(openPR) Der Markt der Energieversorger (EVU) ist weiterhin massiv in Bewegung. So fordern nicht nur die Änderung des Energiewirtschaftgesetzes (EnWG) und die Einführung der Messzugangverordnung (MessZV) die Unternehmen auf, sich neu zu positionieren. Auch der Wettbewerb wird zunehmend härter. Gerade kleine und mittlere EVU werden wohl mit Ergebnisverlusten rechnen müssen. Gefragt sind neue Dienstleistungen, um diese Verluste zu kompensieren. Welche Herausforderungen genau Markt und Regulierung an die EVU stellen, damit hat sich nun eine Studie beschäftigt. "Handlungsempfehlungen für einen wirtschaftlichen Messstellenbetrieb", eine Gemeinschaftsarbeit von der EVB Energie AG und DIEHL Energy Solutions, wirft einen Blick in die nahe Zukunft der EVU und beschreibt die langfristige Marktentwicklung zu einem voll entwickelten Smart Metering. Ein Ergebnis zeigt die Studie dabei ganz deutlich: die EVU müssen heute und nicht morgen handeln. Und den kleineren und mittleren EVU ist es wirtschaftlich mehr als angeraten, für die Umsetzung ihrer gesetzlichen Aufgaben kompetente Partner im Bereich Messstellenbetrieb und Messdienstleistung zu engagieren.
Wohl kaum ein Markt ist derzeit so von Regulierung getrieben wie der der EVU. Die Netzbetreiber sind gefordert, die gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben zu erfüllen. Das seit September letzten Jahres geltende EnWG sieht unter anderem bis zum 1. Januar 2010 die Einführung intelligenter Zähler (Smart Meter) vor. Die Zeit drängt, denn ab 1. April 2010, also in gut einem Jahr, müssen die betroffenen Marktakteure ihre Prozesse und IT-Landschaften so angepasst haben, dass elektronischer Daten-austausch in einem einheitlichen Format möglich ist. Ab spätestens 30. Dezember 2010 sollen dann lastvariable oder tageszeitabhängige Tarife verbindlich eingeführt sein. Hinzu kommen die Änderungen der MessZV, die das Zähl- und Messwesen der leitungsgebundenen Energieversorgung vollständig für den Wettbewerb geöffnet haben.
Die Studie stellt zunächst deutlich klar, dass für die Umsetzung der Anforderungen technische Lösungen implementiert werden müssen, die funktionieren. Diese Smart Meter stehen dem Markt bereits heute zur Verfügung. Mittelfristig werde, so die Studie weiter, der Netzbetrieb keine aktive Rolle in Messstellenbetrieb und Messung mehr einnehmen. Die Leistung des Messdienstleisters sei dann optimiertes Datenmanage-ment. Ein weiteres großes Thema werde die sogenannte Home Automation einnehmen – der Energieverbrauch werde an den Börsenstrompreis gekoppelt sein, und genau hierfür stellten Smart Meter ein realisierbares Instrument. Auch prognostiziert die Studie, dass es mittelfristig nur noch wenige Anbieter für Messdienstleistungen geben wird, da das Geschäft nur mit Größen und Skalen wirtschaftlich zu betreiben sei. Zu-dem bedürfe es dafür umfassender Kompetenzen, vor allem in der IT. Und was kostet dies? Gesetzlich anerkannt werden nur die effizienten Kosten – und die bestimmen sich durch den Best Practice im Markt. Die Studie nennt Zahlen: die Betriebskosten pro Zähler und Jahr werden durchschnittlich rund 46 Euro betragen – weniger als ein Drittel davon übernimmt die Bundesnetzagentur (BNetzA), deren Entgelt für Messstel-lenbetrieb/ Messung sich auf 14,20 Euro pro Zähler und Jahr beziffert. Nach Einschät-zung der Studie wird diese Entgeltobergrenze nicht angepasst werden. Wie also lässt sich, vor allem für kleine und mittlere EVU, der Messstellenbetrieb wirtschaftlich betrei-ben?
Die Studie macht klar, dass es für kleine und mittlere EVU die effizienteste Lösung sei, einen Dienstleister mit umfassendem Leistungsspektrum zu beauftragen - für das wirt-schaftliche Outsourcing einer Tochter oder für eine Kooperation mit anderen EVU müsse eine gewisse Mindestgröße erreicht werden. Auch sollte der Betrieb von Mess-stellen nicht durch den Betreiber des Netzes erfolgen, da dieser in einem regulierten Markt agiere und deshalb nicht gleichzeitig sinnvoll Produkte in einem Wettbewerbs-umfeld anbieten könne. Da sich der Leistungsverkauf (Wasser, Gas, Strom) vom Netz löse, sollten der Messstellenbetrieb und die entsprechenden Ablesungen von den Auf-gaben Netzbetrieb und Leistungsverkauf getrennt erfolgen. Die Beauftragung des Dienstleisters, so die Studie weiter, sollte die Beschaffung von Hard- und Software sowie die Implementierung und der Betrieb der Messeinrichtungen umfassen, "sonst entstehen dem Netzbetreiber unnötige Risiken." Auch wird empfohlen, einen Multi-Utility-Ansatz zu praktizieren, so könnten größere Prozesseffizienz-Vorteile generiert werden als mit einzelnen Sparten. Zuletzt gibt die Studie auch noch eine Empfehlung, den Rollout betreffend. Für eine effiziente Umsetzung auch einer gesetzeskonformen Mindestlösung sei eine flächendeckende Einführung unter den Kunden sinnvoll, damit nicht zu hohe Prozesskosten beim Zählereinbau und durch die doppelte Prozessführung entstünden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, rechnet sich der Messstellenbetrieb mit elektronischen Zählern, so die Studie. "Die Deckungsbeiträge können die Kosten übersteigen. Ein potenzielles Ergebnis von zirka 20 Euro pro Jahr und Zähler kann an die Kunden weitergegeben werden."
Was die Kosten für Investition und Implementierung elektronischer Zähler betrifft, kommt die Studie ebenfalls zu einem klaren Ergebnis: "EVU müssen mit einer Mindest-investition von rund 45.000 Euro rechnen, unabhängig von der Anzahl elektronischer Zähler, die verbaut wurde."
Die Studie "Handlungsempfehlungen für einen wirtschaftlichen Messstellenbetrieb" wurde von der Beratungsgesellschaft LBD, Berlin, im Auftrag der EVB und DIEHL
Energy Solutions erstellt. Die detaillierten Studienergebnisse werden auch auf der DIEHL/EVB-Fachtagung am 25. März 2009 in Wiesbaden präsentiert. Anmeldung und weitere Informationen zur Fachtagung sind unter www.evb.net zu finden.










