(openPR) Der Südwestfunk SWR 2 Forum (Moderation Ralf Caspary) widmete am 17. November eine dreiviertel Stunde der Waldorfpädagogik unter dem Titel: "Erzieher als Seelenführer?". Gesprächsteilnehmer waren Michael Grandt, der Autor des "Schwarzbuch Waldorf", und Henning Kullak-Ublick, Vorstand des "Bundes der Freien Waldorfschulen".
Interessant gestaltete sich das Gespräch für jeden Zuhörer, da Kullak-Ublick ganz offensichtlich allen konkreten Fragen, die an ihn gestellt wurden, auswich.
Grandt trat als kräftige Stimme vieler bisher ungehörter ehemaliger Waldorfschüler auf, die ihm von ihren eigenen negativen Erfahrungen schriftlich berichtet hatten. Grandt konnte seinen Standpunkt erhärten, da es keine klaren und plausiblen Widerlegungen für seine Äußerungen seitens Kullak-Ublicks gab.
Die Inhalte des Gesprächs konzentrierten sich immer wieder auf die Frage der Wissenschaftlichkeit der Waldorfpädagogik und inwieweit die esoterisch-okkulten Anschauungen Rudolf Steiners und seiner Lehre (Anthroposophie) in der Waldorfschulpraxis Anwendung finden würden.
Die Antworten von Kullak-Ublick konnten für den Zuhörer nur zu dem Ergebnis führen, dass es darüber keine Klarstellung geben könne, denn besagter versuchte einerseits begreiflich zu machen, dass man die Lehre Steiners sehr wohl als Wissenschaft betrachten müsse, auch wenn sie übersinnlichen Ursprungs sei; andererseits betonte er jedoch, dass die Anthroposophie in der gesamten Waldorfpädagogik keinen Einfluss haben würde, beziehungsweise nirgends zum Lehrinhalt gehöre.
Meines Erachtens wurde dadurch jedem Hörer bewusst, dass es sich um einen Zwiespalt handelt, dem Kullak-Ublick ausgesetzt sein muss.
Entweder gibt es eine wirkliche Distanzierung zur Esoterik Steiners und damit zu den unwissenschaftlichen Thesen des hellsichtigen "Schauers", der Gründer der Waldorfpädagogik war, oder man hält genau an diesen Thesen fest und versucht sie auf Biegen und Brechen in ein modernes wissenschaftliches Konzept zu kleiden, um allgemeine Akzeptanz zu erfahren.
Beides zu behaupten geht jedoch meines Erachtens nicht.
Damit wurde wieder einmal deutlich, dass die Waldorfpädagogik keine rein reformpädagogische Schulform sein kann, solange für jeden nachvollziehbar ist, dass eine Person (Rudolf Steiner und somit auch seine Aussagen) heute noch eine übergeordnete Rolle spielt. Trotz aller Anstrengungen des gesunden Menschenverstandes würde man ihn niemals als empirischen Wissenschaftler gelten lassen können.
Zu einer anderen Meinung verhelfen da nach meiner persönlichen Einschätzung weder aktuelle Studien, noch Untersuchungen mit wissenschaftlichem Hintergrund, die vom Gegenteil überzeugen möchten (auch wenn Herr Kullak-Ublick das vermeintlich ganz anders sieht/sehen will und hierzu eine andere Auffassung haben sollte).












