(openPR) „Bündnis Kindergrundsicherung“ will Systemwechsel gegen skandalöse Armut
Hannover. 2,47 Euro darf eine 16-Jährige im Monat für Zahnpasta, Shampoo und Seife ausgeben. Für 2,21 Euro im Monat darf ein 17-Jähriger sich Hefte und Stifte kaufen. Für Bildungsausgaben sieht das Budget, das Kinder von Hartz IV-Empfänger bekommen, 0 Euro, in Worten: Null Euro, vor. So arm sind mehr als 2,4 Millionen Kinder in unserem reichen Land. Und weitere 1,5 Millionen Kinder, deren Eltern zu tariffreien Dumping-Löhnen arbeiten, liegen knapp über dem Niveau des staatlichen Sozialgeldes.
"Deshalb brauchen wir eine Revolution der Familienpolitik. Deshalb fordern wir einen mutigen Systemwechsel und 500 Euro Grundsicherung für jedes Kind im Monat“, sagte Christiane Reckmann, Präsidiumsmitglied der AWO und Vorsitzende des Zukunftsforums Familie (ZFF) zum Auftakt des "Bündnis Kindergrundsicherung".
"In jedem 6. deutschen Kinderzimmer spielt die Armut mit", kritisierte auch Axel Plaue, der Vorsitzende der AWO Bezirksverband Hannover e.V. "Das heißt, dass Millionen Kinder ohne Frühstück in die Schule gehen. Dass zum Beispiel "Lisa", die das Pech hat, dass ihr Papa langzeitarbeitslos ist, niemanden zum Kindergeburtstag einladen kann. Dass sie keine Musikschule besucht und den Sportverein meidet, weil sie sich den einheitlichen Trainingsanzug nicht leisten kann. Es heißt, dass Lisa nur eine 20-prozentige Chance hat, Abitur zu machen. Dass sie viel eher zu den 70 000 Kindern gehört, die jedes Jahr die Schule ohne Abschluss verlassen."
Die AWO fordert deshalb schon lange einen kostenfreien Zugfang zu allen Bildungs-einrichtungen. Das Konzept der Kindergrundsicherung des Bündnisses von sieben Verbänden und sechs namhaften Wissenschaftlern ist das mutigste und beste für alle Kinder. Die Kindergrundsicherung von 500 Euro im Monat errechnet sich durch das vom Bundesverfassungsgericht festgestellte sächliche Existenzminimum von 322 Euro im Monat.
Plus den ebenfalls höchstrichterlich festegestellten Kosten für Betreuung, Erziehung und Ausbildung von monatlich 180 Euro.
Für die Gesamtkosten von brutto rund 100 Milliarden Euro im Jahr, hat das "Bündnis Kindergrundsicherung" eine Finanzierung errechnet, die alle bisherigen Leistungen der Familienförderung zusammenfasst, beispielsweise das Ehegattensplitting als Förderung des puren Trauscheins abschafft und die neue, einheitliche Kindergrundsicherung der Einkommensbesteuerung unterlegt - womit Gutverdiener weniger als Niedrigverdiener bekommen und Bedürftige den vollen Satz.
"Es bleibt eine Finanzierungslücke von rund 10 Milliarden Euro, die eine Frage des politischen Gestaltungswillens und der Prioritätensetzung ist", sagte Axel Plaue und forderte die Parteien im Superwahljahr auf, Farbe zu bekennen.
Weitere Informationen: www.kinderarmut-hat-folgen.de





















