(openPR) Fiat-Money
Im Jahre 1842 erzählte die Kurzgeschichte „The pit and the pendulum“ („Die Grube und das Pendel“) im Stile eines Horror-Romans die Qualen, die ein Gefangener der spanischen Inquisition in Toledo ertragen musste. Der Autor, Edgar Allen Poe läßt den gefesselten Häftling seine Hinrichtung erwarten, indem ein Pendel ganz langsam von oben immer näher kommt, an dessen Ende eine halbmondartige Sichel hängt, die ihn zerschneiden und die Hinrichtung vollziehen soll. Das Pendel hat bereits die Kleidung des Gefangenen auf Höhe seiner Brust zerschnitten. Er wird zusehen müssen, wie er langsam verblutet und sich nicht wehren können.
Alan Greenspan, Chef der US-amerikanischen Notenbank (FED) von 1987-2006, hat den verhängnisvollen Kurs der amerikanischen Zinspolitik eingeleitet, dessen absehbare Folgen sind nun unweigerlich zeigen. Das Geld wurde billig gemacht, ab 2000 wurde „easy money“ gar zur Regel. Schulden türmten sich auf, auf Pump zu leben wurde normal. Durch diesen Schulden –Boom stiegen die Preise, die Kreditexpansion nahm nochmals zu. Kredite wurden verbrieft und über den gesamten Globus gehandelt. Kreditverbriefungen und ihre vielfältigen Abarten bestimmten das weltweite Finanzkasino. Die Folgen sind bekannt. Das Pendel kam näher.
Nach dem Crash verfolgte Bernanke als Nachfolger Greenspans diese de facto Nullzinspolitik weiter. Seit September 2008 generiert die Fed frisches Geld aus dem Nichts, das zum großen Teil in den Erwerb von US-Staatsobligationen fließt. Der Staat kauft seine eigenen Schulden auf. In Anlehnung an den Bibel-Spruch „Es werde Licht!“ („Fiat lux“) etablierte sich inzwischen für derart hervorgebrachtes Geld der Begriff des Fiat-Money. Mit dieser Geldflut gehen die Banken an die Börsen und befördern maßgeblich den derzeitigen Börsenboom. Kredite nehmen vor allem Hedgefonds und andere Investoren auf, die das Geld benutzen, um Aktien, Unternehmensanleihen und andere Investitionsgüter aufzukaufen und so deren Preise in die Höhe zu treiben. Die Notenbank versorgte also durch ihre Gelddruckerei das Finanzkapital mit frischem Spielgeld für eine neue Spekulationsrunde im globalen Finanzmarktkasino. Die nächste Blase ist da, das Pendel senkt sich weiter.
In Berlin wurde nach langem Hin und Her ein „Beschleunigungsgesetz“ beschlossen, das uns Wachstum bescheren soll. Wachstum müßte aber Investitionen z.B. in Anlagen, Infrastruktur und Bildung bedeuten. 4,5 Mrd. Euro Investition in frühkindliche Bildung würde zur bundesweiten kostenlosen Ganztagsbetreuung führen. Aber hier: Fehlanzeige. Stattdessen: Wahlgeschenke für die Klientel einer regierenden Partei. Zugleich soll gespart werden, aber wo bitte? Im öffentlichen Sektor? Schwer möglich. Bei den Subventionen – welchen bitte? Es ist, als ob der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird. Eine Senkung der Einkommensteuer wird ganz sicher mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer finanziert werden. Mit zusätzlich 2-3 Prozentpunkten, also einer große Dosis ist zu rechnen. Allein die gerade beschlossenen Steuerentlastungen von ca. 8,5 Mrd. Euro entsprechen einem Mehrwertsteuerpunkt. So sieht dann die Gegenfinanzierung aus. Die Folgen sind fatal, da vor allem die privaten Haushalte die Zeche zahlen. Sie bergen große Gefahren für Investitionen, Infrastruktur und Bildung. Wer heute mit dem Auto nicht in die Werkstatt fährt, weil das Geld knapp ist, der darf sich nicht wundern, demnächst aus der Kurve zu fliegen, wenn die Bremsen versagen...
Sind wir hilflose Gefangene einer spekulativen Geldvermehrung im Finanzmarkt? Oder läßt sich das Pendel zum Halt bringen? Die Antwort darauf ist nicht bei Edgar Allen Poe zu finden.
Dr. Ulrich Gausmann
www.Die-Paderborner-Ruhestandsplaner.de












