(openPR) 20.06.2007 Von Johanna Wögerer
Ein Brunnen für Nyoko
Nyokos braune Augen funkeln. Sie lächelt und meint aufgeregt: „Ich freue mich sehr. Bald habe ich mehr Zeit für die Schule und zum Lernen.“ Die 12-jährige Waise lebt bei ihrer Großmutter im Dorf Chapembera, in Malawi. Nyoko mag die Schule, dennoch steht das Überleben im Alltag an erster Stelle. Malawi liegt im Süden Afrikas und ist ein schönes und grünes Land - bis zur Trockenzeit. Auf die Dürre folgen Regenzeit und Fluten. Der mangelnde Zugang zu sauberem Wasser stellt das größte Problem dar.
Nyoko erfährt tagtäglich, was es bedeutet, ohne Wasser zu leben. Sie und ihre jüngere Schwester stehen sehr früh auf und laufen dreieinhalb Kilometer zum Fluss, an dem sie Wasser schöpfen. Oft trüb oder braun, aber immerhin ist es noch Wasser. Nach dem Frühstück von dünnflüssigem Maisbrei, geht Nyoko weitere vier Kilometer zur Schule, wenn sie noch die Kraft dazu hat. Ihre Großmutter bebaut ein kleines Stück Land mit Gemüse. Doch Wasser für eine gute Ernte fehlt und so fehlt es ihnen an ihrer einzigen Nahrungs- und Einkommensquelle. Jetzt hat Nyoko wieder Hoffnung, regelmäßig zur Schule zu gehen. Die Hilfsorganisation Islamic Relief baute mit Hilfe der Gemeinde nun eine Handpumpe für Chapembera - eine dauerhafte, sichere Wasserquelle.
Klimawandel bedroht vor allem die Armen
Mit dem fortschreitenden Klimawandel steigt in Afrika der Bedarf an der Versorgung mit sauberem Wasser. Das Wetter wird extremer und Fluten, Dürren und Naturkatastrophen breiten sich aus. Das bedroht den Lebensraum der Bevölkerung, die mehrheitlich von der Ernte ihrer Felder abhängig ist. Die Verringerung der Niederschläge um bis zu 50 Prozent in den vergangenen Hundert Jahren führt zu massiven sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Problemen. Bis 2010 soll es nach Voraussagen der Vereinten Nationen 50 Millionen Umweltflüchtlinge geben.
Islamic Relief führt seit Jahren in Ländern wie Malawi, Sudan, Mali und Niger Wasserprojekte durch, um den Wasserzugang für die Menschen zu sichern. Die Dörfer liegen weit voneinander entfernt und sind von jeglicher Wasserversorgung abgeschnitten. Besonders die Frauen und Kinder sind gezwungen, kilometerweite Strecken für Wasser zurückzulegen. Während der Trockenzeit bedienen sich die Menschen aus flachen Brunnen im Flussbett. Diese sind ungeschützt und schnell verseucht. Mensch und Tier trinken aus derselben Quelle. Nur wenige kochen das Wasser ab, viele werden krank. Während der Regenzeit schöpfen sie das Wasser direkt aus dem Fluss, doch das setzt sie der Gefahr von Cholera aus.
Nachhaltige Hilfe
In den Regionen Ouelessebougou, in Mali und Warrab, im Sudan, plant Islamic Relief 2007 die Bohrung von Brunnen und Handpumpen. Im landwirtschaftlichen Bereich soll die Wasserversorgung durch Bewässerungsanlagen gewährleistet werden. Die Bauern bewässern ihr Land und sind vor Dürre und dem damit verbundenen Einkommensverlust oder Hunger geschützt.
Dazu arbeitet die Organisation direkt mit den Betroffenen zusammen. Hisham Fayed, Ingenieur für die Wasser- und Sanitärprojekte von Islamic Relief in Malawi, erklärt: „In Malawi gründeten wir in zwei der ärmsten Regionen des Landes Dorf-Entwicklungskomitees, in den südlichen Distrikten Chikwawa und Nsanje. Diese ermöglichen es, den Menschen zusammen zu kommen und Lösungen für ihre Probleme zu finden. Islamic Relief hilft dann bei der Projektdurchführung und -entwicklung innerhalb der Gemeinde.“ Die Komitées wählen Mitglieder, die sie dann zu Handpumpenmechanikern ausbilden. Nur so bleiben die Brunnen zukunftsfähig. „Das Beste an meiner Arbeit ist der Betrieb meiner Bohrmaschine“, meint Hisham Fayed, „ und das Wissen, dass jeder Zentimeter, den wir weiter in den Grund bohren, uns der dringend benötigten Hilfe für die Menschen in der Gegend ein kleines Stück näher bringt.“




















