(openPR) "Ich habe auf Gott vertraut - und darauf, dass er für uns da ist." Mit diesem Hauptsatz erklärt Alfred Börgerding (60) (Dinklage/Niedersachsen) einen fast unmöglichen und weltweit fast einmaligen Erfolg: seit 35 Jahren lebt er mit der Dialyse. Bekannt wurde er durch sein Engagement in Selbsthilfegruppen, gegenwärtig als Vorsitzender des Landesverbands Nierenkranker, Dialysepatienten und Transplantierter in Niedersachsen. "Ich habe die Krankheit angenommen", schreibt Börgerding in seinen Lebenserinnerungen und nennt sich "glücklich" - trotz einer großen Zahl schwerer Rückschläge.
Bereits während der Kindheit hatte Börgerding gekränkelt. Doch erst die Musterungsuntersuchung bei der Bundeswehr führte zur korrekten Diagnose: Wegen einer angeborenen Fehlbildung wurde der Harn in die Nieren zurückgedrängt, das Organ war daher bereits schwer vorgeschädigt, konnte jedoch bei strenger Diät die Blutentgiftung zunächst einigermaßen sicherstellen. Börgerding - als Steuersachbearbeiter berufstätig - verdrängte einen Blick in die Zukunft an der Dialyse.
Als die Nieren 1974 endgültig versagten und Börgerding in das Krankenhaus Vechta eingeliefert wurde, fragte er in der Intensivstation: "Muss ich jetzt sterben?" "Der Arzt, ein junger, freundlicher Mann, nahm meine Hände und gab mir zu verstehen, dass er alles tun werde, was in seiner Macht stünde. Bald darauf wurde ich in ein Einzelzimmer geschoben und auf die Bauchfelldialyse vorbereitet." In der gleichen Nacht wachte Börgerdings Mutter aus dem Schlaf und schrie laut: "Nun ist Alfred tot."
Eine Woche später, kurz vor seinem 25.ten Geburtstag, wurde Börgerding in die Hämodialyse verlegt, und sein Zustand begann sich zu bessern. Während der folgenden Jahre erlebte der Patient drei dramatische Tiefs: Drei Transplantationen scheiterten.
Gleichzeitig entwickelte sich für Börgerding ein neues spirituelles Leben: "Die Biographie von Papst Johannes dem XIII. war für mich in der geistigen und geistlichen Bereicherung so wirkungsreich, dass ich jetzt eine innerliche Umwandlung erlebte: Ich fand zu Sehnsucht nach Stille und zur Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich begann, alle Vorkommnisse meiner näheren Umgebung auf diese Frage zu beziehen. Frühere Wichtigkeiten rückten in entferntere Stellenwerte. Ich begann zu suchen, nicht zielsicher, sondern noch orientierungslos. Es musste hier etwas geben, was ich noch nicht kannte ..."
Später ließ Börgerding sich theologisch ausbilden und wurde Oblate eines Benediktinerklosters - ein extern lebendes Ordensmitglied. Das theologische "Studium hat mich zwar sehr agestrengt, aber mich voll entlohnt. Zeigt es doch, dass es immer wichtig ist, sich nicht in seiner Krankheit zu vergraben."
Alfred Börgerding:
... und dennoch lebe ich. Meine Jahre mit der Dialyse
Pabst, Lengerich/Berlin, 136 Seiten, ISBN 3-933151-23-6








