt noch nicht probieren, doch ließ sich durch die Verkostung der anderen Rebensäfte bereits erahnen, dass hier nur Produkte von extremer Qualität und hohem Seltenheitsfaktor entstehen können.












