openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Prostata, Protein & Proliferation

27.04.200911:26 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Ein in Zellen des Prostatakrebs nachgewiesenes Protein kann das Tumorwachstum einschränken. Das als SOCS-1 bezeichnete Protein gehört zur Klasse der sogenannten Suppressor of Cytokine Signaling (SOCS)-Proteine, die in verschiedenen Tumorarten sehr unterschiedliche Wirkungen bedingen. Die vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützte und jetzt im American Journal of Pathology veröffentlichte Arbeit zeigt weiter, dass die wachstumshemmende Wirkung von SOCS-1 durch Einfluss auf die Zellteilung erfolgt.


Für Männer ist das Prostatakarzinom, nach Lungen- und Darmkrebs, die Krebserkrankung mit der höchsten Sterblichkeit. Aber in einem frühen Entwicklungsstadium des Tumors bietet neben der Strahlentherapie auch das chirurgische Entfernen des Tumors eine gute Aussicht auf erfolgreiche Behandlung. In einem späteren Entwicklungsstadium ist die Chemotherapie zwar zunehmend erfolgreich, derzeit ist aber die Hormonbehandlung noch das erste Mittel der Wahl. Denn als eine der Hauptursachen für das Entstehen und die Entwicklung des Prostatakarzinoms gilt eine Aktivierung der Rezeptoren für männliche Sexualhormone auf den Zellen der Prostata. In den letzten Jahren mehren sich aber die Hinweise, dass auch chronische Entzündungen zur Entstehung des Krebses beitragen können. Zum besseren Verständnis dieser Zusammenhänge werden derzeit die dabei ablaufenden Signalübertragungswege im Detail analysiert.

Signalwirkung
Mit einer ganz speziellen Klasse an Schlüsselproteinen dieser Signalwege befasst sich das Team um Prof. Zoran Culig von der Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Innsbruck. Die als SOCS - Suppressor of Cytokine Signaling - bezeichneten Proteine wirken hemmend auf jene Signale, die von wichtigen entzündungsrelevanten Botenstoffen, den Zytokinen, ausgehen. Dazu Prof. Culig: "Derzeit wissen wir von sieben verschiedenen SOCS-Proteinen, die in Tumorzellen unterschiedlicher Krebsarten nachgewiesen werden können. Nun haben wir auch in Zellen des Prostatakrebses das SOCS-1 eindeutig belegen können. Neben sechs verschiedenen Zelllinien verwendeten unsere Kooperationspartner und Kooperationspartnerinnen von der Medizinischen Universität Wien und vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung, L. Kenner, M. Susani und M. Schlederer, für diese Untersuchung auch Gewebeproben von Tumorpatienten vor und nach einer Hormontherapie sowie von Patienten, die auf eine solche Therapie nicht mehr ansprechen. In allen Fällen gelang es uns, SOCS-1 nachzuweisen."

(Ent-)Zündende Wirkung
Zum weiteren Verständnis der Zusammenhänge zwischen SOCS-1 und den entzündungsrelevanten Signalübertragungswegen der Krebszellen wählte Prof. Culig ein elegantes Experiment: Prostatakrebs-Zelllinien wurden mit IL-6, einem Interleukin, das bei der Entstehung von Entzündungen eine maßgebliche Rolle spielt, behandelt. Interessanterweise bewirkte dies zwar keine Erhöhung der zur Herstellung von SOCS-1 notwendigen mRNA - trotzdem stieg die Konzentrationen an SOCS-1 deutlich an. Dazu Prof. Culig: "Obwohl das Ergebnis zunächst überrascht, kann dessen Erklärung recht einfach sein. Denn es ist durchaus vorstellbar, dass IL-6 stabilisierend auf die mRNA wirkt und somit SOCS-1 über einen längeren Zeitraum hergestellt werden kann. Auch das führt zu einer erhöhten Konzentration in den Zellen."

Da die Wirkungen der bisher bekannten SOCS-Proteine in den verschiedenen Krebsarten deutlich voneinander abweichen, wurden die Wirkungen von SOCS-1 von Prof. Culig in Prostatakrebszellen näher analysiert. Dafür wählte er zwei weitere aussagekräftige Experimente, wobei in einem die Konzentration des SOCS-1 in den Zellen erhöht und in dem anderen reduziert wurde. So konnte gezeigt werden, dass SOCS-1 über einen hemmenden Einfluss auf die Zellteilung der Tumorzellen das Wachstum des Tumors einschränkt. Speziell konnte ein Einfluss von SOCS-1 auf die Synthese der Proteine Cyclin und CDK gezeigt werden, die beide zur Initiierung der Zellteilung beitragen.

Insgesamt legt diese jetzt vom American Journal of Pathology auch als "Featured Article" publizierte Arbeit den Gedanken nahe, bei der Erforschung des Prostatakrebses das Augenmerk verstärkt auf die Zusammenhänge mit entzündungsrelevanten Vorgängen zu legen. Denn, so deutet das vom FWF unterstützte Projekt an, Signalübertragungswege, die für Entzündungen verantwortlich sind, könnten das Fortschreiten des Tumorwachstums bei Prostatakrebs beeinflussen.


Bild und Text ab Montag, 27. April 2009 ab 09.30 Uhr MEZ verfügbar unter:
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv200904-3de.html

Originalpublikation: Suppressor of Cytokine Signaling (SOCS)-1 is Expressed in Human Prostate Cancer and Exerts Growth-inhibitory Function through Down-regulation of Cyclins and Cyclin-dependent Kinases. H. Neuwirt, M. Puhr, F. R. Santer, M. Susani, W. Doppler, G. Marcias, V. Rauch, M. Brugger, A. Hobisch, L. Kenner and Z. Culig. Am. J. Path., DOI 10.2353/ajpath 2009.080751.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 304558
 1425

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Prostata, Protein & Proliferation“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Der Wissenschaftsfonds FWF

Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
Entwicklungspolitik in der Zeit des Kalten Krieges
Historiker der Universität Wien waren in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF dem Alltag von Entwicklungspersonal zur Zeit des Ost-West-Konflikts auf der Spur. Damit haben sie einen wesentlichen Beitrag zur globalen Geschichte der Entwicklungspolitik geleistet. Rund 30 DDR-Ingenieure, 200 kubanische Monteure und 4.000 einheimische Arbeiter waren am Bau der Zementfabrik "Mugher" in Äthiopien tätig. Die Fabrik, die ab 1980 errichtet wurde und im Wesentlichen noch heute besteht, war nur eines von vielen entwicklungspolitischen Projekten de…
Körpersprache im Unterricht
Körpersprache im Unterricht
Körpersprache nimmt gerade in der Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden einen hohen Stellenwert ein. Das ist das Ergebnis eines Projekts des Wissenschaftsfonds FWF, das seinen Fokus auf die verborgenen Seiten des Unterrichts lenkte. Ein ermunterndes Lächeln, skeptisches Stirnrunzeln, ablehnendes Kopfschütteln: Körpersprache ist vielfältig und wirkt. Die Hirnforschung hat das mit der Entdeckung der Spiegelneuronen wissenschaftlich belegt, indem sie aufzeigte, wie diese Nervenzellen die Handlungen eines Gegenübers, wie zum Beispiel ei…

Das könnte Sie auch interessieren:

US-Forscher finden neuen Prostata-Marker im Urin
US-Forscher finden neuen Prostata-Marker im Urin
Die Konzentration eines kleinen Moleküls im Urin könnte zeigen, wie fortgeschritten der Prostatakrebs eines Patienten ist. Die Entdeckung könnte dazu führen, dass ein einfacher, nicht-invasiver Test für Männer verfügbar wird, der etwas über das Stadium der Erkrankung aussagt, ohne dass dem Patienten eine schmerzhafte Biopsie zugemutet werden muss. US-Forscher …
Bild: Silencing bacteriaBild: Silencing bacteria
Silencing bacteria
… to each other. They do not communicate by words, but rather by chemical signals. This allows them, for example, to coordinate the penetration into a host or their proliferation. This special type of communication is called "quorum sensing". The term, "quorum", originates from the time of the Roman Empire and corresponds to the smallest number of Senate …
Bild: Prostatakrebs – Die Früherkennung entscheidetBild: Prostatakrebs – Die Früherkennung entscheidet
Prostatakrebs – Die Früherkennung entscheidet
Prostatakrebs steht in Deutschland mittlerweile an der Spitze der Krebsneuerkrankungen bei Männern. Jedes Jahr werden ca. 30.000 Prostatakarzinome festgestellt und ca. 12.000 Todesfälle werden verzeichnet. Um Prostatakrebs vorzubeugen empfiehlt sich eine ausgewogene, fettarme Ernährung. Viel wichtiger ist es aber, dass jeder Mann ca. ab dem 40. Lebensjahr …
Bild: Krebsdiät: Gibt es sie doch?Bild: Krebsdiät: Gibt es sie doch?
Krebsdiät: Gibt es sie doch?
… Ernährungswissenschaftlerin Anja Baustian der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen. Krebszellen entstehen durch Mutationen in Genen, die die zelluläre Proliferation, die Differenzierung und den programmierten Zelltod steuern. Wachsen solche Krebszellen lokal begrenzt und bilden keine Metastasen, kann durch eine chirurgische …
Neue Studie: Aggressiver Prostatakrebs – ja oder nein? Proteine aus Ejakulat geben Auskunft.
Neue Studie: Aggressiver Prostatakrebs – ja oder nein? Proteine aus Ejakulat geben Auskunft.
Weltweit ist das Prostatakarzinom der zweithäufigste Krebs des Mannes. Doch längst nicht jeder Prostatakrebs ist mit einer schlechten Prognose verbunden, die ein unmittelbares Eingreifen erforderlich macht. Daher besteht eine wesentliche Herausforderung an die Prostatakrebs-Diagnostik, aggressive von nicht aggressiven Tumoren zu unterscheiden. Derzeit …
Distant Relatives: TOR Protein Regulates Cell Growth in Plants and Animals
Distant Relatives: TOR Protein Regulates Cell Growth in Plants and Animals
… TOR is active in healthy human cells only in the presence of sufficient amino acids, an out-of-control TOR protein in cancer cells contributes to rampant tumour proliferation. That is why TOR is a critical target for tumour medications. In cooperation with researchers from the German Cancer Research Center (DKFZ), the Heidelberg plant researchers proved …
Protagen stärkt Technologieposition für neuartige Diagnostika durch eine neue Finanzierungsrunde
Protagen stärkt Technologieposition für neuartige Diagnostika durch eine neue Finanzierungsrunde
… und zur Begleitung von klinischen Studien sowie zur Patientenstratifizierung genutzt werden. Die eigenen Entwicklungsprogramme fokussieren sich auf Diagnostika für Prostata Krebs, Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis, Juvenile Idiopathische Arthritis, Morbus Parkinson und Alzheimer. Zeitgleich verlässt der Vorstandsvorsitzende Dr. Christoph Hüls …
Protagen trifft sich mit Experten der FDA
Protagen trifft sich mit Experten der FDA
… zwei Expertengruppen der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA präsentiert und deren Experten über den Stand der eigenen Entwicklungen in den Bereichen Prostata-Krebs und Multiple Sklerose, basierend auf der Bestimmung von Autoantikörpersignaturen in Serum, informiert. Zahlreiche Pharma- und Biotechunternehmen benutzen bereits die Protagen-Technologie …
Prostatakrebs – Neue Prognose- & Therapieansätze dank TRAIL
Prostatakrebs – Neue Prognose- & Therapieansätze dank TRAIL
Ein vom TRAIL-Protein initiierter Schutzmechanismus des Körpers ist in Prostatakrebszellen massiv verändert – gleichzeitig scheint das Protein die Überlebens-Aussichten für Patienten zu verbessern. Das sind die herausragenden Ergebnisse einer Kooperation der Arbeitsgruppe Urologische Tumoren an der Medizinischen Universität Wien und der Harvard Medical …
Bild: Gallbladder cancer: Pharmacist finds protein that drives tumour growth – new therapeutic approachBild: Gallbladder cancer: Pharmacist finds protein that drives tumour growth – new therapeutic approach
Gallbladder cancer: Pharmacist finds protein that drives tumour growth – new therapeutic approach
… switched on again. And if that happens, they can cause a lot of harm. Of the three proteins, IMP2 is particularly hostile: ‘Because IMP2 promotes cell division and proliferation, it also drives the growth of tumours,’ explains Kessler. Research pharmacist Kessler has now succeeded in linking the protein group to gallbladder cancer. ‘We were able to …
Sie lesen gerade: Prostata, Protein & Proliferation