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Informationsstelen - Mauertote auch bei Lichtenrade

09.11.200909:41 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Informationsstelen - Mauertote auch bei Lichtenrade
Foto: Thomas Moser
Foto: Thomas Moser

(openPR) Am Wochenende vor den großen Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls wird an der ehemaligen Grenze vor den Toren von Berlin-Lichtenrade den Mauertoten gedacht.
Auf Initiative des Fördervereins der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde stellt die Stiftung Berliner Mauer mit Unterstützung der Berliner Senatskanzlei, Informationsstelen als Erinnerung an die mindestens 136 Mauertoten auf, die von 1961 bis 1989 an der Berliner Mauer erschossen wurden oder im Zusammenhang mit einem Fluchtversuch verunglückt sind. Die erste Stele für Horst Kullack, der am 13.12.1971 zwischen Großziethen und Lichtenrade angeschossen wurde, wurde nun feierlich vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses Walter Momper enthüllt. Bei schönstem Herbstsonnenschein kamen viele Angehörige der Maueropfer von Lichtenrade, interessierte Bürger und eine beachtliche Anzahl von Pressevertretern zur Lichtenrader Chaussee/Groß-Ziethener Straße. Mitten auf dem ehemaligen Grenzstreifen, circa 100 Meter nördlich von der Straße entfernt, konnte man zwei noch verhüllte Säulen, eine hohe Säule und eine etwas kleinere Informationsstele, betrachten. Es wurde in der Feierstunde auch noch drei weiteren Mauertoten an der Grenze zu Lichtenrade gedacht: Herbert Kiebler (erschossen am 27.6.1975 im Grenzstreifen zwischen Mahlow und Lichtenrade), Eduard Wroblewski (erschossen am 26.7.1966 auch am Grenzstreifen in Mahlow) und dem 14-jährigen Christoph-Manuel Bramböck, der in Höhe vom Schichauweg beim „Mauerpicken“ 1990 ein Unfallopfer wurde.


Harald Fiss, Ehrenvorsitzender des Fördervereins Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, hat das Gesamtberliner Projekt initiiert und vorangetrieben. Er begrüßte die Ehrengäste aus Teltow-Fläming und Tempelhof-Schöneberg, die interessierten Besucher und besonders die Angehörigen der Mauertoten. Fiss erläutert, dass in der ersten Phase insgesamt 9 Stelen gesetzt wurden. Harald Fiss lädt die Gäste ein, auch die anderen Stelen zu besuchen. „Wir freuen uns, dass wir durch unser Tun dazu beitragen konnten, dass die Geschichte des Mauerweges um diesen wichtigen Aspekt der Mauertoten ergänzt werden konnte. Wir sind es aber auch den Opfern schuldig, an die Unmenschlichkeit der Mauer und der Sinnlosigkeit der Morde zu erinnern.“
Der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Dr. Axel Klausmeier, sprach vom Unrechtssystem der Unterdrückung in der DDR: „Die Stelen sind in gewisserweise vertikale Stolpersteine, die helfen sollen, dass die Toten nicht vergessen werden. Sie sollen aber auch helfen darüber nachzudenken, welcher Wert die Freiheit ist.“ Axel Klausmeier dankt im Namen der Stiftung besonders Harald Fiss und den Angehörigen der Mauertoten für ihr Erscheinen.
Frank Henkel, Fraktions- und Landesvorsitzender der CDU Berlin spricht in seinem Grußwort vom Glück, was er mit dem Tag des Mauerfalls verbindet: „Für Viele kam dieses glückliche Ereignis aber zu spät“. Henkel erinnert an die vielen Mauertoten an der Berliner Mauer. „Veranstaltungen wie diese, in geschichtlichen Zusammenhängen wie diesen, berühren mich vor dem Hintergrund meiner eigenen Biografie ganz besonders“ sagt Henkel. Weiter sagt Henkel: „Ich hatte große Glück, dass meine Eltern die Auseinandersetzung mit dem SED-Staat nicht gescheut haben und gegen alle Widerstände auf eine Ausreise gedrängt haben, auch wenn das mit persönlichen Risiken und Nachteilen behaftet war. So hatte ich 1981 die Chance bekommen, ein neues Leben in Freiheit anzufangen.“ Frank Henkel findet: „Jedes Opfer hat die Mauer auch brüchiger gemacht.“ Henkel bedauert, dass viele Erinnerungen an die Mauer im Glückstaumel der Wiedervereinigung vernichtet wurden: „Man darf im Bemühen der Erinnerung nicht nachlassen, damit nicht vergessen wird, dass der DDR-Staat eine Diktatur war! Es ist wichtig, dass wir angemessene und würdevolle Orte der Erinnerung wie diesen für Alle haben, für Zeitzeugen, für Touristen, für Wissenschaftler, aber auch und vor allem für junge Menschen, die die Mauer und die Teilung der Stadt nicht mehr selbst erlebt haben.“
Walter Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, findet es wichtig an die Opfer der Mauer zu erinnern. Momper erinnert an den 13. August 1961, der Teilung von Berlin, und an die Hilflosigkeit der Menschen. „Die Mauer trennte eine Millionenstadt. Zahllose Verbindungen wurden zerschnitten. Es sind immer die Einzelnen, die unter den Folgen politischer Taten zu leiden haben.“ In seiner Gedenkrede führt Momper weiter aus; „Die Teilung Europas, Deutschlands und Berlin war ein Ergebnis des Zweiten Weltkrieges, des Krieges, der von Deutschland angezettelt wurde. Die Alliierten gaben in ihren jeweiligen Besatzungszonen die Richtlinien gemäß ihrer eigenen politischen Vorstellung vor. Mit dem Beginn des Kalten Krieges teilte sich die Welt mehr und mehr in eine östliche und eine westliche Einflusssphäre. Das wurde durch den Bau der Mauer manifest! …Beim Mauerfall war das deutsche Volk das glücklichste Volk der Welt.“ Momper verweist auch darauf, wie viele Menschen ihre Fluchversuche mit dem Leben bezahlen mussten: „Mit der Enthüllung der Gedenkstelen wollen wir den Opfern gedenken, die in diesem Bereich der Grenze bei der Flucht erschossen wurden. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist eine DDR-Nostalgie, die heute manchmal sichtbar wird, wenig und ich würde sagen für mich unverständlich! Es ist gut, dass an jedes einzelne Schicksal, an jede einzelne Person und an jedes einzelne Opfer gedacht und erinnert wird und man davon etwas lernen kann! Dafür sind Denkmäler da!“
Nach den Ansprachen wurden die Stelen enthüllt, Kränze niedergelegt und den Maueropfern gedacht.
Die Stelen sind eine wichtige und richtige Erinnerung an die Mauertoten an dieser Stelle, am ehemaligen Todesstreifen vor Lichtenrade, und nicht nur im Zentrum von Berlin!
Bericht und Fotos von Thomas Moser -BerLi-Press- (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de

Inschrift der Informationsstele:
Horst Kullack
geboren am 20. November 1948
angeschossen am 31. Dezember 1971
gestorben am 21. Januar an den Folgen der Schussverletzung
Am Silvesterabend 1971 machte sich Horst Kullack aus Großziethen im Schutz der Dunkelheit auf den Weg zur Grenze. Vermutlich wollte er zu seinen Verwandten in West-Berlin. Obwohl die Grenztruppen schon einen Hinweis auf den Flüchtling bekommen hatten, gelang es ihm, den Hinterlandsicherungszaun zu übersteigen und bis zur Sperrmauer vorzudringen. Plötzlich stand er im gleißenden Scheinwerferlicht und Grenzposten gaben gezielte Schüsse auf ihn ab. In den Bauch getroffen, brach Horst Kullack schwer verletzt zusammen. Trotz starker Blutungen wurde er in einem Trabant „Kübel“ ins Hinterland transportiert und erst hier medizinisch versorgt.
Als sein Vater ihm im Krankenhaus besuchen wollte, wurde er erst nach lauten Protesten ans Krankenbett seines Sohnes gelassen. In fünf Operationen versuchten die Ärzte vergeblich, das Leben des jungen Mannes zu retten. Horst Kullack starb am 21. Januar 1972 im Alter von 23 Jahren.
1995 verurteilte das Landgericht Potsdam die beiden Todesschützen wegen gemeinschaftlichen Totschlags zu einer Jugendstrafe von je fünfzehn Monaten auf Bewährung.
Auf West-Berliner Seite erinnert seit 1988 ein Gedenkkreuz an Horst Kullack.

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