(openPR) Wegen eines Streits über die Geschäftspolitik ist der Finanzvorstand des Solarunternehmens Q-Cells, Hartmut Schüning, zurückgetreten. Nach FTD-Informationen hat sich Schüning mit Unternehmenschef Anton Milner und dem Aufsichtsrat überworfen.
Schüning habe bereits früh eine konservativere Finanzplanung und Bilanzierung angemahnt, damit habe er sich aber nicht durchsetzen können, hieß es aus informierten Kreisen.
Der Abgang des Finanzvorstands unterstreicht die angespannte Geschäftslage des Unternehmens. Zwar konnte sich Q-Cells jüngst durch den Verkauf einer 17-Prozent-Beteiligung am Siliziumhersteller REC und die Ausgabe einer Wandelanleihe frisches Kapital von fast 800 Mio. Euro beschaffen. Doch das Solarunternehmen steht unter Druck, weil die Preise für Solarzellen rapide fallen.
Q-Cells hatte Mittwochabend, einen Tag vor der Hauptversammlung, mitgeteilt, Finanzvorstand Schüning verlasse Q-Cells aus privaten Gründen. Vorübergehend werde der frühere Kion-Finanzchef Nedim Cen das Ressort übernehmen. Analysten werteten diese Interimslösung dahingehend, dass der Abgang von Schüning überraschend erfolgte.
Auf den Einbruch des Geschäfts - die Margen im Kerngeschäft von Q-Cells haben sich binnen zwei Jahren mehr als gedrittelt - reagierte Q-Cells nach Ansicht von Analysten zuletzt mit einem Übergang zu einer sehr aggressiven Bilanzierung. So weist das Unternehmen im Projektgeschäft mit Solaranlagen für das erste Quartal einen Umsatz von 85 Mio. Euro und einen Gewinn von 9 Mio. Euro auf. Tatsächlich zugeflossen sind dem Unternehmen aus diesen ausgewiesenen Erlösen und Gewinnen allerdings erst maximal 3 Mio. Euro.
Möglich ist das, weil sich Q-Cells selbst Umsätze und Gewinne anhand des Projektfortschritts gutschreiben kann - selbst wenn noch kein Geld von Auftraggebern geflossen ist. "Konservativer wäre es, Umsatz und Ertrag erst zu verbuchen, wenn das Geschäft weitgehend abgeschlossen ist und das Geld fließt. Gemäß IFRS bestehen da gewisse Spielräume", sagte UBS-Analyst Patrick Hummel.
Trotz eines ausgewiesenen Gewinns von 15 Mio. Euro war der Cashflow im ersten Quartal allerdings negativ - operativ flossen 110 Mio. Euro aus dem Unternehmen ab. "Es ist derzeit nicht absehbar, wie Q-Cells den Margendruck kompensieren kann", sagte Hummel. Eine anziehende Nachfrage nach Solarzellen alleine dürfte kaum reichen. "Es gibt eine komplett neue Wettbewerbssituation."










