(openPR) Die Industrie in Österreich will für Unternehmen, denen in der laufenden Krise vorübergehend große Auftragslücken drohen, ein neues Beschäftigungsmodell etablieren. Arbeiter und Angestellte sollen nicht gekündigt, sondern weiterbeschäftigt werden, berichtet „Die Presse“ in ihrer Internet-Ausgabe. Die entstehenden Kosten sollen sich alle Beteiligten, also Unternehmen, Arbeitnehmer und Staat, teilen. Dies erklärte der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, im Wiener Klub der Wirtschaftspublizisten.
Das Modell ist noch nicht bis ins Detail ausgereift, soll aber etwa folgendermaßen aussehen: Im Falle vorübergehender starker Unterauslastung (oder bei vorübergehenden Betriebssperren) bleiben die dann nicht benötigten Arbeitskräfte auf der Gehaltsliste des Unternehmens und bekommen während ihrer Nicht-Tätigkeit 75 Prozent ihres Nettolohnes weiter bezahlt. Die Kosten sollen wie folgt geteilt werden: Ein Viertel der Lohnkosten übernimmt der Betrieb, den Rest der Staat, entweder in Form von Steuergutschriften oder über Direktzuschüsse des AMS.
Das Modell biete Vorteile für alle Beteiligten, so Sorger. Die Beschäftigten würden nicht ihren Job verlieren und die Unternehmen bekämen in der auftragsarmen Zeit eine deutliche Fixkostenentlastung, durch die sie weiter überleben könnten. Auch die öffentliche Hand profitiere, da sie den gekündigten Arbeitnehmern keine Arbeitslosenunterstützung bezahlen müsste. Der größte Vorteil für die Unternehmen besteht darin, dass sie gut ausgebildete Facharbeiter halten könnte und sich nach dem Ende der aktuellen Krise nicht erneut auf die komplizierte Suche nach qualifiziertem Fachpersonal machen müsste.
Das Modell der IV geht weit über die derzeit mögliche befristete Kurzarbeit hinaus. Sorger betonte aber, dass es ausschließlich als Überbrückungsmodell für Unternehmen geeignet sei, die lediglich an einer vorübergehenden Auftragsschwäche leiden. Strukturelle Veränderungen, wie die Verlagerung von Massenproduktion nach Fernost, sollten damit nicht aufgefangen werden. Sorger mahnte in der Umsetzung zur Eile, da die einheimische Industrie in den vergangenen Wochen einen Auftragsrückgang in nie gekanntem Ausmaß zu verzeichnen hatte. „So etwas habe ich in den 40 Jahren meiner Tätigkeit in der Industrie noch nicht erlebt“, erklärte der IV-Präsident.
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