(openPR) Mit frischem Realschulabschluss und jeder Menge persönlicher Erfahrung in der Tasche, haben sich 20 Absolventen des „Freiwilligen Sozialen Jahres plus“ am 27. Juli 2009 in der Gotthilf-Vöhringer-Schule der Zieglerschen in Wilhelmsdorf feiern lassen. Zwei Jahre lang hatten die jungen Erwachsenen ihren Realschulabschluss im Freiwilligen Sozialen Jahr nachgeholt, in dem sie blockweise abwechselnd büffelten und soziale Dienste leisteten. Die große Nachfrage nach Plätzen im Freiwilligen Sozialen Jahr plus, kurs FSJplus, treibt das seit dem Jahr 2005 gestartete Projekt voran: ab Schuljahr 2009/2010 wird FSJplus jährlich angeboten und ist vorerst bis 2011 gesichert.
Abgebrochene Ausbildung, missglückter Realschulversuch, arbeitslos, ungücklich im Beruf: FSJplus bietet neue Perspektiven, wenn die Zukunfsplanung junger Menschen stockt. Für die Dauer von zwei Jahren können sich junge Erwachsene freiwillig in sozialen Bereichen engagieren und werden gleichzeitig auf den Realschulabschluss vorbereitet. So auch die 20 Absolventen, die nun in Wilhelmsdorf mit Vertretern des Sozialministeriums, des Regierungspräsidiums, des Diakonischen Werks Württemberg, der Zieglerschen, mit Praxisanleitern und ihren Familien ihre Erfolge feierten und die Zeugnisse entgegennahmen. Die stolzen Prüflinge nehmen aber einiges mehr mit als den Schulabschluss: Ihr freiwilliges soziales Engagement für ältere, behinderte oder kranke Menschen hat ihnen Einblicke in die Arbeitswelt gegeben, fachliche und persönliche Qualifikationen verliehen und sowohl berufliche Perspektiven als auch Aussichten auf Ausbildungsplätze vermittelt.
„Meinem Michael hat das FSJplus unheimlich gutgetan, vor allem auch persönlich. Er wurde von Lehrern und Team des Diakonischen Werkes ganz toll begleitet, das war eine richtig gute Sache“, sagte Sonja Kühni, Mutter eines Absolventen. Michael hatte nach der Hauptschule eine Malerausbildung absolviert und sich im FSJplus neben dem Schulbankdrücken um behinderte Menschen in der Haslachmühle gekümmert. Auf die Frage, was nun kommt, antwortete er: „Ich will Arbeitserzieher werden.“ Seine Ausbildung wird er an der Gotthilf-Vöhringer-Schule machen.
Jungen Erwachsenen durch Bildung die Chance auf eine gerechte Teilhabe an dieser Gesellschaft zu ermöglichen, sei ein besonderes Anliegen der Diakonie, so Oberkirchenrat Helmut Beck, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, das in Kooperation mit der Gotthilf-Vöhringer-Abendrealschule das FSJplus bereits im zweiten Projektdurchlauf angeboten hatte. Dies betreffe vor allem benachteiligte junge Menschen, die bislang keinen Zugang zu Ausbildung und Arbeit gefunden hätten. „Die Arbeit und die Erfahrungen in den Einsatzstellen vermitteln Sinn und ermöglichen die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Die Erfahrung des Gebrauchtwerdens und die Übernahme von Verantwortung stärken das Selbstbewusstsein und den eigenen Selbstwert“, sagte Beck.
Das Ziel, den FSJplus-Abschluss erreichen zu können, liege auch an den Rahmenbedingungen, die die Beteiligten gemeinsam geschaffen haben, sagte Professor Harald Rau, Vorstandsvorsitzender der Zieglerschen und verwies auf die Botschaften der Schulen der Zieglerschen, zu denen auch die Gotthilf-Vöhringer-Abendrealschule zählt: „Hier kannst du es schaffen, denn wir haben versucht, die Bedingungen, unter denen Schule stattfindet, genau auf deine Bedürfnisse und Stärken zuzuschneiden.“
Als „harten Brocken“ bezeichnete Schulleiter Gerhard Amend den meist sechswöchigen Wechsel von sozialen Diensten und Schule. Viele Schüler hätten einen mittelmäßigen Hauptschulabschluss und müssten in 40 Schulwochen, die auf zwei Jahre verteilt seien, den Stoff der mittleren Reife aufholen. Um so mehr freut er sich, dass alle 20 Absolventen gut durch die Prüfung gekommen sind. Und Angela Müller, ebenfalls frisch gebackene Realschulabsolventin sagte: „Einfach Zähne zusammenbeißen, die Zeit hier geht schon rum.“
Für das kommende Schuljahr seien schon alle 25 Plätze des FSJplus belegt, sagte Thomas Steigmiller, Projektkoordinator des Diakonischen Werkes Stuttgart, beworben hätten sich circa 150 junge Menschen. Neu sei das sogenannten Tandemverfahren, bei welchem die Freiwilligen ab Schuljahr 2009 jährlich ins FSJplus einsteigen könnten und sich zwei junge Erwachsene jeweils Einsatzstelle und Schulplatz teilen würden. Das Projekt sei bis 2011 gesichert, darüber hinaus bestehe die feste Absicht, FSJplus als Regelprojekt anzubieten.
Weitere Infos unter: www.fsjplus.de










