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Trauer ohne Barrieren

20.03.200913:20 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Ein bundesweit einmaliges Modellprojekt im schwäbischen Gammertingen will eine behindertengerechte Trauerkultur in Mariaberg, einem Zentrum für die Jugend- und Behindertenhilfe, entwickeln. Durch eine kompetente Begleitung der Trauerarbeit der behinderten Heimbewohner soll deren Lebensqualität entscheidend erhöht werden.



Borken, 20. März 2009. Trauern geistig behinderte Menschen wie gesunde Menschen? Haben sie sogar ein größeres Trauerbedürfnis als Nichtbehinderte? Besitzen sie eventuell sogar ein überdurchschnittliches Trauervermögen? Vor dem Hintergrund dieser Fragen arbeitet in Gammertingen die Mariaberg e.V. mit einer örtlichen Hospizgruppe, der Universität Tübingen sowie der Robert-Bosch-Stiftung zusammen, um in ihrer Einrichtung eine Trauerkultur zu entwickeln, die die Trauer von Menschen mit geistiger Behinderung ernst nimmt. Für Andreas Mäsing, den Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK), ist dieser ambitionierte Ansatz ein wichtiger Schritt für die Integration behinderter Menschen in unsere Gesellschaft.

„Geistig behinderten Menschen hat man bis heute vielfach die Fähigkeit zu trauern abgesprochen. Dabei ist Trauer kein kognitiver Prozess, der sich mit dem Willen steuern ließe“, meint Pfarrer Hans Heppenheimer, der das Projekt im Auftrag von Mariaberg e. V. initiiert hat und leitet. Unterdrückung von Trauer könne aber zu Depression führen und die allgemeine gesundheitliche Situation beeinträchtigen, gelebte Trauer dagegen setze Energien frei. „Menschen mit geistiger Behinderung“ so Heppenheimer weiter, „haben aufgrund ihrer emotionalen Intelligenz sogar eine vergleichsweise große Fähigkeit, Trauer zu leben. Diese Kompetenz kommt gesellschaftlich bisher überhaupt nicht zum Tragen.“ Dies zu ändern sei das wichtigste Ziel dieses Projekts.
Die wissenschaftliche Begleiterin, Dr. Heidrun Metzler von der Universität Tübingen, weist darauf hin, dass die Trauer der behinderten Menschen eine Komponente hat, die sie noch sensibler macht: die Trauer um das eigene „Behindert-Sein“. Metzler: „Darin bestehen wahrscheinlich die besonderen Herausforderungen des Projekts: Einerseits, dass wir uns mit der Lebensgeschichte und damit Trauergeschichte der behinderten Menschen befassen müssen, andererseits, dass eine bisher gelebte Kultur möglicherweise so verändert werden muss, dass die Trauer eine andere Beachtung findet und dadurch die emotionalen Bedürfnisse und Fähigkeiten der behinderten Menschen ernst genommen werden.“

In der Umsetzungspraxis gliedert sich das Projekt in mehrere Bausteine und Module, die sich jeweils anderen Dimensionen der Trauerarbeit mit den Heimbewohnern widmen. Dies reicht von „adäquaten“ Formen und Umgangsweisen mit Trauer, von der Kompetenzerweiterung im Umgang mit Menschen mit geistiger Behinderung, die nicht sprechen können, der Sterbebegleitung im Rahmen der Hospizarbeit, über palliativmedizinische Behandlungsmethoden bis hin zu Studientagen für Heimmitarbeiter. Insbesondere zielt das Projekt darauf ab, die Kompetenz der Mitarbeitenden zu stärken, damit sie angemessen mit der Trauer der ihnen anvertrauten Menschen mit geistiger Behinderung umgehen können.
Die „Entwicklung einer Trauerkultur“ soll auch nicht auf Mariaberg beschränkt bleiben, sondern ebenso Anstoß sein für andere Einrichtungen der Behindertenhilfe, an diesem Projekt zu partizipieren und so zu einem gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Menschen mit geistiger Behinderung und deren emotionalen Fähigkeiten beitragen.

Andreas Mäsing vom VFFK erkennt genau wie Projektleiter Heppenheimer hier eine Dimension, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung haben könnte: „Was dieses Projekt für mich so faszinierend macht, ist, dass Behinderte eine besondere Begabung zu trauern haben. Dies ist eine emotionale Ressource, der wir in unserer Gesellschaft eine viel größere Bedeutung und Beachtung schenken sollten. Ich hoffe, dass die Arbeit in Mariaberg in Zukunft etwas dazu beiträgt, dass die Themen Tod und Trauer auch bei Nichtbehinderten wieder stärker thematisiert werden.“

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