(openPR) Polens Wirtschaft erwies sich in der globalen Krise als äußerst widerstandsfähig. Die Aktienkurse stiegen kräftig und bieten nach Expertenmeinung weiter Potenzial.
Wer durch die breiten Straßen von Danzigs Innenstadt mit den reich verzierten Giebeln der Kontor- und Bürgerhäuser spaziert, spürt den Charme der alten Hansestadt. Die europaweite Handelsvereinigung verhalf der polnischen Ostseestadt zu Reichtum und Wohlstand. In Zukunft ist es der Euro, die dem Land wirtschaftliche Schubkraft verleihen wird. Die Einführung der Gemeinschaftswährung lässt in Polen zwar noch einige Zeit auf sich warten – nach Einschätzung von Marcin Kopaczynski, Analyst bei der österreichischen Raiffeisen Centrobank, kommt sie frühestens im Jahr 2014. Doch Polen, das seit 2004 zur EU gehört und Anfang Oktober den Lissabonner Vertrag unterzeichnet hat, ist auf dem besten Weg nach Europa. Das lässt sich an stabilen Wirtschaftsdaten ablesen und macht das Land zu einer perspektivenreichen Anlageregion. Als weiterer Impulsgeber wird die Fußball-Europameisterschaft angesehen, die im Jahr 2012 unter anderem in Danzig, Warschau, Posen und Breslau ausgetragen wird.
EURO BRINGT WOHLFAHRTSEFFEKTE
Ist der Euro erst eingeführt, sinken die Transaktionskosten im Außenhandel, das Wechselkursrisiko im Handel mit Ländern der Eurozone entfällt, und der polnische Güter- und Dienstleis-tungsmarkt lässt sich schneller in die Eurozone integrieren. „Diese Wohlfahrtseffekte sollten sich in einem höheren durchschnittlichen Wachstum niederschlagen“, sagt Kopaczynski.
Polen kam bereits sehr gut durch die Finanzkrise. Für das Jahr 2009 wird ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von mehr als einem Prozent erwartet, während das BIP der Eurozone um 0,3 Prozent niedriger als im Vorjahr prognostiziert wird.
Was Polen vom Euro trennt, ist die instabile Währung. Der stark schwankende Zloty verlor in rund einem Jahr gegenüber dem Euro um knapp 20 Prozent, obwohl er in den vergangenen Monaten um 17 Prozent zulegte. Doch das wirkt sich auch positiv aus: „Die Zloty-Abwertung hat einen Teil der Inlandsnachfrage in Richtung heimischer Produkte gelenkt“, sagt Kopaczynski. Eine bereits vor der Weltrezession beschlossene Steuerreform sowie die Senkung der Leitzinsen trugen dazu bei, einen krisenbedingten Investitionsstau abzuschwächen. Dass Polen zusammen mit der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft austragen wird, dürfte sich ebenfalls positiv auf die Wirtschaftsleistung auswirken. So werden vier neue Stadien gebaut, Straßenbauprojekte beschleunigt, das Eisenbahnnetz erneuert und andere Infastrukturprojekte angeschoben, die mit EU-Mitteln finanziert werden. Bis zum Jahr 2013 steht Polen an der Spitze der Empfänger von EU-Geldern.
STABILER BANKENSEKTOR
Ein weiteres Auffangnetz der polnischen Volkswirtschaft ist der stabile Bankensektor: Wie auch in anderen osteuropäischen Ländern haben viele polnische Banken einen relativ hohen Anteil an ausländischen Eigentümern, die für ausreichend Liquidität sorgen. So gehört die Bank Pekao zu 14 Prozent zur Unicredit, und die BRE Bank wird zu neun Prozent von der Commerzbank gehalten. Zudem setzten Polens Banken kaum auf toxische Papiere und nahmen nur geringe Kredite in Fremdwährungen auf. Die Verschuldung ist deshalb vergleichsweise gering. Die Aktienkurse der meisten Banken verdoppelten sich in den vergangenen Monaten: So hat die Aktie der Bank Handlowy von März bis Oktober 2009 einen Sprung von 33 auf 62 Zloty (umgerechnet 14,90 Euro) gemacht, die Pekao Bank verbesserte sich von 68 Zloty im Februar auf aktuell über 160 Zloty (38,40 Euro).
Welche Branchen gehören in Polen zu den Zugpferden der Wirtschaft? „Von 2004 bis 2008 waren exportierende Sektoren wie die Maschinen- und Automobilindustrie Wachstumstreiber. Jetzt ist der Dienstleistungssektor der Stabilitätsanker der polnischen Volkswirtschaft“, sagt Kopaczynski. Die starke Binnennachfrage, vor allem im Dienstleistungssektor, sowie der gut aufgestellte Bankensektor sprechen für ein lohnendes Investment in Polen. Am besten auf den polnischen Index WIG20, der mehrere Bankaktien enthält.










