(openPR) Das Gründungsverhalten von Frauen ist immer noch stärker von spezi-fischen Lebens- und Familiensituationen geprägt als bei Männern. Nichtsdestotrotz findet derzeit ein Wandel im Gründungsgeschehen von Frauen statt. Heute streben Frauen mit ihrem Geschäft eine eigenständige und profitable Sicherung ihrer Existenz an: Sie gründen verstärkt im Vollerwerb, gewinnen an Unabhängigkeit durch externe Finanzierungen und Jungunternehmerinnen nehmen in der Startphase mehr Kapital in die Hand. Ihre Betriebe sind klein aber stabil und meist in wissensintensiven Bereichen anzutreffen.
Frankfurt (san).– Wie sehen die Gründungsneigung und –intensität von Frauen aus? Verändert sich etwas dabei? Dies untersuchte die Befragung des Frauenbetriebe Qualifikation für die berufliche Selbständigkeit e. V. Der Verein interviewte 288 Kundinnen aus den Jahren 2006 bis 2008, die entweder an einer Selbständigkeit interessiert, im Gründungsprozess oder schon über ein Jahr am Markt waren.
Gute Gründungsquote nach Beratung -
Zunächst hebt die Analyse der Daten die positive Wirkung frauenspezifischer Beratung hervor. Diese mündete für Frauenbetriebe-Kundinnen in den meisten Fällen in einer Existenz-gründung: 66,8 Prozent der zum Zeitpunkt des Coachings arbeitslosen Frauen haben heute eine eigene Firma, bei Angestellten sind es drei Viertel und 40 Prozent bei Kundinnen, die sich bereits im Beratungsprozess befanden.
Hohe Verbleibquote -
Auch die Stabilität des Unternehmens nach mehreren Jahren stellt ein Erfolgskriterium dar. 72,5 Prozent der Frauen aus den Jahren 2006 und 2007 haben sich nach der Frauenbetriebe-Beratung selbständig gemacht und sind es heute noch. In der Gruppe der in 2009 Befragten waren es 61 Prozent. Interessant dabei ist, dass die Anzahl der Angestellten mit der Dauer der Selbständigkeit steigt: Bei Betrieben, die von drei bis fünf Jahren am Markt sind, beschäftigen über 30 Prozent Personal. Bei über sechs Jahren erreicht diese Zahl 47 Prozent.
Gründe zur Gründung -
Die Befragung brachte eine weitere gute Nachricht zutage: 95 Prozent der Frauen sind mit ihrer Selbständigkeit zufrieden. Sie empfinden sie als eine reelle und gewollte Alternative zur Arbeitslosigkeit und zu den teilweise schlechten Arbeitsbedingungen als Erwerbstätige. Die Meisten schlagen diesen Weg vorwiegend aufgrund der größeren Eigen-ständigkeit und Selbstverwirklichung ein. Ohne das Risiko aus einem festen Beschäftigungsverhältnis zu kündigen, nehmen sie endlich diese Situation als Chance wahr: Sie verwirklichen z. B. einen „alten Traum“. Es wird daher deutlich, dass der Firmenstart aus Arbeitslosigkeit nicht unbedingt eine Notlösung ist, sondern hoch motivierte Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen hervor bringt.
Zuversichtlicher Zukunftsblick -
Trotz der Krise schätzen 73 Prozent der In-terviewten ihre weitere Firmenentwicklung als sehr gut oder gut ein. Die genannten Gründe hierfür: die gute Auftragslage, viele Kunden oder Anfragen, Erfolg, stabile Kooperationen und Netzwerke, eine gute Geschäftsidee oder eine krisenunabhängige Branche.
Klein und wissensintensiv -
60,7 Prozent der interviewten Kundinnen sind freiberuflich tätig, ihre Unternehmen sind klein und kreativ. Sie gründen zunehmend in wissensintensiven Sektoren wie Beratung, Schulung, Coaching und Gesundheit, die für 60 Prozent der Frauen die Branche ihrer Ausbildung sind. Sollte dies nicht der Fall sein, so bilden sie sich fort oder weiter. Die Fir-menprofile vieler Existenzgründerinnen umfassen ein sehr breites Spektrum. Sie basieren sehr häufig auf kreativen Geschäftsideen, die sowohl in Wachstumsfeldern wie der Seniorenbetreuung angesiedelt sind, als auch in der Theater- und Kunstszene. Daneben sind viele nach wie vor als Steuer-, PR- oder Umwelt-Beraterin tätig. Im Handwerk haben sie zusätzlich zu den klassischen weiblichen Berufen auch in der Baubranche gegründet.
Hohe akademische Bildung –
Der Anteil der Akademikerinnen steigt stetig und entsprechend ihren wissensintensiven Tätigkeitsfeldern weisen die befragten Gründerinnen und Jungunternehmerinnen sehr hohe Bildungs-standards vor. 90 Prozent von ihnen sind sehr gut und gut ausgebildet: 55,8 Prozent haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss und 34,7 Pro-zent eine abgeschlossene berufliche Ausbildung.
Potenzial Migrantinnen -
Weitere bedeutende Ergebnisse der Analyse zeigen, dass eine besondere Profil-Differenzierung den Gründerinnen mit Migrationshintergrund gilt. Sie stellen heute ca. 30 Prozent der Beratenen im Frauenbetriebe e. V. dar, haben einen höheren Finanzierungsbedarf und überdurchschnittlich die Perspektive, dass ihr Unternehmen wachsen wird. Sie starten ihr Geschäft zwischen 31 und 40 Jahren, früher als ihre deutschen Alter Egos.
Wandel um das traditionelle Familiensystem -
Der Familienstand ist eben-falls ein bedeutender Faktor im Gründungsverhalten der Frauen. Nach bundesweiten Daten ist für sie der Verheiratetenstatus eher unterstützend für einen Unternehmensstart. Die Frauenbetriebe-Ergebnisse bestätigen, dass das Gründungsverhalten von Frauen stärker von ihrer spezifischen Lebens- und Familiensituation geprägt ist als bei Männern. Nichtsdestotrotz gibt es Verschiebungen, die einerseits den Wandel rund um das traditionelle Familiensystem widerspiegeln, andererseits zeigen, dass für eine steigende Anzahl an unterschiedlichen Zielgruppen unter Frauen die berufliche Selbständigkeit attraktiv wird. Bei den Kundinnen des Vereins ist der Anteil der Geschiedenen gestiegen und erreicht heute 20,1 Prozent. 42,7 Prozent sind verheiratet, 30,6 Prozent ledig und 6,6 Prozent alleinerziehend.
Kinder und investierte Arbeitszeit -
Weiterhin haben jedoch 60 Prozent aller Befragten Kinder. Zwar haben 77 Prozent der Nebenerwerb-Unterneh¬merinnen Nachwuchs, aber gleichzeitig sind auch 50 Prozent der Vollzeit-Selbständigen Mutter. Entscheidender für die Wahl des Nebenerwerbs ist bei Frauen weniger das alleinige Vorhandensein von Kindern, als das Zusammen-treffen insbesondere zweier Faktoren: Nachwuchs zu haben und verheiratet zu sein. Mit den Veränderungen im familiären Status einher geht auch ein An-stieg der Gründungen im Vollerwerb: In 2008 machten sie 75,2 Prozent aus - gegen 57,1 Prozent noch in 2006-2007. Insgesamt sind 67,5 Prozent der Be-fragten im Vollerwerb, darunter leben 70 Prozent ganz oder teilweise davon.
Geschäftspartnerschaften für profitables Wirtschaften -
Eine weitere Bestätigung dafür, dass Frauen heute ihre Existenz selbst sichern und profitabel wirtschaften wollen, ist ihr verstärktes Interesse an Geschäftspartner¬schaften: 13 Prozent von ihnen haben in 2008 partnerschaftlich gegründet und ein Drittel der Alleingründerinnen plant aktiv Kooperationen. Damit erweitern gerade kleine Firmen ihre Kompetenzen, erhöhen ihre Wachstumschancen, verteilen Risiken und vereinbaren besser Beruf und Familie. Tendenziell haben diese Selbständigen einen höheren Kapitalbedarf und investieren mehr in der Startphase. Auch dies stellt ein relativ großes Potenzial im Gründungs-geschehen von Frauen dar.
Mehr Unabhängigkeit durch Fremdmittel -
Die Interviews beleuchten ebenfalls die Frage der Finanzierung: 67 Prozent der interviewten Kundinnen haben Startkapital benötigt. 44 Prozent der Gründerinnen mit Finanzbedarf ha-ben weniger als 5.000 Euro in die Hand genommen, in 30 Prozent der Fälle waren es 5.000 bis 10.000 Euro und in fünf Prozent über 100.000 Euro. Dieses Ergebnis bestätigt den hohen spezifischen Bedarf und die Notwendigkeit von Mikrodarlehen für Kleinbetriebe, auch wenn die Mehrheit der Existenzgründerinnen ihren Finanzbedarf vorwiegend über Eigenmittel und private Darlehen deckt. Dies kann zu Insolvenzen führen, wenn Liquiditätsreserven für kurzfristige konsequente Ausgaben nicht eingeplant werden. Tendenziell greifen Frauen aber immer mehr auf externe Finanzierungsmittel bei Gründung: Im Beratungsjahr 2008 erreichte der Anteil öffentlicher Zuschüse der Bundesagentur für Arbeit 73,4 Prozent statt 30,8 Prozent noch in 2006-2007. Bei privater Unterstützung waren es 25,7 Prozent gegen 63,5% Prozent in den Vorjahren.
Jungunternehmerinnen mit Wachstumsperspektiven -
Auch zeichnet sich eine leichte Tendenz zu höherem Kapitalbedarf ab - und zwar, nicht nur in der Startphase sondern auch für die Zeit des Unternehmensaufbaus. Knapp drei Viertel der Befragten, die seit einem oder zwei Jahren selbständig sind, haben Wachstumsperspektiven, denn sie müssen sich zunächst stärker am Markt positionieren. Es handelt sich dabei um Frauen mit ausgeprägtem Unter-nehmenssinn: Sie haben überdurchschnittlich häufiger Startkapital benötigt und stellen den höchsten Anteil in der Spanne 50.000 Euro bis über 100.000 Euro dar. Zum Zeitpunkt der Befragung gingen 40 Prozent von ihnen davon aus, noch zusätzliche Gelder für den avisierten Wachstumsprozess in An-spruch zu nehmen. Bei diesem Unternehmensaufbau betrachten sie in über 70 Prozent der Fälle den Frauenbetriebe e.V. als einen Ansprechpartner bei weiterem Beratungsbedarf.
Vollständige Pressemappe und Broschüre:
http://www.frauenbetriebe.de/index.php?dom=1&lang=22&p=155
(www.frauenbetriebe.de unter "Presse")









